25.07.2013 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Schweinezucht
Schweizer Sauen exportiert
In der EU wird über ein Kastenstandverbot diskutiert. Darauf sind die Züchter nicht vorbereitet, ihnen fehlt die Genetik. Damit könnten sie sich in der Schweiz eindecken. Ein Zuchtverband aus Österreich hat das getan.

Am letzten Freitag verliessen 20 Jungsauen der Edelschwein-Mutterlinie die Schweiz in Richtung Österreich. Es ist seit Langem der erste Sauenexport in die EU. Bisher wurde auch schon Schweizer Sperma ausgeführt, und in drei KB-Stationen in Bayern (D) versehen acht Schweizer KB-Eber ihren Dienst.

Gute Muttereigenschaften und gesunde Fundamente

Das zeigt, dass das Interesse der EU-Schweinezüchter an unserer Genetik steigt. Der Grund: Noch sind Kastenstände dort zwar erlaubt. Per Anfang Jahr trat jedoch eine EU-Richtlinie in Kraft, die die Zeitdauer, in der die Sauen nach dem Besamen in solchen Einzelkäfigen gehalten werden dürfen, auf vier Wochen beschränkt. Und es laufen Bestrebungen, die Kastenstände und Abferkelkäfige ganz zu verbieten – die Schweiz hat schliesslich vorgemacht, dass das problemlos möglich ist.

Das drohende Kastenstandverbot in der EU ist eine Chance für die Schweizer Schweinezüchter. Sauen, die frei abferkeln und sich in den Abferkelbuchten sicher bewegen, brauchen gute Muttereigenschaften und gesunde Fundamente. Beide Eigenschaften werden in der EU kaum züchterisch bearbeitet, da sie dort nutzlos sind. Anders bei uns, wie Ruedi Mani, Geschäftsführer der Suisag, betont: «Wir beschreiben die Fundamente seit 13 Jahren und schätzen Zuchtwerte. Auch fliegen Sauen mit schlechtem Charakter bei uns sofort raus.» 

Österreicher beeindruckt

Schon im Frühling seien die Österreicher deswegen in der Schweiz gewesen, erwähnt Mani: «Sie waren sehr beeindruckt.» Das bestätigt Franz Schwert vom Verband niederösterreichischer Schweinezüchter: «Wir wollen unsere Genetik auffrischen mit ruhigen Sauen, die ans freie Abferkeln gewöhnt sind.»  Um von der Schweizer Genetik zu profitieren, würden sogar die administrativen und organisatorischen Hürden für den Export in Kauf genommen.

Mani hofft, dass die exportierten Sauen nicht die einzigen bleiben: «Wir hoffen auf eine gute Zusammenarbeit mit den Österreichern und mit Zuchtverbänden anderer Länder.»

Uneinigkeit bei Lizenzgebühren

Einzig bezüglich der Lizenzgebühren für die Nutzung «fremder» Genetik sei man sich noch nicht einig. Solche Lizenzgebühren sind laut Mani in den grossen Schweinezuchtnationen wie Dänemark oder Frankreich üblich und akzeptiert. Die Suisag bezahlt sie ebenfalls, etwa für die Nutzung französischer Landrassegenetik.

Deutschland und Österreich täten sich jedoch noch schwer damit, so Mani: «Wenn sie aber mit unseren Sauen züchten wollen, werden sie die Gebühren entrichten müssen. Schliesslich haben wir viel in unsere Genetik investiert.»

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