21.02.2016 09:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Schweinemarkt
Silberstreifen am Horizont
Endlich! Nach Wochen auf Tiefstpreisniveau zeigt die Preiskurve für Schlachtschweine nach oben. Obwohl sich also der Schweinemarkt 2016 etwas erholen dürfte, muss das Angebot noch weiter sinken.

3.45 Franken pro Kilo Schlachtgewicht (SG): So viel erhielten die Schweinemäster letztes Jahr im Durchschnitt für ihre Tiere. «Das ist viel zu wenig und keine Entschädigung für die tägliche harte Arbeit der Schweineproduzenten», blickt Adrian Schütz, stellvertretender Geschäftsführer von Suisseporcs, zurück.

Auch in den ersten sieben Wochen des Jahres 2016 verharrte der Schweinepreis auf tiefen 3.40 Fr./kg SG. Nun endlich kommt es zum ersten Preisaufschlag um 10 Rp. auf 3.50 Fr./kg SG. «Der Markt hat gekehrt», stellt Daniel Leutwyler, Leiter Vieheinkauf bei Bell, fest. «Wir bekommen deutlich weniger Schweine geliefert und müssen sogar ein paar Tiere suchen.» Frowin Schmid, Vieheinkäufer bei Micarna, bestätigt: «Das Angebot ist rückläufig.»

Bis jetzt gutes Angebot

Die Jagerbörse hat aber bereits vor drei Wochen eine Preistendenz von 3.50 Fr./kg angezeigt. Wieso hat es so lange gedauert, bis der Aufschlag Realität wurde? Die Antwort von Schmid kommt prompt: «Weil wir bis jetzt immer genügend Schweine bekommen haben.» Zudem sei der  Absatz von Schweinefleisch nicht gewaltig. Die nahenden Ostertage seien traditionell ebenfalls keine Schweinefleischzeit.

Etwas positiver beurteilt Leutwyler von Bell den Verkauf: «Schweinefleisch läuft aktuell bei uns gut. Leider etwas auf Kosten des Rindfleisches.»

«Ziel sind 4.20 Fr./kg SG»

Bei den Jagern hat der Markt schon vor vier Monaten «gekehrt». Das Angebot vermag die Nachfrage nicht zu decken. Ist das die lang ersehnte Produktionsdrosselung, die längerfristig bessere Schweinepreise ermöglichen wird? Adrian Schütz zeigt sich nur verhalten optimistisch: «Es stimmt, dass wir im Vergleich zu 2015 ein kleineres Jagerangebot haben. Doch das ist relativ und nötig, war doch der Schlachtschweinemarkt 2015 überversorgt.» Das Angebot müsse nachhaltig etwas kleiner sein, damit der Schweinepreis längerfristig kostendeckend sei. «Das Ziel aus Sicht der Produzenten muss im Durchschnitt 4.20 Fr./kg SG sein», so Schütz.

Ob und wann dieser Preis im laufenden Jahr erreicht wird, steht in den Sternen. «Im ersten Halbjahr ist in der Regel der Schweinemarkt besser, was im zweiten Halbjahr geschieht, ist noch offen», meint Schmid. Leutwyler ist zuversichtlich: «Der Schweinemarkt wird dieses Jahr gesünder sein als 2015.» Doch damit der Preis richtig in die Höhe schnellt, muss die Produktion noch deutlicher sinken. «50000 Schweineschlachtungen pro Woche sind zu viel für den Markt», so Leutwyler. Zum Vergleich: Im Schnitt liegt dieser Wert seit Jahresbeginn bei 49700 Schweinen pro Woche.

So wird der Schweinepreis festgelegt

Die Festlegung des Schweinepreises erfolgt nicht nach einem klaren System. Bereits Anfang Woche beginnen sich Abnehmer und Händler bilateral über die Marktlage und den Preis auszutauschen. Der Produzentenverband Suisseporcs ist nicht aktiv an den Preisverhandlungen beteiligt. Die Jagerbörse, bestehend aus Produzenten und Händlern, gibt am Dienstagnachmittag lediglich eine Preistendenz für Schlachtschweine heraus.

«Diesen Marktbericht nehmen, wir wie viele andere Marktsignale auch, zur Kenntnis», sagt Daniel Leutwyler, Leiter Vieheinkauf bei Bell. Schliesslich entscheide er aufgrund der Marktlage zusammen mit seinem Vorgesetzten am Mittwochabend über den neuen Bell-Schweinepreis. «Am Donnerstagmorgen ab 5 Uhr bin ich für Händler am Telefon erreichbar und gebe den neuen Preis auf Anfrage bekannt», erklärt Leutwyler. Auch die anderen Abnehmer teilen am Donnerstag ihre Preise mit. Bell als grösster Schweineschlachter der Schweiz beeinflusst dabei die Preisbildung wesentlich. Der neue Schweinepreis ist jeweils gültig ab Freitag. Das hat Tradition und macht Sinn, weil am Freitag geschlachtete Schweine meist erst am Montag verkauft werden.

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