Montag, 27. Juni 2022
19.05.2022 13:15
Schweinehaltung

«Unsere Tierhaltung ist weltmeisterlich»

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Von: Renate Hodel, lid

Im Rahmen der Delegiertenversammlung von Suisseporcs äusserte sich Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, zu den Herausforderungen und der Zukunft der Schweizer Schweinehaltung. Das Zeugnis ist gut – in nächster Zukunft dürften aber einige Veränderungen auf die Branche zukommen. Positive wie negative.

Über die letzten Jahre seien all die Ansprüche, die bis anhin an die Tierhaltung gestellt worden seien, vorbildlich umgesetzt worden, sagte Christian Hofer.

Potenzial bei Labelprogrammen

«In der Schweinehaltung, aber auch in den anderen Tierhaltungen, steht die Schweiz an einem sehr guten Ort – wir sind wahrscheinlich sogar Weltmeister», führte er weiter aus. Schweine, Hühner, aber auch Kühe würden heute sehr tierfreundlich gehalten. «Wahrscheinlich könnte die Anzahl der Tiere aber auch noch stark erhöht werden, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten noch mehr auf Labelprogramme umsteigen würden», relativierte Christian Hofer etwas.

Die Verkäufe in diesem Bereich seien eher stagnierend, entsprechend könnten die Möglichkeiten noch weiter ausgeschöpft werden: «Ich glaube, da wäre im Sinne der Nachfrage noch Potential da, was dann auch noch mehr Tiere in diesen tierfreundlichen Haltungssystemen nach sich ziehen würde.»

Potential bei Energieproduktion…

Im Bereich der ökologischen Aspekte wie den Nährstoffkreisläufen und Foodwaste sowie bei der Energieproduktion gäbe es für die Schweinehaltung aber noch einige Lücken zu schliessen. Allerdings bremsen nicht die Schweizer Schweinehalterinnen und Schweinehalter, sondern Raumplanungsgesetze und Gesetzte zur Lebensmittelsicherheit.

Hier tue sich aber etwas, meint Christian Hofer: «Gerade bei der Energiestrategie wird man zukünftig stark auf dieser Schiene fahren, dass die Schweizer Landwirtschaft gerade mit der Biogasproduktion – beispielsweise aus Schweinegülle – und der entsprechenden Energie, die dann zu Verfügung stehen wird, die Möglichkeit bekommt, ihren Beitrag zu leisten.»

Das Schwein und die Schweinehaltung würden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, ist Christian Hofer überzeugt.
Fabio Müller

… und Abfallverwertung

Diese Möglichkeiten würden in Zukunft noch mehr gestützt und gefördert werden, sodass dies ausgedehnter umgesetzt werden könne. Auch im Bereich der Nährstoffkreisläufe und der Abfallverwertung werde daran gearbeitet, dass beispielsweise Schlachtabfälle teilweise wieder zurück in die Tierernährung geführt werden können.

«Dort gibt es aber noch gewisse Hürden, etwa dass die entsprechenden Rohstoffe getrennt werden müssen, dass beispielsweise kein Kannibalismus entsteht», erklärt der BLW-Direktor. Insbesondere das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen arbeite aber intensiv daran, dass diese Kreisläufe wieder erschlossen und geschlossen werden können und die wertvollen Proteine nicht verbrennt werden müssten.

Chancen und Herausforderungen

Das Schwein und die Schweinehaltung würden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, ist Christian Hofer überzeugt. «Beispielsweise gerade indem man all die Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung über die Schweinehaltung wieder verwenden und im Kreislauf behalten kann», erklärte er. Auch bei der Tierhaltung selbst würden sich Chancen bieten: «Ich glaube, dass die Konsumentinnen und Konsumenten Vertrauen haben in die fortschrittlichen Haltungsformen, denn genau hier kann sich die Schweiz entscheidend differenzieren gegenüber den Haltungsformen im Ausland.»

In Zukunft müsse sich die Schweizer Schweinehaltung aber wohl mit der Tatsache auseinandersetzen, dass der Konsum von Fleisch allgemein eher etwas abnehmen werde. Ausserdem sei mit der Schweinehaltung auch ein starker Import von Futtermitteln verbunden und des Weiteren würde hierzulande viel Ackerfläche verwendet, um die Schweine direkt zu ernähren. «Das sind sicher Entwicklungen, für die wir in Zukunft Lösungen finden müssen», gibt Christian Hofer zu bedenken. Es sei fraglich, ob es in der Schweinehaltung in dieser Dimension, wie sie sich heute abspiele, so weitergehen werde oder ob es nicht eher in einer reduzierteren Form stattfinden wird.

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One Response

  1. Recht hat er, leider wird das aber nur sehr selten erwähnt, wenn aber einmal eine fehlerhafte Tierhaltung gefunden wird, dann wird tagelang darüber berichtet, obwohl es oft Fälle sind, bei Denen der Tierschutz schon lange Bescheid wusste und mitschuld ist.
    Fakt ist doch, dass wir hier sehr offen sind, man kann Tiere auf den Weiden sehn, oder den Bauern fragen ob man in den Stall schauen kann, die meisten sind sehr zuvorkommend und zeigen ihre Tiere voller berechtigtem Stolz.

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