11.06.2016 15:24
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Schweine
Vielfältige Auslöser für das Schwanzbeissen
Zu den vielen Faktoren, die das Schwanzbeißen bei Schweinen auslösen, können auch Toxine im Futter gehören. Darauf hat der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) am Dienstag vergangener Woche aufmerksam gemacht.

Bei einer Fachveranstaltung des Dachverbandes zur Caudophagie berichteten Experten von Hinweisen auf einen Zusammenhang zwischen der kannibalischen Verhaltensstörung bei Schweinen mit Stoffwechselstörungen und einer Belastung des Immunsystems. Als auslösende Faktoren wurden neben einer Mykotoxinbelastung des Futters auch bakterielle Endotoxine genannt, die beispielsweise bei Erkrankungen der Sauen an Methylmalonazidurie (MMA) entstehen.

Die Giftstoffe könnten die Verdaulichkeit senken und dann über einen Nährstoffmangel zum Schwanzbeissen führen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Stabilisierung der Magen-Darm-Gesundheit laut ZDS eine besondere Bedeutung. Allerdings hätten Versuche gezeigt, dass es nicht genüge, den Rohfaseranteil im Futter zu erhöhen. Andere Aspekte wie die Rohfaserqualität und die Art der Darreichung schienen ebenso wie sauberes Tränkewasser eine Rolle zu spielen. Diese Zusammenhänge sollten nach Auffassung des ZDS noch intensiver wissenschaftlich untersucht werden, wobei ein interdisziplinärer Ansatz von Fütterungsexperten, Physiologen und Tierärzten wünschenswert wäre.

Abgesehen von diesen Einflussfaktoren lasse die Erprobung verschiedener Vermeidungsstrategien zum Schwanzbeissen erkennen, dass die Gesundheit der Tiere und geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten weitere wichtige Einflussgrößen seien. Aber auch hier waren sich die Experten des Forums einig, dass eine alleinige Optimierung des Beschäftigungsmaterials aufgrund der multifaktoriellen Problematik nicht ausreicht, um das Schwanzbeißen sicher zu verhindern. Der ZDS rät deshalb allen Betrieben, die auf das Kupieren verzichten wollen, sich vorher kompetent beraten zu lassen und eine Bestands- beziehungsweise Betriebsanalyse durchzuführen, um Mängel bereits im Vorfeld abzustellen. Danach sollte zunächst mit einer kleinen Gruppe unkupierter Schweine gestartet werden, um das Risiko zu begrenzen.

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