Montag, 27. Juni 2022
21.09.2011 07:19
Kälbermast

Wurstkälber sollen Markt entlasten

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Von: Reto Blunier

Tränker mit «Milchgenetik» sind besonders während des Winters schwierig unterzubringen. Deshalb ermuntern die Kälbermäster und der Bauernverband die Milchproduzenten, diese Tränker selber zu mästen.

Die Schweizer Rindviehhaltung ist geprägt von der Milchproduktion. Dieser Umstand führe dazu, dass viele Kälber mit «Milchgenetik» und somit schlechten Voraussetzungen für Fleischigkeit  auf den Schlachtviehmarkt gelangen, schreiben der Schweizer Kälbermästerverband (SMKV) und der Schweizerische Bauernverband (SBV) in einem Communiqué.

Diese Tränker seien schwierig zu verwerten und könnten zeitweise kaum mehr abgesetzt werden, besonders in den Wintermonaten. Aufgrund einer Überproduktion sinken die Kalbfleischpreise, das Platzieren von qualitativ unterdurchschnittlichen Tränkern werde so äusserst schwierig, heisst es weiter. Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte und Ökologie beim SBV, hofft mit den Wurstkälbern auf eine Marktentlastung bei den Bankkälbern: «Besonders nach Weihnachten und Ostern haben wir ein Überangebot an Kalbfleisch. Wenn wir die schlechten Tränker aus dem Kreislauf aussortieren, dürfte dies bei den Bankkälbern entlastend wirken.»

Mast bei Milchproduzent

Im Ausland würden Tränker mit ungenügender Genetik nach der Geburt getötet. Für die Schweiz ist ein solches Vorgehen kein gangbarer Weg. Deshalb hat die Branche im vergangenen Jahr Praxisversuche unternommen, um diese Tiere verwerten zu können. Auf einem Merkblatt* des SBV und des SMKV sind die wichtigsten Kriterien für die Wurstkälberproduktion enthalten. Die Milchproduzenten sollen demnach Tiere, die sich nicht zur Nachzucht oder Bankkälbermast eignen, auf dem eigenen Betrieb halten und zu Wurstkälbern mästen:

  • Mindestalter bei Schlachtung 50 Tage. Den ethischen Ansprüchen würde so entsprochen.
  • Maximalgewicht 90 Kilo Lebendgewicht. Schwerere Tiere gelten als Bankkälber.
  • Absetzfristen sind zwingend einzuhalten. Kranke Tiere werden nicht angenommen.
  • Die Richtlinien des Tierschutzes müssen eingehalten werden.

Mehrerlös möglich

Auf dem Merkblatt gibt der SMKV den Haltern einige Produktionstipps. So sollen nur Tränker, die ungenügende Fleischigkeit und Muskelfülle (erfüllen Mindestqualität –T3 nicht) aufweisen, zu Wurstkälbern gemacht werden. Dank dem Mästen auf dem Geburtsbetrieb sind die Tiere auch weniger krankheitsanfällig. «Hier soll der Händler dem Produzenten auch Tipps geben, welche Tiere er selber ausmästen soll», betont Samuel Graber, Präsident des Kälbermästerverbandes. Die Tränker aus Mastrassen sollten sich aber nicht verteuern. 

Mit den Wurstkälbern sollen die Milchviehhalter auch einen Mehrerlös generieren können. «Statt die Tränker praktisch gratis abzugeben, kann der Milchviehhalter mit den Wurstkälbern einen Mehrwert schaffen», führt Rufer aus.

Proviande-Preis

Um bezüglich Preis Transparenz zu schaffen, wird die Proviande ab der Kalenderwoche 40 (ab 3. Oktober 2011) wöchentlich einen Wurstkälberpreis veröffentlichen. Für Fleischigkeit, Fett und Fleischfarbe gibt es keine Preisabzüge. Auf öffentlichen Märkten besteht keine Übernahmepflicht, mittels Marktentlastungsmassnahme kann die Proviande den Preis aber stützen. Dieser basiert auf Umfragewerten verschiedener Marktteilnehmer. Grössere wie kleinere Marktteilnehmer sind an den Wurstkälbern interessiert. «Von Oktober bis Ende Jahr werden wir den Markt genau beobachten. Wie viele Tiere in diesen Kanal fliessen, können wir erst darnach sagen», erklärt Mike Schneider von der Proviande.

Stärkung der Qualität

Graber und Rufer erhoffen sich von der Wurstkälbermast eine Erhöhung der Qualität bei den Bankkälbern sowie eine Glättung der saisonalen Preiseinbrüche. Da die verschiedenen Akteure mit den Wurstkälbern Neuland betreten, dürfte sich aber das Einpendeln des Marktgefüges über einige Wochen hinziehen. Profitieren von den Wurstkälbern sollen aber sowohl der Milchviehproduzent wie auch der Kälbermäster.

*Merkblatt abrufbar auf www.kaelbermaester.ch

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