22.07.2014 08:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Schweine
Zwei ähnliche, tödliche Seuchen auf dem Vormarsch
Die Klassische Schweinepest tritt in Europa seit Jahrzehnten immer wieder sporadisch auf. 2014 hat nun auch die Afrikanische Schweinepest die EU erreicht. Die beiden Seuchen haben viele Gemeinsamkeiten.

Vor einer Woche hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Massnahmen zur Verhinderung der Einschleppung der Klassischen Schweinepest ergriffen. Es verbot die Einfuhr von lebenden Schweinen, von Schweinesperma,   Schweinefleisch und  Schweinefleischerzeugnissen  aus Bulgarien und Rumänien und aus bestimmten Gebieten in Lettland und Kroatien. 

Beide hoch ansteckend

Bereits im März dieses Jahres wurde die Einfuhr von Schweinen und Wildschweinfleisch aus Litauen und Polen untersagt. Damals wurden die Massnahmen getroffen, um die  Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. 

Doch was ist der Unterschied zwischen der Klassischen Schweinepest (KSP) und der Afrikanischen Schweinepest (ASP)? Klar ist: KSP und ASP können von den Krankheitszeichen her nicht unterschieden werden. Beides sind hoch ansteckende und damit meldepflichtige Tierseuchen, und beide äussern sich durch vielfältige Krankheitszeichen  und können akut, chronisch oder in seltenen Fällen sogar äusserlich unauffällig (subklinisch) verlaufen.

Diffuse Symptome

Symptome werden meist zwei Tage bis zwei Wochen, in seltenen Fällen erst sechs Wochen nach der Ansteckung sichtbar (siehe Kasten). Zwischen 40 bis 85 Prozent der Tiere erkranken, bis zu 100 Prozent sterben. Die chronische Form ist durch weniger starke Symptome, teils therapieresistentes Fieber oder keine Symptome gekennzeichnet. So können die KSP und  die ASP schlecht erkannt werden. 

Wer bei seinen Schweinen solche diffusen oder auch offensichtlichen Symptome sieht, sollte das seinem Tierarzt melden. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Angst, dass der Betrieb beim kleinsten Husten gleich gesperrt wird, muss man nicht haben. Seit 2011 besteht nämlich bei unklaren Bestandesproblemen mit schweinepestähnlichen Anzeichen, aber ohne dringenden Verdacht, die Möglichkeit der Ausschlussuntersuchung. Damit können Tierärzte eine Infektion mit ASP oder KSP ausschliessen lassen, ohne dass der Betrieb gesperrt werden muss. Die Laborkosten für die Ausschlussuntersuchungen werden vom Bund übernommen.

Von Schwein zu Schwein

Bei der Übertragung gibt es kaum Unterschiede zwischen KSP und ASP. Sie werden hauptsächlich übertragen durch den direkten Kontakt zwischen Schweinen, insbesondere über Körpersekrete und Blut von infizierten Tieren, und die Verfütterung von Fleisch infizierter Tiere. Schweinepestviren können sowohl von Wild- auf Hausschweine als auch von Haus- auf Wildschweine übertragen werden.

Die Schweinepest kann jedoch auch indirekt von einem Betrieb zum anderen übertragen werden – etwa durch Besucher, kontaminierte Fahrzeuge, Geräte, Kleidung oder Instrumente. In Schweine- oder Wildschweinfleisch oder Fleischerzeugnissen wie Salami können die Erreger monatelang infektiös bleiben. 

Keine Impfung möglich

Die Schweiz ist frei von KSP und ASP. Die ASP ist noch nie aufgetreten, und der letzte Fall von KSP bei Hausschweinen ist datiert aus dem Jahr 1993, bei Wildschweinen aus dem Jahr 1999. Doch beide Seuchen nähern sich der Schweiz. So wurde die ASP Anfang 2014   in der EU bestätigt, und in den letzten Jahren gab es auch vereinzelte KSP-Ausbrüche bei Wildschweinen in osteuropäischen Staaten. Eine Einschleppung der Schweinepest in die Schweiz kann deshalb nicht ausgeschlossen werden.

Gegen den Erreger der ASP existieren keine Impfstoffe. Gegen die KSP könnte man impfen, allerdings ist das in der Schweiz verboten. In der EU ist bei einem Ausbruch eine Not-impfung möglich, diese ist aber bewilligungspflichtig. 

Mögliche Anzeichen von KSP und ASP

Akuter Verlauf:
Hohes, therapieresistentes Fieber, plötzliche Todesfälle
Fressunlust
Schweine liegen vermehrt in Haufen und sind teilnahmslos
Bindehautentzündung (rote Augen)
Durchfall oder Verstopfung
Verferkeln (Aborte)
Blauverfärbung der Haut, andere Hautveränderungen
Blutungen  der Haut oder aus Körperöffnungen, blutiger Kot
Punktförmige Blutungen auf den Schleimhäuten und auf inneren Organen
Erschwerte Atmung
Lähmungen

Chronischer Verlauf:
Verferkeln, kleine Würfe, lebensschwache Ferkel, Kümmerer
Durchfall oder Verstopfung, Husten, erschwerte Atmung, Hautveränderungen
Fressunlust, schlechte Mastleistung

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