Samstag, 27. Februar 2021
23.01.2021 11:55
Trainblog (2/25)

Sein eigenes Pferd der Armee verkaufen

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Von: ats

Mit dem eigenen Freibergerpferd als Trainsoldatin in der Schweizer Armee: Anja Tschannen erzählt im Trainblog von ihren Erlebnissen während der Sommer-Rekrutenschule 2020. Wenn sie nicht gerade mit dem Trainpferd über Stock und Stein stampft, ist sie als Redaktorin beim «Schweizer Bauer» und als Landwirtin tätig. In diesem Teil geht es darum, welche Voraussetzungen ein Pferd mit sich bringen muss um ein Trainpferd zu werden.

Die Aushebung als Trainrekrut ist die Basis dafür, wenn man sein eigenes Pferd mit in die Armee nehmen will. Mit der Unterschrift zum Trainrekruten an meiner Aushebung in Sumiswald BE habe ich mich dazu verpflichtet, den Dienst zu leisten.

Ich bin also nun Angehörige der Armee (AdA). Und als AdA hat man das Recht, am offiziellen Ankaufstag der Train-Bundespferde durch die Armee, sein eigenes Pferd zu «stellen».

Um sein eigenes Pferd am Ankauf stellen zu können, muss man selber bereits als Trainrekrut ausgehoben worden sein.
ats

Jedes Jahr, immer Anfang November, kauft die Schweizer Armee rund 25 Freibergerpferde und Maultiere ein. Händler, Züchter oder eben AdAs dürfen ihre Tiere auf dem Gelände des Nationalen Pferdezentrums (NPZ) in Bern vor der Ankaufskommission der Armee präsentieren.

Vorgängig muss man unbedingt kontrollieren, dass das Pferd korrekt geimpft ist. Noch wichtiger: man muss persönlich als Eigentümer im Pferdepass eingetragen sein. Es funktioniert also nicht, wenn man mit Mamas Liebling einrücken oder den Hafermotor des Onkels für die Rekrutenschule entlehnen will.

Nicht, dass mein Pferd plötzlich nicht mehr mir gehört

Damit sich die Armee organisieren kann, muss man sich und sein Pferd für den Verkaufstag anmelden. Vorbereitung ist bekanntlich die halbe Miete. Da ist es logisch, sind Haydo und ich nicht einfach so beim Verkaufstag angetanzt. Reiten und einspännig Fahren standen die Wochen davor auf dem Programm.

Trotz guter Vorbereitung war ich am Ankaufstag nervös. Schliesslich wollte ich unbedingt, dass es klappt. Zuerst werden die Dokumente überprüft: Pferdepass, Impfausweis und mein Dienstbüchlein. Zusätzlich schreibe ich auf das Infoblatt den Vermerk «Selbstgestellt». Nicht dass das noch irgendwie untergeht und mein Pferd plötzlich nicht mehr mir gehört.

Nur «Nutztiere» werden angekauft

Haydo und ich bekamen die Startnummer 31 und mussten dementsprechend einen Moment warten, bis wir an der Reihen waren. Dann war es soweit. Mit Haydo am Zügel lief ich in den Ring. Wiederristhöhe messen, Gesundheitskontrolle beim Tierarzt, Beschlag (Hufe und Hufeisen) begutachten, im Schritt und Trab präsentieren.

Ankaufsbedingungen Trainbundespferde

Angekauft werden Freibergerpferde (vorzugsweise reine Freiberger), die sich vor allem zum Säumen eignen. Sie müssen auch eingespannt (einspännig) und geritten werden können. Es werden Wallache und Stuten angekauft. Verlangt werden:

  • ausgeglichener Charakter
  • guter Widerrist, tragfähiger Rücken, gute Kruppe
  • breite, tiefgewachsene Brust
  • ausgiebiger und korrekter Gang
  • korrekte Gliedmassenstellung und gesund Hufe
  • Stockmass zwischen  151 und 158 cm
  • uneingeschränkte Sehfähigkeit
  • Alter: mindestens 3-jährig und in der Regel nicht älter als 7-jährig
  • Abstammung väterlicher- und mütterlicherseits von einem Bundeshengst oder von einem vom Bund anerkannten Hengst
  • Pferd muss bei der Tierverkehrsdatenbank angemeldet sein und auf den Verkäufer laufen
  • Es werden nur Pferde mit dem Status «Nutztier» angekauft
  • An allen vier Hufen beschlagen 
  • Ordnungsgemässe Impfung gegen Pferdegrippe

Bei der Exterieurbeurteilung wird überprüft, ob das Pferd die körperliche Voraussetzung eines Trainpferdes mit sich bringt. Hier scheidet bereits ein grosser Teil der Tiere aus. Manchmal liegt es an der Grösse, einem unregelmässigen Gang oder was besonders ärgerlich ist, an einer verpassten Impfung. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich vorgängig beim Kompetenzzentrum Armeetiere zu informieren, statt vergebens hinzukommen und enttäuscht zurück zu fahren.

Haydo hat die erste Selektion bestanden und wurde zum Fahrtest zugelassen. Der Fahrtest bildet das Knock-Out-System. Hier geht es in erster Linie darum, das Verhalten des Tieres zu beurteilen.

Wie verhält sich das Pferd beim Geschirren? Kann man es ruhig einspannen? Wie zieht es die Kutsche an, souverän oder im panischen Galopp?

Solide Ausbildung zahlt sich aus

Das Training der letzten Woche und natürlich die gute Grundausbildung der Vorbesitzer zahlen sich aus. Haydo absolvierte den besten Fahrtest des Tages.

Nachdem alle Pferde im Exterieur und die auserwählten auch beim Fahrtest unter die Lupe genommen wurden, ging es ums Geschäft.

Der Entscheid der Ankaufskommission wird bekannt gegeben: Haydo erfüllt alle Ankaufskriterien.
ats

Die Kandidaten, die bestanden und als potenzielle Train-Bundespferde in Frage kommen, werden noch einmal präsentiert. Mit gedämpfter, geschäftlicher Stimme wird dem Pferdeeigentümer der Preis, denn die Armee bereit zu bezahlen ist, mitgeteilt.

Es ist zugleich der Wert, für den das Pferd bei der Armee versichert wird. Der Eigentümer entscheidet Deal or no Deal. Ich schlage ein und unterschreibe den «Verkaufsvertrag».

Wenn man ein selbstgestelltes Pferd hat, ist es etwas spezieller, als wenn ein Händler oder Züchter verkauft. Ich will ja Haydo wieder zurück und ich nicht, dass jemand anderes ihn kaufen kann. Deshalb hat man das Vorkaufsrecht. Der Kaufvertrag ist nur pro forma und vor allem versicherungstechnisch wichtig.

Nach dem «Verkauf» geht es für die künftigen Train- Bundespferde gleich los. Vom Präsentationsring ab in den Ausbildungsstall. Das NPZ hat einen Leistungsauftrag mit der Armee und bereitet die Pferde auf ihre künftigen Aufgaben vor.

Das heisst, Haydo bleibt im Nationalen Pferdezentrum in Bern. Sechzig Tage dauert die Grundausbildung und gleichzeitig auch die Garantiefrist des Kaufvertrages. Sprich, sollten sich während der Ausbildung gesundheitliche oder charakterliche Mängel aufzeigen, müssen die ehemaligen Eigentümer die Pferde zurücknehmen.

Leistungsauftrag des NPZ

Ausbildung der «Bündler»
Bündler werden die Freibergerpferde und Maultiere genannt, die im Train im Einsatz sind – die Train-Bundespferde.

Jedes Frühjahr werden 15-20 Freiberger Wallache und einige Maultiere im Alter von 4-7 Jahre als Bundespferde selektioniert. Nach einer zweimonatigen Ausbildung im NPZ im Reiten, Fahren und Säumen besuchen die Jungpferde ihre erste Rekrutenschule.

Nach der RS haben die Rekruten die Möglichkeit, einen Bündler für sich zu erwerben. Die restlichen Pferde werden an die sogenannten Pferdelieferanten der Armee verkauft. Alle Bündler müssen danach regelmässig ihren Militärdienst ablegen.  Mehr dazu hier. npz

Ich führe mein Pferd in die Stallungen. Ein weiterer grosser Schritt für die Verwirklichung meines Traumes ist geschafft. Ich bin erleichtert, der Plan scheint aufzugehen und ich liebe es, wenn alles am Schnürchen läuft.

Gespannt, wie sich Haydo bei der Grundausbildung schlagen wird, endet ein intensiver und interessanter Ankaufstag.

-> Hier findet Ihr Teil 1 

8 Responses

  1. „Tuusig meter süüme zwüschetdure Schnupfe Trainsoldate sin mir ja miir ja miir“ Freu mi scho richtig uf die RS als Trainrekrut bi de Komp Zen Vet D u A Tiere. Cool das da nid nur Manne, sondern au Froue debii sind wo das mit Herzbluet mache.

  2. Darf man denn Pferde noch in dieser Anbinde/Ständerhaltung unterbringen ? Hab gedacht, dass diese mittlerweile verboten ist. Equiden dürfen nicht angebunden werden. ZITAT aus dem Merkblatt „Recht für das Pferd“.
    Wünsche dem hübschen Haydo alles Gute.

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