Dienstag, 28. September 2021
07.09.2021 18:24
Insekten

So sollen die Insekten gerettet werden

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Von: sda

Mit den bisher in der Schweiz ergriffenen Massnahmen ist es nicht gelungen, das Schwinden der Insekten aufzuhalten. Biodiversitätsforschenden zufolge müssen die bestehenden Instrumente angepasst und ergänzt werden. Ein Überblick:

HOTSPOTS: Für Insekten wertvolle Lebensräume verschwinden. Besonders in den Berggebieten beschleunigt sich dieser Trend gemäss den Forschenden. Die noch bestehenden Flächen müssten deshalb vor Zerstörung geschützt werden, was vor allem für Insektenhotspots ausserhalb von Schutzgebieten wichtig sei. Zudem brauche es eine Identifizierung der noch nicht bekannten Hotspots, um diese gezielt schützen zu können.

LEBENSRÄUME: Die Erhaltung der Biodiversität soll auf mindestens einem Drittel der Landesfläche Priorität haben. Die Lebensräume sollen ausreichend gross und von guter Qualität sein sowie eine geeignete Verteilung und Vernetzung aufweisen.

BEWIRTSCHAFTUNG: Werden Bewirtschaftungs-und Erntetechniken wie Kreisel- und Fadenmäher, Silage, Laubbläser und Steinfräsen vermieden, fallen die Verluste bei Insekten geringer aus. Insekten profitieren unter anderem von gestaffelten Schnittzeitpunkten, arten- und blütenreichen Säumen, einer extensiven Bewirtschaftung und Totholz in den Wäldern.

ARTENFÖRDERUNG: Für diejenigen Insekten, für welche Schutzgebiete, eine Aufwertung der Lebensräume und eine insektenfreundlichere Bewirtschaftung nicht ausreichen und die gefährdet sind, braucht es gezielte Förderungsmassnahmen.

PFLANZENSCHUTZMITTEL: Der Einsatz besonders riskanter Pflanzenschutzmittel, deren Emissionen sowie die behandelte Fläche sollen verringert werden. Mittelfristig gelte es, dass die Landwirtschaft möglichst unabhängig von Pflanzenschutzmitteln produziere. Im Siedlungsraum solle gänzlich auf Pestizide verzichtet werden, so die Forschenden.

STICKSTOFF UND PHOSPHOR: Tiefere Nutztierbestände seien der Schlüssel für geringere Stickstoffeinträge. Phosphor gelangt insbesondere durch Düngung in Böden und Gewässer. Um die Emissionen einzudämmen, sollte die landwirtschaftliche Produktionsintensität an die betriebseigene Produktionskapazität und die ökologische Tragfähigkeit des Standortes angepasst werden.

KLIMAWANDEL: Der Klimawandel gilt als die weltweit drittwichtigste Ursache des Rückgangs der Biodiversität. Einige Insektenarten profitieren zwar von der Erwärmung, Spezialisten leiden jedoch – etwa weil Gewässer austrocknen, ihre Konkurrenz Überhand gewinnt oder Nahrung knapper wird.

LICHTVERSCHMUTZUNG: Nachtaktiven Insekten machen künstliche Lichtquellen zu schaffen. Vermindert werden kann dieser negative Effekt durch Dunkelflächen, temporäre Abschaltung nicht benötigen Lichts, gezielte Abschirmung von Lichtquellen und eine systematische Einführung von LED-Lampen.

MONITORING: Bisher fehlen gemäss den Forschenden systematische, grossräumige und langfristige Untersuchungen zu verschiedenen Insektenarten und -gruppen sowie die Erfassung der Insekten-Biomasse. Bestehende Monitoringprogramme sollten daher fortgesetzt und verstärkt werden.

FORSCHUNG: Die Insektenwelt sei nach wie vor nur unzureichend untersucht. Die Forschung sollte daher intensiviert werden.

WISSEN: Oftmals würden Insekten und ihre Lebensräume aufgrund von Ordnungseifer, fehlendem Interesse oder Unwissenheit beeinträchtigt und zerstört. Das Wissen um die Insektenwelt sollte deshalb in den Mittelschulen, Berufs- und Fachhochschulen gefördert sowie in Aus- und Weiterbildungen gestärkt werden. Zudem müssten in Berufen wie Landwirtschaft, Gartenbau, Siedlungsbau und Immobilienentwicklung tätige Personen sensibilisiert werden, um insektenfreundliche Bewirtschaftungsmethoden umsetzen zu können.

NEUE VISIONEN: Dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) zufolge braucht es einen tiefgreifenden Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit und weniger Ressourcenverbrauch. Biodiversität müsse in die Erarbeitung und Überprüfung von Gesetzen und Programmen in allen Politikbereichen einfliessen, biodiversitätsschädigendes Verhalten solle kosten und ebensolche Subventionen abgeschafft werden, so die Forschenden.

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8 Responses

  1. Einmal mehr soll die Landwirtschaft die Probleme fast im Alleingang lösen. Warum fehlen hier Vorschläge zur Reduktion der genügend nachgewiesenen, negativen Einflüsse von Elektrosmog und Mobilfunk auf Insekten?

    1. Seit mehr als 25 Jahren wird der Landwirtschaft vorgeschrieben was wir zu tun haben um mer Artenvielfalt zu erhalten und denoch sind die Ziele nie erreicht ich frage mich ist die Landwirtschaft wirklich das Problem oder sind es die Leute in den Bundesämter welche sich einfach nur eine Heile Schweiz mit günstigen Nahrungsmittel aus dem Ausland wünschen!

  2. Die Herausforderung für die Zukunft ist: Wie können möglichst hohe Erträge erzielt werden und gleichzeitig die Artenvielfalt gesteigert werden. Leider wurde bisher nicht in diese Richtung geforscht. Auf vielen Bauernhöfen sind aber solche Projekte am Laufen. Auf Initiative von Bauern in Zusammenarbeit mit lokalen Umweltvereinen.

    1. Die Biodiversität sank im Jahre 2006 schlagartig. Genau in zeitlicher Übereinstimmung mit der Einführung der G3-Antennen. Warum wird der Mobilfunk nicht als Ursache für den Insektenschwund betrachtet und ehrlich geforscht und interpretiert.
      Soll immer alles auf dem Rücken der produzierenden Landwirtschaft ausgetragen werden?
      Problemerkennung scheint nicht gerade die Stärke der eidg. Forschungsanstalten zu sein. Sie liegen und lagen völlig falsch bei Covid, Klima (Hitzesommer), Biodiversität.

  3. und was ist mit den Motrradhelmen umd den Autofrontscheiben voller Insekten? Was mit den unzähligen Insektenspey. Schwach und einfältig immer die Lanwirte als Sündenböcke anzuprangern.

    1. Nein. Du, W. Müller und deine Gesinnungsgenossen, die Linken, machen Panik bezüglich Wasser, Klima, Biodiversität. So machten die Bauern den Vorschlag, mit technischen Mitteln die Kläger zum Schweigen zu bringen. 5G wäre dann nötig für die „präzise Landwirtschaft“. Der Druck kommt von links. Also sind die die Schuldigen. Streiten ständig ihre Verantwortung ab.

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