Dienstag, 9. August 2022
05.08.2022 10:15
Südafrika

Tiefe Sterberate, höhere Rendite

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Von: Lindi Botha, LID

Nur wenige landwirtschaftliche Betriebe in Südafrika haben mit solchen Herausforderungen und engen Gewinnspannen zu kämpfen wie die Geflügelzüchter. Plaston Chicken Farms produziert über 800’000 Poulet pro Jahr und achtet auf eine tiefe Sterblichkeitsrate und niedrige Betriebskosten, um den Betrieb rentabel zu halten.

Wenn jemand weiss, wie man einen Hühnerzuchtbetrieb zum Laufen bringt, in dem die Gewinnspannen notorisch gering sind, dann ist es Dale Shepherd. Als Inhaber des Banking and Financial Services Campus, wo er Schulungen für Kredit- und Risikomanagement im Finanzdienstleistungssektor anbietet, verfügt er über jahrzehntelange Erfahrung in der Frage, was den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen ausmacht.

Seit 2011 hat Shepherd auf zwei Farmen in White River, Mpumalanga, Südafrika, neun Produktionsstätten mit rund 135’000 Hühnern aufgebaut. Dadurch konnte er nicht nur einen unterversorgten Markt mit Masthähnchen versorgen, sondern auch dringend benötigte Arbeitsplätze, Schulungen und Einkommen für die örtliche Gemeinschaft schaffen.

Unterstützung durch die Gemeinschaft

Das Land, auf dem Plaston Chicken Farms betrieben wird, ist von den Eigentümern gepachtet, die aus einer Gruppe bestehen, die nicht über das Kapital oder das landwirtschaftliche Fachwissen verfügt, um mit dem Land ein Einkommen zu erzielen. Die Farm spielt daher eine zentrale Rolle, da die Eigentümer nun in der Lage sind, ein Einkommen aus dem Land zu erzielen, Gemeindemitglieder im Betrieb beschäftigt werden können und nützliches Land nicht ungenutzt bleibt.

Dies stellt eine interessante Herausforderung für Shepherd dar, da er nicht nur sicherstellen muss, dass er genug Gewinn erzielt, um seinen Vermieter zu bezahlen, sondern auch, dass die Mitarbeiter aus der Gemeinde angemessen geschult werden, um sicherzustellen, dass sie ihren Aufgaben gewachsen sind.

Plaston Chicken Farms von Dale Shepherd verkauft lebende Hühner und hat sich damit ein unterversorgtes Marktsegment erschlossen.
Lindi Botha

Manager pro Stall

Da die Inputkosten eine der grössten Herausforderungen für das Unternehmen darstellen, müssen diese zusammen mit dem Output gesteuert werden. Shepherd hat ein System, bei dem ein Manager einen Hühnerstall beaufsichtigt und die volle Verantwortung für die Aufzucht gesunder Hühner übernimmt: «Ich stelle ihnen alles zur Verfügung, was sie brauchen, um erfolgreich zu sein, sie müssen es nur verwalten.»

Jeder Mitarbeiter muss ein Formular ausfüllen, in dem er die verfügbaren Futtersäcke, die Sterblichkeitsrate, die Anzahl der Eintagsküken und die Qualität der Einstreu angibt. Die Temperatur in den Ställen muss sechsmal am Tag gemessen werden, um Probleme zu vermeiden, bevor sie entstehen. All diese Informationen werden in einer Tabellenkalkulation erfasst, die in einen grossen Managementbericht einfliesst und Shepherd einen ständigen Überblick über die Geschehnisse auf dem Betrieb gibt.

Bonus-System für Mitarbeitende

Einer der wichtigsten Aspekte, auf den sich Shepherd konzentriert, ist die Sterblichkeitsrate. Da Hühner sehr empfindlich sind, kann das Übersehen dieses Aspekts einen Betrieb schnell zum Scheitern bringen.

Der Betrieb hält eine durchschnittliche Sterblichkeitsrate von 5,5% ein, und die Mitarbeiter werden dazu angehalten, diese Rate so niedrig wie möglich zu halten, wobei für das Erreichen der Zielvorgaben Boni gezahlt werden. «Die Betriebsleiter müssen Leistung erbringen, um einen solchen Bonus zu verdienen. Die Senkung der Sterblichkeitsrate hängt sehr stark vom Management ab», meint Dale Shepherd.

Bei Masthühnern in Südafrika wird genau gerechnet. Schnell kann ein Betrieb im Verlustbereich landen
Lindi Botha

Bei dem Besuch auf dem Shepherd-Betrieb fällt auf, dass es keine Fliegen gibt, obwohl Hühnerfarmen besonders anfällig für Fliegenbefall sind. Trotzdem der Betrieb in einem dünn besiedelten Gebiet liegt, geht es laut Shepherd bei der Fliegenbekämpfung sowohl um die Akzeptanz des Betriebs in der Bevölkerung als auch um die Gesundheit der Tiere und der Umwelt. Deshalb setzt er effektive Mikroben ein, um Fliegen durch diese nützlichen Mikroorganismen zu unterdrücken und zu kontrollieren. Da sich die Mikroben von Fliegenlarven ernähren, wird die Fliegenpopulation auf dem Betrieb stark reduziert.

Kosten steigen auch in Südafrika

Shepherds Erfolgsstrategie besteht darin, seinen Break-even-Punkt wöchentlich zu überwachen. «Ich habe meine variablen Kosten, die Fixkosten und die Kosten für die Produktion eines Poulets errechnet. Dann beobachte ich meine Kosten, die jetzt alle steigen: Eintagsküken, Gas, Transport, Futter und Kraftstoff. Wir mussten also den Preis pro Vogel anheben, um diese Kosten zu decken.»

Es sei wichtig, diese Zahlen im Auge zu behalten, denn die Gewinnspannen seien so gering, dass eine Farm leicht in eine Situation geraten können, in der sie ihr Geld nicht mehr zurückbekomme. «Deshalb spielt die Sterblichkeitsrate eine so entscheidende Rolle», fährt Shepherd fort. «Wenn wir über 5,5 % Sterblichkeitsrate hinausgehen, fange ich an Geld zu verlieren.»

Harte Verhandlungen

Die Beziehungen spielen eine grosse Rolle für Shepherds Erfolg. Wenn die Zahlen an ein Ende der Skala rutschen, an dem die Landwirtschaft unrentabel wird, verhandelt er mit seinen Lieferanten. «Aufgrund der Grösse des Betriebs habe ich eine bessere Verhandlungsposition gegenüber meinen Lieferanten. Und selbst wenn ich nur einen Preisnachlass erhalte, der einer Ersparnis von 2% der Produktionskosten für ein Huhn entspricht, habe ich eine bessere Chance, im Geschäft zu bleiben, wenn ich diese 2% von jedem Zulieferer bekommen kann.»

Obwohl die Geflügelzucht ihre Herausforderungen hat, sagt Shepherd, dass seine Leidenschaft für die Landwirtschaft sein grösster Antrieb ist. «Solange ich meine Kosten gedeckt und meine Gläubiger bezahlt habe und etwas Kleines für mich dabei herausspringt, bin ich zufrieden.»

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