6.02.2019 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Bern
1000-kg-Bison tot wegen Schaf
Schafe können das Bösartige Katarrhalfieber übertragen, ohne dass sie daran erkranken. Das kann für Rinder und Bisons schlimme Folgen haben. Andreas Fahrni in Oberlangenegg BE musste das erfahren.

Am 12. Oktober 2018 ist der 1000kg schwere Bisonstier Geronimo von Andreas Fahrni in Oberlangenegg BE umgestanden, nachdem Ende September  bereits ein 18 Monate altes Bisonrind starb. «Der Befund des Tierspitals lautete Bösartiges Katarrhalfieber», betrauert Fahrni den Tod seines kapitalen Stieres. «Ein Nachbar, der neu Schafe hat, weidet angrenzend an mein Land. Die Schafe haben wohl die Bisons mit dem Virus angesteckt.»

Virus weit verbreitet

Diese Vermutung kann laut Mireille Meylan von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern stimmen: «Es ist so, dass das Virus, das bei Rindern oder Bisons zu Bösartigem Katarrhalfieber führt, in der Schweizer Schafpopulation weit verbreitet ist. Die Schafe bleiben gesund, stellen aber ein Virusreservoir dar. Leider verläuft die Infektion bei Rindern nach einigen Tagen mit hohem Fieber, geröteten Schleimhäuten und Durchfall so gut wie immer tödlich, eine Behandlung gibt es nicht.»

Bis 2009 war die Krankheit als zu überwachende Tierseuche aufgelistet, Infektionen mussten also gemeldet werden. In den Jahren vor 2009 waren es jeweils zwischen drei und 48 Fällen des Bösartigen Katarrhalfiebers, die in die Tierseuchendatenbank des Bundes einflossen. Seither gibt es keine Statistik mehr. Laut Meylan ist die Krankheit den Tierärzten aber gut bekannt.

Versicherung will nicht zahlen

Wie das Virus von Schafen auf Rinder übertragen wird, ist nicht geklärt. «Einen absoluten Schutz für Rinder gibt es nicht», erklärt Meylan, «am besten werden Kontakte mit Schafen vermieden, allerdings gibt auch das keine Garantie, dass die Krankheit nicht auftritt.»

Fahrni hat sich mit der Bitte um Aufklärung an den Schafzuchtverband gewendet. «Bis heute wurde ich nicht über die Schafkrankheiten informiert. Mit dem Kauf von Schafen kaufen die Schafhalter ohne Wissen viele Krankheiten mit.» Doch Christian Aeschlimann vom Schafzuchtverband hat keine Kenntnis von diesem Fall: «Gesundheitsrelevante Probleme werden vom Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer angesprochen.»

Das Bösartige Katarrhalfieber hat dem Bisonhalter einen Schaden von gegen 20000 Franken beschert. «Die Helvetia-Versicherung meines Nachbarn mit den Schafen lehnt die Haftpflicht ab. Ich weiss nicht, wie es weitergehen soll.» 

Bösartiges Katarrhalfieber

Das Bösartige Katarrhalfieber wurde erstmals 1877 in der Schweiz beobachtet. 1923 wurde es als Viruserkrankung identifiziert.  Die Erkrankung kommt weltweit vor und befällt vorwiegend Rinder, aber auch Bisons, Büffel, Ziegen, Gämsen oder  Steinböcke. Schafe übertragen das Virus, erkranken aber nicht daran.

Symptome des Bösartigen Katarrhalfiebers sind Fieber über 40°C, Muskelzittern, Teilnahmslosigkeit, Versagen der Pansenmotorik, Versiegen der Milch und eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz. Je nach Verlauf kann der Tod eintreten.

Ab dem ersten oder zweiten Krankheitstag kommt es bei der Kopf-Augen-Form zu Schwellungen der Kopfschleimhäute. Die Entzündung der Bindehäute führt zu vermehrtem Tränenfluss und dem Zuschwellen des Auges. Sie greift später auch auf die mittlere Augenhaut  über und kann zum Aufbrechen des Augapfels führen. Ein Übergreifen der Entzündung auf die Stirnhöhle kann zur Lockerung der Hörner führen. Insgesamt liegt die Sterblichkeitsrate über 90 Prozent. Eine Therapie gibt es nicht. Eine symptomatische Behandlung  ist wenig erfolgversprechend.

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