25.12.2018 17:02
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Phytomedizin
«Alternativen für Antibiotika gibt es längst»
Antibiotika sind in aller Munde. Doch von den Alternativen hört man wenig, obwohl es sie längst gibt. Mit der Phytomedizin haben Bauern ein bewährtes Werkzeug zur Hand, um den Antibiotikaverbrauch zu senken.

«Der Praktiker tut gut daran zu wissen, dass Alternativen zu Antibiotika längst existieren», betont André Ackermann, Geschäftsführer der Homöopharm AG, während der Reisebus Deutschland, genauer die Produktionsstätte der Firma SaluVet – Dr. Schaette in Bad Waldsee, ansteuert.  

Homöopharm AG

Die Firma  Homöopharm AG mit Standort in Oensingen SO wird als Familienunternehmen geführt und  ist im Bereich der Komplementärmedizin tätig.  Sie beliefert Apotheken und Drogerien in der ganzen Schweiz mit Arzneimitteln für Mensch und Tier. Die Firma ist Swissmedic akkreditiert.

Zusätzlich verkauft sie unter der Marke  AnimalMed eigene wie auch Produkte von Dr. Schaette als offizieller Distributor direkt an die Landwirte und nimmt sich dabei die Natur und das Wissen der Vergangenheit als Vorbild. 

Seit 2006  werden Kurse zum Thema Komplementärmedizin für Nutztiere durchgeführt. Der Antibiotika-Verbrauch auf den Landwirtschaftsbetrieben soll dank der Phytotherapie und der Homöopathie reduziert  und die Tiergesundheitskosten sollen gesenkt werden. 

Hier finden Sie weitere Infos zur Homöopharm 

Gegen Bakterien und Viren

«Mit den sogenannten Terpenen – die in Heilpflanzen wie Thymian oder  Fichte vorkommen – existieren schon längst Wirkstoffe mit einer ähnlichen Wirkung wie bei einem Antibiotikum, nur ohne Resistenzgefahr», fährt er fort. Und nicht nur das; Terpene (Phytoterpene) wirken nicht nur antibakteriell, sondern – und das ist ein sehr grosser und wichtiger Unterschied zu Antibiotika – auch gegen Viren.

Sechsundzwanzig Landwirte und Landwirtinnen hören aufmerksam zu, nicken zustimmend, denn, was Ackermann sagt, ist ihnen nicht unbekannt. Sie gehören zu den Praktikern, die dieses uralte und bewährte Wissen rund um die Phytomedizin auf ihren Betrieben immer noch oder wieder anwenden.  

Wirkung ist erwiesen

In der Phytomedizin werden Heilpflanzen (z.B. Enzian oder  Bockshornkleesamen) als Arzneimittel verwendet. Heilpflanzen können die klassische Schulmedizin ergänzen und je nach Krankheit gar ersetzen, weil sie ihre Wirkung gezielt z.B. bei einem Organ wie der Leber entfalten.

Für über 250 Arzneipflanzen gibt es heutzutage wissenschaftliche Monografien, das heisst, ihre Wirkstoffe sind wissenschaftlich erfasst und deren Wirkung ist erwiesen. Niemand kann also behaupten, es handle sich um alten Humbug. Trotzdem hört man in Zeiten, in denen vielerorts über Antibiotikaresistenzen diskutiert wird, erstaunlich wenig zu diesen wirksamen Alternativen. 

Probleme stehen bevor

«Wir stehen vor einem ganz grossen Resistenzproblem», sagt Ackermann.  «Wenn wir es jetzt nicht schaffen, die Phytomedizin neben der Schulmedizin ordentlich zu positionieren, werden wir leider bald ein sehr grosses Problem haben», erklärt der ausgebildete Drogist und Landwirt.

Doch, wer könnte ein Interesse daran haben, wertvolles Wissen im Kampf gegen weitere Resistenzbildungen unter der Decke zu halten? 

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Homöopharm auf jeden Fall nicht.  Seit zwölf Jahren führt sie unter anderem Kurse zum Thema Komplementärmedizin für Nutztiere durch. Damit sollen Bauernfamilien angesprochen werden, welche den Antibiotika-Verbrauch auf ihren Betrieben dank natürlichen Produkten reduzieren und so die Tiergesundheitskosten senken wollen.

Nebst den Kursen bietet sie auch Weiterbildungsreisen an. Sechsundzwanzig Landwirte und Landwirtinnen sind der letzten Einladung gefolgt. Zwei Tage lang konnten sie sich über ihre Praxiserfahrung mit Gleichgesinnten austauschen, ihr Wissen um die Phytomedizin vertiefen und  einen tiefen Blick hinter die Kulissen der Arzneimittel- und Futterergänzungsmittel-Firma SaluVet GmbH mit der berühmten Eigenmarke Dr. Schaette werfen –, deren Produkte sie täglich im Stall einsetzen.

Seit Januar 2016 hat die Homöopharm AG die Generalvertretung Schweiz der Dr.-Schaette-Produkte und verkauft diese nebst eigenen Produkten direkt den Landwirten. SaluVet/Dr. Schaette blickt nächstes Jahr auf hundert Jahre Firmengeschichte zurück.  Hundert Jahre angewandtes Wissen zur Herstellung und Anwendung von Naturpräparaten, und das im Namen der Landwirtschaft. Denn die Marke Dr. Schaette wurde mit dem Gedanken gegründet, Landwirten hochwertige Arzneipflanzenpräparate zur  Selbstmedikation zur Verfügung zu stellen, damit sie sich und ihren Tieren selber helfen können.  

Dr. Schaette

Die Marke bietet  Tierarzneimittel, Futter- und Pflegemittel auf Basis von Heilpflanzen für landwirtschaftliche Nutztiere und für Pferde an, und das seit fast 100 Jahren. Die ursprünglichen Unternehmensziele, Tiere natürlich gesund und leistungsfähig zu erhalten sowie bei Erkrankungen mit wirkungsvollen Substanzen aus der Natur zu unterstützen, sind bis heute geblieben. 

Ziel von Dr. Schaette ist es, mit den Produkten die Erde für Tiere und  für Menschen ein Stück ökologischer zu machen und somit einen Beitrag zu einer intakten und lebenswerten Welt zu leisten. 

Hier finden Sie mehr Infos zu Dr. Schaette

Deutschland ist weiter

Offizielle Zahlen zum Einsatz von Phytomedizin gibt es keine. «In der Schweiz setzen knapp 10 Prozent der Milchviehbetriebe regelmässig Heilpflanzenpräparate ein», schätzt André Ackermann. Somit ist Deutschland  der Schweiz voraus. «50Prozent der deutschen Bio-Milchviehhalter kaufen unsere Produkte und setzen sie erfolgreich ein», erzählt Volker Schwarz, Geschäftsführer der SaluVet GmbH.

Bei den konventionellen Milchproduzenten habe jeder Fünfte Dr.-Schaette-Produkte in der Stallapotheke stehen.  So auch Karl und Alexander Mast. Vater und Sohn bewirtschaften im Schwabenland gemeinsam einen 82-ha-Betrieb mit 85 Braunviehkühen und deren Nachzucht. Seit 25 Jahren nutzen sie die Heilkraft der Pflanzen, und sie können dadurch den Antibiotikaeinsatz tief halten. 

Sie sollen sich ergänzen

Das A und O in der Phytomedizin sei die Prophylaxe und die Tierbeobachtung. Die Vitalität der Tiere werde durch die vorbeugende Anwendung der Phytomedizin wesentlich gesteigert. Ein starkes Immunsystem verheisst eine geringere Krankheitsanfälligkeit. «Die Tiergesundheit steht im Vordergrund, wir wollen Antibiotika nicht verteufeln, und wir greifen darauf zurück, wenn es nötig ist, aber auch nur dann; als Joker!», sagt Junglandwirt Alexander Mast. 

Es gehe überhaupt nicht darum, Antibiotika schlechtzureden. «Wir wünschen uns, dass sich die Therapien ergänzen und dass so der Einsatz von Antibiotika und die Bildung von gefährlichen Resistenzen deutlich reduziert werden kann», betont auch Schwarz und sagt bestimmt: «Phytomedizin ist Teil der therapeutischen Zukunft!»

1x1 der Phytomedizin im Stall:

 

  • Ketosan: Bei den ersten Anzeichen einer Ketose. Die Verabreichung von Ketosan führt zu höherem Blutzuckerspiegel, verzögertem Körperfettabbau, gesteigertem Appetit, weniger Ketonkörper im Plasma, geringerem Ammoniumgehalt im Blut und zu einer stabileren Leberfunktion.  Es wirkt leberstoffwechselanregend. Fütterungsempfehlung: Beim Auftreten einer Ketose 400 ml pro Kuh und Tag, bis Futteraufnahme und Milchleistung wieder normal sind. Ketosan kann auch vorbeugend mit 250 ml pro Kuh und Tag verabreicht werden. Bei Bedarf bereits vor dem Abkalben. 

  •  Klausan: Desinfektionsmittel zur Förderung einer gesunden Klauenfunktion bei Klauenproblemen aller Art. Auch geeignet zur unterstützenden Behandlung bei Mortellaro (Erdbeerkrankheit). Die effektive und natürliche Alternative zu CTC-Spray («Blau-Spray»). Bestandteile: pflanzliche Wirkstoffkomplexe, u.a. Kamillenblüten, Ringelblumenblüten, Eichenrinde, Lärchenharz. Anwendungsempfehlung: Die Wundfläche sorgfältig reinigen, wenn nötig ausschneiden, und dann gründlich (evtl. mehrfach) mit Klausan-Pflegespray besprühen. 

  • Lacta-Dipp: Zur hautschonenden, effizienten Zitzendesinfektion ohne Jod.  Für eine gesunde Hautflora des Euters. Desinfiziert die Zitzenhaut und reduziert somit den Infektionsdruck durch gefährliche Mastitiserreger wie Staphlococcus aureus, Streptococcus agalactiae oder sonstige Erreger wie Mycoplasmen. Anwendungsempfehlung: Lacta-Dipp unmittelbar nach Abnahme des Melkzeuges unverdünnt auf die Zitzen sprühen. Sprühanlagetauglich. Sprühen verhindert die Keimverschleppung von Zitze zu Zitze und ist somit sicherer als das Zitzentauchen. 

  • Broncholysan: Zur Stabilisierung der Bronchialfunktion und zur Stärkung des Immunsystems. Bei ersten Anzeichen von Husten/Kälbergrippe. Wirkung: Broncholysan enthält von Dr. Schaette entwickelte Wirkstoffkomplexe aus Natursubstanzen mit folgenden Eigenschaften: krampflösend, schleimlösend und immunitätsfördernd. Darüber hinaus entfalten Thymian und Süssholzwurzel ihre bekannt positive Wirkung im Magen-Darm-Trakt. Fütterungsempfehlung (je Tier und Tag): Täglich 10 g Broncholysan, auf zwei Gaben verteilt, 5 Tage lang über die Tränke verabreichen. 

  • Ferm: Zur Stabilisierung des Elektrolythaushaltes durchfallerkrankter Kälber. Ferm begünstigt bei Durchfall einen raschen Ausgleich von Elektrolyt-Verlusten, normale Bewegung der Darmmuskulatur, ein Base-Säure-Gleichgewicht, Entwicklung einer günstigen Darmflora. Fütterungsempfehlung (je Tier und Tag): Für einen Liter Diättränke 50 g Ferm in 1 Liter Wasser einführen. 1. und 2. Tag: Mind. 4 l Diättränke pro Tag auf 3–4 Mahlzeiten verteilt, verabreichen. 3. bis 5. Tag: Mind 2 l Diättränke plus 2 l Milch (Milchaustauscher) pro Tag auf 2–3 Mahlzeiten verteilt verabreichen. 

 

 

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