20.02.2013 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Antibiotika
Antibiotika: Bund will breit abgestützte Strategie
Der Bund will die Resistenzproblematik bei Antibiotika angehen. Ein erstes Treffen zwischen BAG und BVet fand statt

Der Bund will das Problem mit den Antibiotikaresistenzen verstärkt angehen. Dazu fand vergangenen Freitag ein erstes Treffen zwischen den Amtsdirektoren der Bundesämter für Veterinärwesen (BVet) und Gesundheit (BAG) statt. «Dabei ging es um eine Auslegeordnung und um erste Vorarbeiten», betont Susanne Bandi vom BVet.

«In einem nächsten Schritt wird dann auch das Bundesamt für Landwirtschaft einbezogen.» Die Erarbeitung der Strategie werde indes etwas Zeit beanspruchen. Inhaltlich könne sie zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen machen.

Die BVet-Strategie

Schon im Herbst 2012 hat das BVet seine «Strategie Antibiotikaresistenz» veröffentlicht. Obschon mit dem generellen Verbot von Antibiotika als Wachstumsförderer 1999 und der Verordnung über die Tierarzneimittel 2004 bereits früher Massnahmen zur Gesunderhaltung der Tiere getroffen worden seien, hätten diese bisher nur bedingten Erfolg gezeigt, schreibt das BVet als Begründung.

Zwar sei die Gesamtmenge an Antibiotika, die in der Veterinärmedizin vertrieben werde, seit 2008 rückläufig, die Vertriebsmengen einiger spezifischer Antibiotika hätten in dieser Zeit jedoch weiter zugenommen. In der letzten Zeit würden zudem die multiresistenten Keime für Schlagzeilen sorgen. Neuste Studien aus der Schweiz zeigen, dass in der Nutztierhaltung Keime mit solchen Multiresistenzen auftreten.

Resistenzlage überwachen

Die Resistenzstrategie will deshalb dafür sorgen, dass durch den Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin die Wirksamkeit von Antibiotika in der Humanmedizin nicht beeinträchtigt wird. Gleichzeitig soll die gezielte Behandlung von Tieren mit Antibiotika weiterhin möglich sein. Dazu müsse die Resistenzlage weiterhin durch ein Monitoringprogramm überwacht werden. Weiter fordert das BVet in seiner Strategie, dass die Gesamtmenge an verbrauchten Antibiotika abnimmt, ohne dass gleichzeitig die Menge an besonders kritischen Antibiotika zunimmt.

Sechs Aktionsfelder

  1. Monitoring: Die Überwachung des Antibiotikaverbrauchs und der Antibiotikaresistenzen ortet das BVet als eine Grundvoraussetzung, um die Situation zu beurteilen und die Wirkung von Massnahmen zu überprüfen.
  2. Senkung der Notwendigkeit des Einsatzes: Die Senkung des Antibiotikaverbrauchs ist laut BVet nachweislich eine wirkungsvolle Massnahme zur Reduktion von Resistenzen. Dazu sollen präventive Massnahmen getroffen werden, die  auf die Bekämpfung von spezifischen Krankheiten ausgerichtet sind (z.B. Impfungen, Bekämpfungsprogramme) oder auf eine tiergerechte Haltung und ein verbessertes Herdenmanagement.
  3. Umsichtige Anwendung und deren Kontrolle: Werden Antibiotika eingesetzt, dann sollen sie laut BVet nach genauer Diagnose, mit einem möglichst schmal wirkenden Antibiotikum, in der korrekten Dosierung, so kurz wie möglich und so lang wie nötig verabreicht werden. Das BVet will dazu auf die Aus- und Weiterbildung, aber auch auf verbindliche Vorgaben und Sanktionsmöglichkeiten setzen.
  4. Verhinderung der Verbreitung von Resistenzen: Eine gewisse Problematik sieht das BVet nicht nur im Einsatz von Antibiotika, sondern auch im Tierverkehr. Durch die Einhaltung der Hygienepraktiken in den Tierhaltungen könne die Übertragung von einem Tierbestand auf den nächsten verhindert werden. Eine gute Hygiene bei Produktion und Schlachtung reduziere das Risiko einer Weiterverbreitung resistenter Keime in der Lebensmittelkette.
  5. Forschung: Die Zusammenhänge zwischen Antibiotikaeinsatz und Resistenzen, die Übertragungswege, neue Strategien, neue Diagnosemöglichkeiten und Therapieansätze sollen erforscht werden.
  6. Nationale und internationale Zusammenarbeit: Da Resistenzen weder Grenzen in Bezug auf Spezies noch in Bezug auf Länder kennen, muss das Problem interdisziplinär und international vernetzt angegangen werden.
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