19.12.2016 10:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kälber
«Antibiotikaverbrauch halbieren»
Der Verein Kälbergesundheitsdienst will ein Kompetenzzentrum aufbauen. Laut Andreas Widmer sollen die Bauern profitieren.

«Schweizer Bauer»: Weshalb braucht es  einen Kälbergesundheitsdienst? Machen die Tierärzte keine gute Arbeit?
Andreas Widmer: Doch, die Tierärzte machen eine hervorragende Arbeit. Es gibt aber übergeordnete Fragen, zum Beispiel, wie ein Stall gebaut werden soll oder was das neugeborene Kalb braucht. Wir möchten ein Kompetenzzentrum aufbauen, das diese Fragen klären kann. Zudem hat der Kälbergesundheitsdienst zum Ziel, die  nteressen von Produzenten, Tierärzten, Verbänden und Ämtern zu bündeln.

Und was bringt der Kälbergesundheitsdienst den Bauern konkret?
Er unterstützt den Bestandestierarzt und bildet ihn weiter. So kann dieser gezielter behandeln und Hilfestellung anbieten. Im Notfall oder bei Bestandesproblemen kommen auch Spezialisten auf den Hof.

Wer kann Mitglied werden? Alle, die Kälber halten?
Die Idee ist, dass Milchviehbetriebe, Mutterkuhhalter, Kälbermast- und Grossviehmastbetriebe Mitglied werden. Zudem möchten wir rund 30 Tierärzte aus der ganzen Schweiz gewinnen, die sich als Kälberspezialisten weiterbilden. Kollektivmitglieder sind die Branchenverbände wie Swiss Beef und der Kälbermästerverband, zudem die Milchproduzenten  und wünschenwerterweise auch die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter ASR. Wir möchten aber auch die Futtermittelindustrie und Stallbaufirmen ins Boot holen.

Sind die Abnehmer – Migros und Coop – und die Händler auch dabei?
Bell, Micarna, Lucarna Macana und Ernst Sutter sind als Fördermitglieder dabei. Sie haben uns die Unterstützung zugesagt, unter der Prämisse, dass sich die Fleischbranche beteiligt, was wahrscheinlich ist.

Was ist Ihre Motivation, als Präsident zu kandidieren?
Ich bin als Milchproduzent und Grossviehmäster selbst stark von gesunden Kälbern abhängig. Wenn wir uns mit der Kälbergesundheit verstärkt auseinandersetzen, können wir grosse Verbesserungen erzielen und den Antibiotikaeinsatz stark reduzieren. Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.

Wie will man dieses Engagement  der Branche zur Antibiotikareduktion gegenüber den Konsumenten kommunizieren?
Da sind wir vorsichtig. In der Kälbermast ist der Antibiotikaverbrauch heute erwiesenermassen zu hoch. Die Mengen sind bekannt, unser Ziel ist, sie zu halbieren. Die Antibiotikafreiheit  ist mit dem Tierwohl aus heutiger Sicht nicht vereinbar. Wir planen deshalb keinen Werbeschlager, um den Verkauf anzukurbeln.

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