29.04.2016 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Tierschutz
«Aussage ist so schlicht und einfach falsch»
Tierschutzorganisationen greifen die Schweizer Viehzuchtszene an. An vielen Ausstellungen würden die Kühe leiden, heisst es. Markus Gerber, Präsident von Swissherdbook, nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

«Schweizer Bauer»: Der Schweizer Tierschutz (STS) behauptet, dass 90% der Kühe an der Expo Bulle im Auszug der Championnewahl leiden mussten. Stimmt das?
Markus Gerber: Die Aussage ist so schlicht und einfach falsch. In Bulle gab es eine sehr engmaschige Kontrolle durch den Freiburger Kantonstierarzt. Nur vereinzelte Tiere sind punkto Euterfüllung an die Grenze gestossen.

Der Tierschutz sagt, dass das Reglement der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) Züchter bevorteile, die auf überlange Zwischenmelkzeiten und Manipulationen setzen würden. Was sagen Sie dazu?

Die Problematik des aktuellen ASR-Reglements ist eher die Umsetzung als das Reglement selbst. Hier müssen die Zuchtverbände den Hebel ansetzen.

Gibt es eine Regel, wie lange man eine Kuh nicht melken kann, ohne dass sie darunter leidet?

Eine Faustregel lautet wie folgt: Die Höchstleistung, welche die Kuh zwischen dem 30. und dem 50. Tag erreicht, geteilt durch 2 plus etwa eine Abweichung von 2 bis 3 Stunden. Wenn also eine Kuh 40 kg Tagesmilch hat, entspricht das einem Gemelk von etwa 25 kg. Man muss aber auch betonen, dass die Kühe sehr unterschiedlich reagieren.

Sie sind selber auch Richter. Haben Sie auch schon Kühe nach hinten gestellt oder gar rausgeschickt, weil deren Euter zu voll waren?

Ja. An der Expo Bulle habe ich eine Kuh um etwa fünf Ränge deklassiert und das im Kommentar erwähnt. Letztes Jahr habe ich an einer Jubiläumsschau eine Kuh nicht für einen Championne-Titel berücksichtigt und habe sie zum Melken geschickt.

An der Expo Bulle wurden zwei Auktionstiere, welche jünger als 4 Monate waren, angebunden gehalten. Gemäss Tierschutzgesetz dürfen aber so junge Tiere nicht angebunden werden…
Das ist eine reine Paragraphenreiterei. Ich vermisse bei solchen Feststellungen den gesunden Menschenverstand des STS. Ich bin aber klar der Meinung, dass man bei einer nächsten Auktion die kleinen Kälber in einer Box halten muss, in der sich diese frei bewegen können.

Gemäss ASR-Reglement ist das Versiegeln der Zitzen erlaubt, wenn es nicht das Wohlbefinden der Kühe beeinträchtigt. Der STS kritisiert aber den Einsatz von Sekundenkleber. Zu Recht?
Das ASR-Reglement erlaubt nur den Einsatz von Kollodium. Der Einsatz von allen anderen Klebstoffen ist nicht erlaubt und muss geahndet werden.

Der STS will die Tierzuchtförderung kürzen, wenn das ASR-Reglement nicht verschärft wird. Gehen Sie darauf ein?

Wir werden in der bestehenden Arbeitsgruppe von Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Wiederkäuerklinik Bern und ASR unsere Hausaufgaben machen. Die Zuchtverbände sind vor allem in der Umsetzung des bestehenden Reglements gefordert, was einer Verschärfung gleichkommt. 

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