17.02.2019 14:45
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Grossbritannien
Brexit: Tierarzneimittel sicher stellen
Nach dem abschlägigen Votum des britischen Unterhauses gegen das mit der Europäischen Union ausgehandelte Austrittsabkommen muss aus Sicht des Bundesverbandes für Tiergesundheit (BfT) mit einem „harten“ Brexit gerechnet werden. Wie der Verband in Bonn mitteilte, laufen dafür in der EU-Tiergesundheitsbranche bereits alle Vorbereitungen.

So müssten bis zum Austrittsdatum alle Aktivitäten zu Tierarzneimitteln aus dem Vereinigten Königreich in das Gebiet der Gemeinschaft verlagert werden. Das betreffe beispielsweise den Sitz eines Zulassungsinhabers in Grossbritannien, der seine Produkte weiter in der EU vertreiben wolle. Auch die Freigabe, Kontrolle und das Monitoring von Tierarzneimitteln dürfe ausschliesslich innerhalb der EU stattfinden.

Umgekehrt müssten ohne Austrittsabkommen bisherige Prozesse auch geändert werden, wenn EU-Produkte im Drittstaat Grossbritannien vertrieben werden sollten. Laut BfT bereiten sich Unternehmen und Behörden seit der Austrittserklärung bestmöglich auf diese Situation vor, um die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln nach dem Brexit in der EU und in Grossbritannien sicherzustellen.

Tierarneimittelverornundgen und Datenbanken neu regeln

Eine weitere Herausforderung für die Branche sei, dass infolge des Brexits die bisher in London ansässige Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ihren Sitz nach Amsterdam verlegen werde.

Zwar sei festgelegt worden, dass die Kernaufgaben der Behörde auch während des Umzugs unverändert fortgeführt werden müssten, doch könne die Arbeitsfähigkeit der Agentur während des Verlagerungsprozesses eingeschränkt sein. Es stünden nämlich zeitgleich die Beratung zahlreicher Detailregelungen in Folge der neuen EU-Tierarzneimittelverordnung und die Einrichtung verschiedener europäischer Datenbanken an.

Viel Last und grosse Sorgen

Die Last der konkurrierenden Aufgaben werde von der europäischen Tiergesundheitsindustrie mit Sorge gesehen, berichtete der BfT. Die neuen Verordnungen zu Tierarzneimitteln sowie Arzneifuttermitteln würden Ende Januar 2022 in Kraft treten. Bis dahin müssten in einer Reihe von Folgerechtsakten weitere Details zu den Zulassungsvorgaben, Produktionsanforderungen oder auch zu den für Menschen besonders wichtigen Antibiotika geregelt werden.

Darüber hinaus sehe die neue europäische Tierarzneimittelverordnung auch die Einrichtung von drei Datenbanken - zur Arzneimittelsicherheit, zur Herstellung und den Grosshandelsvertrieb sowie eine Produktdatenbank – vor, was in nächster Zeit umgesetzt werden müsse. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE