1.09.2017 12:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Krankheit
BVD: Überwachung wird intensiviert
Zwar sind gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) 99 Prozent der Rinderhaltungen frei von Bovine Virus-Diarrhoe (BVD), doch die Behörden wollen aufgrund wiederholter Ausbrüche die Überwachung erhöhen. Eine Studie zeigt zudem, dass der Nutzen des Ausrottungsprogramms die Kosten übersteigt.

Die Schweiz ist praktisch BVD-frei. «Aufgrund des Tierverkehrs und der Tatsache, dass die Rinderpopulation fast vollständig BVD-frei und somit empfänglich ist, kann sich das BVD-Virus jederzeit rasch wieder verbreiten», schreibt die Behörde am Freitag in einem Communiqué.

Schutzlos ausgeliefert

Vor Beginn der nationalen BVD-Ausrottungskampagne im Jahr 2008 waren 60 Prozent aller Rinder – bei den Kühen sogar bis zu 80 Prozent – Antikörper-positiv. Das heisst, dass sie schon einmal mit dem BVD-Virus in Kontakt gekommen waren. Durch gezieltes Ausmerzen von PI-Tieren konnte ihr Vorkommen unter den neugeborenen Kälbern von 1,4 auf unter 0,02 Prozent reduziert werden. PI-Tiere (persitent infiziert) fallen zum Teil durch vermindertes Wachstum auf (Kümmerer). 

Heute ist die grosse Mehrheit aller Betriebe virusfrei. Doch das heisst auch, dass die lebenden Kühe keine Antikörper gegen das Virus mehr besitzen. Sie sind ihm schutzlos ausgeliefert. Das Risiko, dass sie PI-Tiere gebären, wenn sie in trächtigem Zustand infiziert werden, ist sehr gross. Die Präsenz eines PI-Tieres in einer Herde führt wiederum meist zu einer fast vollständigen Durchseuchung. Dies führt zu gravierenden Konsequenzen für die oft unverschuldet betroffenen Betriebe, deren Tiere zum Beispiel während der Sömmerung mit dem Virus in Kontakt kommen.

Fälle haben 2017 massiv zugenommen

Es kommt immer wieder zu regionalen Ausbrüchen, die zu Sperrungen von Betrieben führen und intensive Bekämpfungsmassnahmen zur Folge haben. Eine erhöhte Wachsamkeit der Tierhalter sowie der Tierärzte ist somit in der Endphase der BVD-Ausrottung von zentraler Bedeutung, schreibt das BLV. «Die von der BVD betroffenen Betriebe spüren die Auswirkungen der Infektion oft noch Monate, nachdem das letzte PI-Tier geschlachtet worden ist: Tiere, die während der Trächtigkeit mit dem Virus in Kontakt kamen, können weitere PI-Tiere zur Welt bringen», heisst es weiter.

In diesem Jahr haben die BVD-Fälle wieder deutlich zugenommen. Mitte Mai hatten 77 Betriebe den Status «gesperrt», während 241 Betriebe den Status «Einzeltiere gesperrt» aufwiesen. Damit waren mehr als dreimal so viele Betriebe gesperrt wie vor einem Jahr. Die Fälle traten vermehrt wieder in der ganzen Schweiz auf.

Milchtankprobe von allen Betrieben

Das BLV gab damals bekannt, die Bekämpfung der Seuche zu intensivieren. «Die nächste Untersuchungsrunde findet bereits diesen Herbst statt. In der Planung der Überwachung 2018 sind wieder zwei Tankmilchuntersuchungen vorgesehen», sagte BLV-Sprecher Stefan Kunfermann gegenüber «Schweizer Bauer».

Und dies setzte das BLV nun um. Zwar sei in den meisten Kantonen die Lage stabil, aber aufgrund «vereinzelt vorkommenden Ausbrüchen» entschied der Veterinärdienst Schweiz, die BVD-Überwachung zu verstärken. Im Herbst wird von sämtlichen milchliefernden Betrieben die Tankmilch erneut auf BVD untersucht. Damit soll sichergestellt werden, dass es in den Betrieben keine unentdeckten BVD-Infektionen gibt, schreibt das BLV.

Bekämpfung lohnt sich für Rinderhalter

Die Behörde hat der bei der Universität Bern eine Studie in Auftrag gegeben. Diese zeigt, dass sich das Ausrottungsprogramm lohnt. Gemäss einer Kosten-Nutzen-Analyse betrugen die BVD-bedingten finanziellen Verluste für den Milchsektor vor Beginn des BVD-Ausrottungsprogramms jährlich zwischen 85 und 89 Franken pro Kuh. Der finanzielle Schaden belief sich jährlich auf 9.5 Millionen Franken.

Für die Analyse wurde der Zeitraum von 2008 (Beginn des BVD-Ausrottungsprogramms) bis 2021 berücksichtigt, und die Kosten des Ausrottungsprogramms wurden den BVD-bedingten finanziellen Verlusten gegenübergestellt. Dies ergibt einen Kapitalwert für den Milchsektor bis 2021 von rund 45 Millionen Franken. Die Gewinnschwelle wurde 2015 erreicht.

BVD

BVD ist eine viral (= durch ein Virus verursachte) bedingte Durchfallerkrankung. Während der Grossteil der BVD-Infektionen symptomlos, d.h. vom Landwirt unbemerkt abläuft, erkranken einige Tiere schwer an Durchfall, Fieber, Nasen- und Augenausfluss sowie Erosionen (nässende Substanzverluste) am Flotzmaul. Betroffen sind Wiederkäuer, hauptsächlich Rinder, aber auch Schafe oder Ziegen, die mit infizierten Rindern in Kontakt kommen, können erkranken. Unter besonderen Bedigungen erkranken die Tiere an der tödlichen Schleimhautform der BVD, der songenannten Mucosal Desease (MD). Diese tritt ausschliesslich bei persistent infizierten Tieren auf, bei Tieren also, die das BVD Virus lebenslang in sich tragen und ausscheiden. blu

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