11.01.2017 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Tierseuche
BVD-Virus zirkuliert weiter
Derzeit sind 32 Betriebe wegen BVD gesperrt. 2016 wurde die Tierseuche auf 111 Höfen nachgewiesen. Das sind mehr als in den Vorjahren. Trotzdem hält das zuständige Bundesamt am Ziel fest, die Seuche auszurotten.

Seit fast zehn Jahren unternimmt der Bund alles, um die Tierseuche Bovine Virus-Diarrhoe (BVD) zu eliminieren. 2008 wurde ein gross angelegtes Ausrottungsprogramm gestartet. Es hat bisher rund 75 Mio. Franken gekostet. Und trotzdem ist das BVD-Virus weiter aktiv. 

Mehr PI-Tiere

«Gesamtschweizerisch sind derzeit 32 Betriebe aufgrund eines BVD-Seuchenfalles oder eines BVD-Verdachts gesperrt», bilanziert Eva van Beek, Mediensprecherin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). «Weitere 115 Betriebe haben einzelne trächtige Tiere im Bestand, die wegen BVD gesperrt sind.»

2016 haben die Kantone dem BLV insgesamt 111 BVD-Fälle  mit total 195 PI-Tieren gemeldet, wobei ein Fall einem Betrieb  enspricht. PI-Tiere oder persistent infizierte Tiere sind meist Kümmerer, die das Virus ein Leben lang streuen. Das ist gegenüber 2013 (95 PI-Tiere auf 59 Betrieben), 2014 (148 PI-Tiere auf 44 Betrieben) und 2015 (306 PI-Tiere auf 92 Betrieben) eine klare Zunahme an Betrieben, die von der Seuche betroffen sind.

Bei Seuchenfall drastische Folgen

Trotzdem hält das BLV laut van Beek am Ziel fest, die Seuche vollständig auszurotten: «Eine BVD-freie Schweiz ist realistisch. Einzelne Staaten in Europa, zum Beispiel Schweden, haben dieses Ziel bereits erreicht.» Das BVD-Virus sei in der Schweiz heute nahezu ausgerottet. «Aktuell haben 99,6 Prozent der Rindviehhaltungen den Status ‹BVD-frei›. Vereinzelte Infektionsketten werden jedoch noch festgestellt, sie müssen rasch und konsequent angegangen werden.»

Für BVD-freie Betriebe hat ein Seuchenfall drastische Folgen: Da die Kälber, Rinder und Kühe keine Antikörper mehr gegen das Virus besitzen, sind sie ihm schutzlos ausgeliefert. Die Betriebe müssen infizierte Kälber töten und Sperren in Kauf nehmen. «Die Sperre über einen verseuchten Betrieb wird erst aufgehoben, sobald die epidemiologischen Abklärungen abgeschlossen sind; frühestens jedoch 14 Tage, nachdem alle verseuchten Tiere des Bestandes ausgemerzt worden sind», sagt van Beek. «Allfällig vorhandene trächtige Tiere im Bestand bleiben bis zum Abkalben und Vorliegen des BVD-negativen Testresultats des Kalbes unter Verbringungssperre.»

Genauere Zahlen zu Kosten und Nutzen des BVD-Ausrottungsprogramms sollen im Frühjahr 2017 vorliegen, wenn ein vom BLV finanziertes Projekt der Universität Bern abgeschlossen ist.  

BVD

BVD ist eine viral (= durch ein Virus verursachte) bedingte Durchfallerkrankung. Während der Grossteil der BVD-Infektionen symptomlos, d.h. vom Landwirt unbemerkt abläuft, erkranken einige Tiere schwer an Durchfall, Fieber, Nasen- und Augenausfluss sowie Erosionen (nässende Substanzverluste) am Flotzmaul. Betroffen sind Wiederkäuer, hauptsächlich Rinder, aber auch Schafe oder Ziegen, die mit infizierten Rindern in Kontakt kommen, können erkranken. Unter besonderen Bedigungen erkranken die Tiere an der tödlichen Schleimhautform der BVD, der songenannten Mucosal Desease (MD). Diese tritt ausschliesslich bei persistent infizierten Tieren auf, bei Tieren also, die das BVD Virus lebenslang in sich tragen und ausscheiden. blu

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