18.05.2017 08:59
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Tiertransport
Durstig durch Europa
Dass ein Kalb, welches in Polen geboren wird, in einem Mastbetrieb in Spanien aufwächst und zehn Monate später in einem Schlachthof in Italien landet, ist in der Europäischen Union nichts Ungewöhnliches.

Eine Unklarheit im Gesetz macht es möglich, dass in der Europäischen Union (EU) Jungtiere über Stunden ohne Versorgung transportiert werden. Die EU-Tierschutz-Transportverordnung verlangt lediglich, dass das Vieh während den langen Transporten nicht unter Qualen leiden- oder verletzt am Ziel ankommt.

Im Laderaum sollte genügend Platz, Einstreu und Wasser vorhanden sein. Jedoch sind die Jungtiere mit den Metallnippeln, welche auf den Tiertransporten als Trinksystem dienen, noch nicht vertraut. Deshalb bleiben die meisten Tiere oft durstig, während der langen Reise. Oft kommen die Tiere dehydriert, stark geschwächt, oder an Durchfall erkrankt an ihrem Zielort an, heisst es in einem Bericht der NZZ.

34 Stunden Reise

Kälber im Alter von weniger als zwei Monaten benötigen erwärmte Milch, dasselbe gilt für Lämmer unter sechs Wochen. Werden die Tiere beispielsweise von Polen nach Spanien transportiert, sind sie bis zu 34 Stunden unterwegs.

«Alle Langzeittransporte von Jungtieren, die nach neun Stunden Fahrt nicht bei einer Versorgungsstation ausgeladen und den Bedürfnissen ihres Alters entsprechend ernährt werden, widersprechen den Vorgaben der Tierschutz-Transportverordnung. Sie sind von daher illegal», so die Meinung von York Ditfurth, Präsident des Tierschutzbundes Zürich gegenüber NZZ.

Langzeittransporte weiterhin erlaubt

Bereits im Jahr 2009 haben die EU-Mitgliedländer unter anderem empfohlen, sicherzustellen, dasss die Tiere nach neun Stunden Fahrt Elektrolytlösungen oder Milchaustauscher erhalten. Weil die Langzeittransporte für Kälber und Lämmer weiterhin erlaubt sind, hat sich seither in der Praxis wenig verändert.

Ganz tatenlos will die EU-Kommission den Missstand aber offenbar doch nicht hinnehmen. Seit März setzt sich eine interne Arbeitsgruppe mit dem Thema auseinander - statt jedoch einen Blick nach Sachsen und dessen rasche, pragmatische Lösung zu werfen, scheint das langwierige Tüfteln nach geeigneten Tränkesystemen im Fokus zu stehen.


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