20.08.2018 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Kälber
Enthornen: Kälber leiden Monate
40 Prozent Kälber erleiden laut Meldungen der «Ostschweiz am Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» nicht nur nach dem Ausbrennen der Hornansätze an Schmerzen, sondern auch noch Monate danach. Die Zeitungen berufen sich auf eine unveröffentlichte Studie der Universität Bern.

Es gebe keine Studien, «die belegen, dass das Enthornen das Wohlergehen der Tiere unverhältnismässig beeinträchtigt», argumentiert der Bundesrat in seiner Botschaft zur Hornkuh-Initiative. Eine noch nicht publizierte Studie der Universität Bern zeigt gemäss den Zeitungen das Gegenteil. 

Kälber leiden nicht nur sofort nach dem Ausbrennen der Hornansätze an Schmerzen, sondern noch Monate danach. Ein erster Teil der Studie wurde im Februar publiziert. Gemäss dieser Untersuchung litten in den ersten 24 Stunden nach dem Wegbrennen der Hörner praktisch alle untersuchten Kälber an Schmerzen. Dies obwohl sie während des Eingriffs bestmöglich mit lokalen Betäubungs- und Schmerzunterdrückungsmitteln versorgt worden waren, schreiben die Zeitungen. Ob der Eingriff gerade nach der Geburt oder nach 4 Wochen erfolgt, spielt keine Rolle.

Der zweite Teil der Studie, der noch nicht veröffentlich ist, dürfte zu Diskussionen führen. Demnach hielt die erhöhte Schmerzempfindlichkeit bei 38 Prozent der enthornten Kälber auch drei Monate später noch an. Die Tiere empfanden schon bei leichter, normalerweise nicht schmerzhafter Berührung Schmerz. Zudem reagierten sie empfindlicher auf schmerzhafte Reize als nicht enthornte Artgenossen. 

Als Folge davon interagieren gemäss der Studie die enthornten Tiere weniger mit Artgenossen, um den Kopf zu schützen. Oder sie bewegen den Kopf weniger durch die Fanggitter, um Schmerzen zu verhindern. Diese Strategien wendeten die Kälber ihr ganzes Leben lang an. Dieses dauerte so lang wie die Studie. Mit drei Monaten wurden die Kälber geschlachtet. Insgesamt wurden 30 Kälber in der Studie untersucht.

Ob die Tiere auch mit höheren Alter an Schmerzen leiden, ist unklar. Untersuchungen dazu gibt es nicht.  «Es könnte sein, dass der Prozentsatz mit der Zeit abnimmt, aber wir wissen es nicht», erklärt Claudia Spadavecchia, Professorin für Veterinäranästhesiologie und Schmerztherapie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern, den Zeitungen. Sie verweist auf Parallelen zu den Menschen. 30 und 40 Prozent der Patienten litten nach normalen Operationen jahrelang an chronischen Schmerzen.

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE