7.03.2016 08:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Blauzungen-Virus
Früherkennung statt Seuchenfreiheit
Das Blauzungen-Virus kommt der Schweiz immer näher. Seuchenfälle sind nicht mehr auszuschliessen. Deshalb wurde das Überwachungsprogramm überarbeitet. Ein breite Impfkampagne ist aber nicht vorgesehen.

In Frankreich und in Österreich kursiert das Blauzungenvirus, das von Mücken übertragen wird. Allerdings sind in beiden Ländern andere Typen des Virus aktiv: In Frankreich BTV-8, in Österreich BTV-4.

Virus könnte 2016 in der Schweiz auftreten

Während aus Österreich keine neuen Erkrankungen bekannt sind, bestätigte Frankreich seit September 2015 über 170 betroffene Betriebe, davon 36 seit Januar 2016. Alles deutet darauf hin, dass sich das Virus Richtung Schweiz ausbreitet. Die Schutz- und Überwachungszone grenzt im Raum Genf, Waadt, Neuenburg, Jura und Wallis an die Schweiz.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) rechnet damit, dass die Schweiz 2016 in Sperr- oder Überwachungszonen zu liegen kommt oder dass das Virus auch bei uns auftreten wird. Nathalie Rochat vom BLV bestätigt: «Das  Überwachungsprogramm wird überarbeitet. Hauptziel ist die Erkennung einer Einschleppung, und nicht mehr der Freiheitsnachweis.» Dazu sollen voraussichtlich ausgewählte Betriebe mit Weidehaltung über einen längeren Zeitraum wiederholt untersucht werden. 

Nicht genügend Impfstoff

Kein Thema ist laut Rochat eine grossflächige Impfkampagne: «Wir sehen keine amtlich angeordneten, präventiven Schutzimpfungen vor. Bei einer Veränderung der Seuchenlage müssen wir die Situation aber neu beurteilen.» Eine Impfkampagne würde derzeit auch daran scheitern, dass nicht genügend Impfstoff gegen BTV-8 zur Verfügung steht. 

Zwar konnte sich das BLV eine geringe Anzahl Dosen sichern. Mit diesen werden die Kühe geimpft, die an der Braunvieh-Europaschau in Mendes (F) oder an der Holstein-Europameisterschaft in Colmar (F) teilnehmen. Für Rinder, die 2016 in Frankreich gesömmert werden, stehen zum jetzigen Zeitpunkt nicht genügend Impfstoffe zur Verfügung.  

Impfstoffhersteller dürften bald produzieren

Gegen BTV-4 sind derzeit in der Schweiz noch keine Impfstoffe zugelassen. Das BLV hat aber Unterlagen für die Zulassung eines Impfstoffes eingereicht. Rochat hofft: «Vermutlich werden die Impfstoffhersteller die Produktion demnächst aufnehmen, sodass sich im Verlaufe des Jahres die Verfügbarkeit verbessern wird.» Klar ist: BTV-8-Impfstoffe schützen nicht gegen eine Infektion mit BTV-4-Viren und umgekehrt.

Symptome

Beim Rind äussert sich Bluetongue durch Lahmheit, vermehrtes Speicheln und offene Stellen am Maul und an den Klauen. Weitere Symptome sind erhöhte Temperatur und Entzündungen der Zitzenhaut und der Schleimhäute. Nach einiger Zeit stellt sich bei Rindern Linderung ein.

Beim Schaf sind Lahmheit, vermehrtes Speicheln und offene Stellen am Maul und an den Klauen Anzeichen der Krankheit, aber auch erhöhte Körpertemperatur, Apathie, Absonderung von der Herde und Schwellungen der geröteten Maulschleimhäute. Die Zunge kann anschwellen, blau werden und aus dem Maul hängen. Bei tragenden Tieren kann das Virus zum Abort führen. Bluetongue kann bei Schafen tödlich verlaufen. Falls   die Tiere die Krankheit überleben, erholen sie sich nur langsam. sum

Falls Impfstoff verfügbar ist, sollen Impfungen dann in Betracht gezogen werden, wenn das Virus starke Symptome oder wirtschaftliche Verluste verursacht oder wenn eine Ausbreitung der Krankheit droht.

Ganze Schweiz eine Zone

Wenn der Erreger in einem Betrieb nachgewiesen wird, wird dieser gesperrt. Schwer erkrankte Tiere müssen getötet werden. Im Seuchenfall wird eine Blauzungenzone festgelegt. Der Tierverkehr aus der Zone  heraus ist nicht mehr frei möglich.

«Um diesbezüglich grössere Einschränkungen zu vermeiden, würde im Seuchenfall die Zone voraussichtlich die ganze Schweiz umfassen», erklärt Rochat. «Somit wäre der Tierverkehr innerhalb der Schweiz nur bei gesperrten Betrieben, nicht aber bei nicht gesperrten Betrieben in der Sperrzone eingeschränkt.»

Tierseuche

Bei der Deckung allfälliger Schäden gelten die  Vorgaben der Tierseuchengesetzgebung. Die Blauzungenkrankheit ist eine zu bekämpfende Tierseuche. Es gibt keine Vergütung für Leistungseinbussen oder Todesfälle, die durch das neue Virus verursacht werden. Hingegen werden behördlich angeordnete Massnahmen  durch die Kantone ganz oder teilweise finanziell abgedeckt. sum

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