14.06.2014 11:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Parasiten
Geschlachtet wegen Hundekot
Gerold Müller aus Kölliken AG musste drei Kühe schlachten. Sie hatten über Hundekot Parasiten aufgenommen und verworfen. Die Aargauer Gemeinde hat gehandelt. Beim Bund sind keine Massnahmen geplant.

Hundekot im Viehfutter kann schlimme Folgen haben. Das musste Gerold Müller aus Kölliken letzten Herbst schmerzlich erfahren. Innert fünf Tagen hätten drei seiner Mutterkühe verworfen, erinnert er sich: «Es waren alles gute Tiere. Wir mussten sie schlachten, da sie ein Jahr kein Kalb mehr gehabt hatten. Der finanzielle Schaden beläuft sich auf rund 15'000 Franken.»

Informationsanlass für Hundehalter

Bei allen Kühen sei der Erreger Neospora caninum nachgewiesen worden, so Müller. «Er muss über Hundekot in die Silage gelangt sein. Andere Infektionswege wurden ausgeschlossen, ebenso, dass der Kot von unserem Hund stammt.» 

Am 31. Mai haben die Kölliker Behörden nun zusammen mit Müller einen Informationsanlass für Hundehalter durchgeführt. «Wir wollten sie sensibilisieren, was liegen gelassener Hundekot auf Wiesen alles anrichten kann», erklärt Gemeinderat Mario Schegner. Müller ist nicht der Erste, der wegen Neosporose Kühe verloren hat. Die Krankheit gilt als meldepflichtige Seuche. 53 bis 59 Fälle hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) von 2010 bis 2013 jedes Jahr registriert, 2009 waren es sogar deren 72. Das sind im Schnitt doppelt so viele wie in den Jahren davor. 2014 stehen bereits 13 Fälle in der Datenbank.

Keine Entschädigung für Bauern

«Die Kühe müssen den Erreger nicht zwingend über Hundekot aufgenommen haben», relativiert Regula Kennel vom BLV. «Trotzdem hat Hundekot  im Futter so wenig zu suchen wie im Salat oder im Gemüse.» Dieser Meinung ist auch Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband: «Hundedreck in Wiesen ist ein Ärgernis. Wir versuchen deshalb, die Bevölkerung mit unserer Littering-Kampagne zu sensibilisieren.»

Obschon Neosporose eine meldepflichtige Tierseuche ist, wird sie vom Bund nicht bekämpft. Betroffene Bauern können laut Kennel so auch nicht auf eine Entschädigung hoffen: «Das ist nicht vorgesehen, auch wenn die Folgen im Einzelfall beträchtlich sein können.»

Das stört Müller: «Die Gemeinden nehmen mit der Hundesteuer Geld ein, aber geschädigte Bauern bekommen nichts. Ebenso fehlen Konservierungsempfehlungen für belastetes Futter vonseiten Agroscope.» Er hofft, dass zumindest der Anlass in seinem Dorf etwas bringt: «Die Gemeinde prüft, ob die Grasstreifen am Wegrand öfter gemäht werden sollen, damit Hündeler den Kot ihrer Tiere besser sehen.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE