28.11.2018 12:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Umfrage
Habt Ihr Mortellaro im Bestand?
Die Bakterienerkrankung Mortellaro ist seit Jahrzehnten bekannt. Sie ist in der Mehrzahl aller Rindviehställe ein Problem. Vorbeugende Massnahmen sind zentral. Dazu gehören die Haltung und die Klauenpflege. Wie sieht es bei Euch aus? Macht mit bei unserer Umfrage zum Thema Mortellaro.

Danja Wiederkehr beschäftigt sich an der Hochschule Hafl mit Mortellaro. Das sei keine neue Krankheit, betont sie: «Mortellaro wurde bereits in den   1970er-Jahren erstmals beschrieben.  Es ist eine Faktorenerkrankung, über die man heute noch nicht alles weiss.»

Jüngere eher  gefährdet

Bekannt ist, dass die Genetik eine grosse Rolle spielt, nicht jedes Tier ist gleich anfällig. «Grundsätzlich sind jüngere   Kühe   stärker gefährdet, an  der Bakterieninfektion zu erkranken», weiss Danja Wiederkehr, «doch spielen die Grundgesundheit der Tiere, die Fütterung, das Management und die Haltung eine grosse Rolle bei der Vorbeugung.»

In 73 Prozent der Herden

Die Vorbeugung ist bei den Betrieben zentral, die noch kein Mortellaro im Bestand haben. Gemäss Zahlen  der Vetsuisse-Fakultät  Bern von 2011 sind das etwa 27 Prozent. Umgekehrt heisst das, dass 73 Prozent aller Herden betroffen sind.   29 Prozent der Milchkühe litten   2011 akut  an Mortellaro. Und, so Danja Wiederkehr: «Vermutlich sind 2018 eher mehr Betriebe betroffen.»

Mortellaro-freie Betriebe müssen   insbesondere darauf achten, dass zugekaufte Tiere ebenfalls aus  Mortellaro-freien Betrieben stammen. «Und auch, dass   Tierarzt,   Besamer oder Klauenpfleger  die Biosicherheitsrichtlinien einhalten», warnt Danja Wiederkehr, «es ist ratsam, dass sämtliche fremden Personen vor dem  Stall die Stiefel wechseln oder sie lang genug mit einem Mittel desinfizieren, das   alle Mortellaro-Bakterien abtötet. Eine gute Möglichkeit sind Überziehstiefel oder stalleigene Stiefel für Besucher. Weiter müssen alle  Werkzeuge zur Klauenpflege möglichst nach jeder Kuh desinfiziert werden.»

Eine optimierte Fütterung, besonders in der Startphase, führt zu einem starken Immunsystem und dazu, dass die Bakterien eine weniger grosse Chance haben, die Kuh zu befallen. Die besten Klauen erreicht man mit einer im Jahresverlauf konstanten Fütterung, die über genügend Struktur verfügt.  Plötzliche Futterumstellungen   sind  für den Pansen und für die Klauen Gift.

Schon bei Rindern

Regelmässige Klauenpflege und regelmässige Kontrollen, um  die Läsionen so früh wie möglich zu erkennen, müssen schon bei Kälbern und Rindern erfolgen. Dies auch aus einem weiteren Grund:  Akut erkrankte Tiere streuen die Bakterien stärker als solche mit chronischem Befund.

Bei der Entmistung gilt, dass der Schieber zehn bis zwölf Mal pro Tag laufen soll, damit die Klauen  trocken bleiben. Auch der  Spaltenboden müsse regelmässig gereinigt werden, warnt Danja Wiederkehr: «Die Bakterien überleben schlecht in trockenem Zustand, wenn viel Luft an die Klaue kommt. Hingegen gefällt es ihnen, wenn die Klaue nass ist und keine Luft herankommt. Gute Liegeboxen – etwa mit Kalkstroh  – begünstigen  das Abtrocknen der Klauen.» 

Ausrottung fast unmöglich

Ist Mortellaro im Bestand, muss  versucht werden, die Krankheit einzudämmen. Die Ausrottung der Bakterien ist  praktisch unmöglich. «Ziel muss es sein, den Anteil  akuter Läsionen unter zehn Prozent zu  drücken», meint Danja Wiederkehr. «Tiere mit akuten Läsionen müssen auch aus Tierschutzgründen behandelt werden. Heute macht man das mit Verbänden, wobei aber Luft an die Klaue kommen muss.»

An Mortellaro erkrankte Kühe werden meist mit Antibiotika behandelt, die die Keime abtöten sollen. Eine Massnahme, die leider  nicht immer zum Ziel führt. Die Bakterien ziehen sich ins Innere des Gewebes zurück, wo sie von den Medikamenten nicht erfasst werden können.  

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