18.01.2019 15:10
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt
St. Gallen
Häufigste Fehler bei Klauenpflege
An der Fachtagung «Auf gesunde Klauen bauen» in Flawil SG erläuterte Kuhsignal Trainer Christian Manser, welche Zeichen auf Klauenprobleme hinweisen.

Über 240 Milchbauern versammelten sich anfangs Januar in Flawil zur Fachtagung «Auf gesunde Klauen bauen». Die von den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) und dem Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) organisierte Weiterbildung sei auf derart viel Interesse gestossen, dass die drei Kurstage nicht ausgereicht hätten um alle Interessierten zu berücksichtigen, heisst es in einer Mitteilung.

Die Tagung bot eine spannende Mischung aus Theorie und Praxis sowie eine umfassende Materialausstellung rund um die Klauenpflege und -hygiene. Namhafte Referenten wie der Rindvieh-Experte Christian Manser, die Tierhomöopathin Nathalie Heuer und der Thurgauer Klauenpfleger Urban Frey gaben ihr Wissen an die aus der halben Schweiz angereisten Milchproduzenten weiter.

Einfache Massnahmen

Kuhsignal Trainer, Christian Manser bat in seiner Begrüssung die Teilnehmer, sich einen der bereitliegenden Kieselsteine in einen Schuh zu legen. So erhielten die Landwirte während der Dauer der Tagung eine Idee, wie es sich für Kühe anfühlt, wenn diese von Klauenproblemen geplagt werden.

Manser, welcher innerhalb der Branche als einer der renommiertesten Kuhsignal-Trainer gilt, erklärte dem Publikum anhand von Bildern und Videoausschnitten die wichtigsten Signale, welche auf Klauenprobleme hindeuten.

An der Rückenhaltung einer Kuh lässt sich einfach ablesen, wie es um ihre Klauen steht. Mit einfachen Massnahmen lassen sich Stallböden optimieren um dadurch «Klauenfresser» auszuschalten. Nur schon eine Gummimatte an neuralgischen Orten wo Kühe eng abdrehen müssen hilft, den Klauenabrieb zu reduzieren.

Spiegel des Stoffwechsels

Nathalie Heuer, Dipl. Tierhomöopathin aus Rüeterswil erläuterte in ihrem Vortrag die Zusammenhänge zwischen Klauen, Gesundheit und Stoffwechsel. Die Gesundheitsgeschichte einer Kuh kann man am Hornwachstum ablesen.

Gravierende Krankheiten, wie akute Mastitis oder Gebärmutterentzündung hinterlassen Rillen im Horn (ersichtlich an der Tragwand vom Klauen). Auch die Hitzetage vom vergangenen Sommer hätten ihre Spuren hinterlassen. Nathalie Heuer empfahl den anwesenden Milchbauern, einfache Hausmittelkuren wie naturtrüber Apfelessig oder Brennesseln zur Stoffelwechselunterstützung beim Milchvieh einzusetzen.

Die fünf häufigsten Fehler 

Auf sehr grosse Beachtung stiessen der Vortrag und die Praxisdemonstration vom jungen Klauenpfleger Urban Frey. Er arbeitet auf seinen Betrieben schon einige Jahre erfolgreich nach dem System von Karl Bürgi (savecows.com) und zeigte anschaulich auf, durch welche Fehler bei der Klauenpflege häufig Probleme ausgelöst werden können.

Die Reaktionen der Landwirte auf seine Inputs waren eindrücklich. "Endlich verstehe ich, weshalb die Hohlkehlung hinten nur bei der Aussenklaue gemacht werden soll". Ein anderer Landwirt fasst zusammen, dass er zwar vor 20 Jahren die offizielle Ausbildung zum Klauenpfleger absolviert hat, ab Morgen aber einiges ändern muss. So sei ihm heute das erste Mal der Zusammenhang aufgezeigt worden, weshalb es keinen Sinn macht oder sogar schadet, den Tragrand zu brechen.

Die grosse Bedeutung der Tragkraft der Innenklaue hinten wurde mehrmals unterstrichen und so sagten in der Schlussrunde viele, dass diese ab sofort nur noch maximal 7,5 cm nach hinten leicht korrigiert wird. Eingeleuchtet hat auch, wie wichtig der innere Tragrand einer Klaue ist. Ein leicht genervter Landwirt meinte abschliessend: "Wie kann man mit dem heutigen Wissen eigentlich noch nach dem alten System Klauenpflege betreiben!" Fazit: Die drei Klauenpflegekurse von Karl Bürgi im August dieses Jahres sind schon alle ausgebucht.

Beim Jungvieh anfangen

Am Nachmittag besuchten die Teilnehmer in Kleingruppen verschiedene Stationen. Sechs Firmen präsentierten Material und know how rund um die Klauenpflege und Hygiene. Diese Posten stiessen ebenso auf reges Interesse wie die Demonstrationen direkt im Klauenstand. Auch die Erklärungen von Pirmin Zürcher, Mitarbeiter an der Fachstelle Rindvieh am LZSG, regten zum Denken an. So zeigte er sehr verständlich auf, dass gesunde Klauen beim Jungvieh anfangen.

Mortellaro im Anfangsstadium wie man es beim Jungvieh ab dem Alter von ca. 1 Jahr antrifft, kann noch total eliminiert werden. Bei Kühen mit Erdbeer-Vergangenheit kann dagegen nur noch durch top Hygiene und Haltung ein Wiederausbruch verhindert werden. Immer wieder tauschten die Kursteilnehmer ihre gemachten Erfahrungen aus und gaben ihren Berufskollegen persönliche Tipps und Tricks weiter. 

Kühe ohne Klauenprobleme sind rentabler und machen Freude. Lahme Kühe werden von den Konsumenten oft als schlecht gehaltene Tier wahrgenommen. So betreiben Kühe mit gesunden Klauen letztlich viel Öffentlichkeitsarbeit für die Schweizer Landwirtschaft. Das Schwergewicht der Fachtagung lag bei der Profilaxe. Die vielen praxistauglichen und oftmals sehr kostengünstigen Optimierungsmöglichkeiten zum Wohle der Tiergesundheit verbreiten sich hoffentlich schnell.

Der Kurs wurde von den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost und dem Landw. Zentrum SG organisiert – die VMMO trug die Kurskosten für ihre Mitglieder.


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