7.06.2018 16:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Serie Tierwohl (2/35)
Heimtiere verdrängen Nutztiere
Tierwohl ist ein Schlüsselelement für die hohe Akzeptanz der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung. In der Serie «Tierwohl» werden die zahlreichen Aspekte beleuchtet. Im Teil zwei geht es um die Veränderung in der Mensch-Tier-Beziehung in den letzten Jahrzehnten.

Transportmittel, Fleischlieferant, Versuchsobjekt oder Partnerersatz: Tiere können ganz unterschiedliche Bedeutung haben und diese Bedeutung kann sich im Laufe der Zeit ändern.

Vieles hängt dabei vom jeweiligen Kulturkreis ab: In Afrika haben Tiere eine andere Bedeutung als in Europa, in China einen anderen Stellenwert als in Brasilien. Im Islam wird wegen eines Tieres nicht viel Aufhebens gemacht, sie werden rein zweckmässig betrachtet. Im Buddhismus geht man mit Tieren dagegen rücksichtsvoller um als bei uns. 

Ein Geben und Nehmen

Früher waren die Menschen Jäger und Sammler. Die Sammeltätigkeit wurde vom Ackerbau abgelöst, die Jagd weitgehend durch die Nutztierhaltung. Die Nutztierhaltung ist ein Geben und ein Nehmen: Die Tierhalter geben den Tieren Futter und Schutz, dafür nehmen sie ihnen einen Teil ihrer Nachkommen in Form von Eiern, Fleisch oder Milch, die für die Nachkommen bestimmt sind.

In der Wildnis regelt die Natur die Tierbestände. Nur die fittesten überleben, die anderen fallen Raubtieren zum Opfer. Hat es zu viele Tiere, verhungert ein Teil davon oder es breiten sich Krankheiten aus. Auch das Leben in der freien Natur hat seinen Preis.

Wandel der Mensch-Tier-Beziehung

Im 19. Jahrhundert drängte die zunehmende Industrialisierung die Nutztierhaltung aus der Stadt, dafür hielten Heimtiere Einzug. Sie dienten vorwiegend als Partnerersatz oder Prestigeobjekt. Sowohl beim Adel, beim Bürgertum als auch in den unteren Gesellschaftsschichten galt das Halten von Heimtieren – vielfach waren es Vögel – eine Zeitlang als modern. In dieser Zeit kamen die ersten Tierschutz-Gedanken auf. 

Während Tiere den Städtern in erster Linie zur Unterhaltung dienten, versuchten die Bauern, die Nutztierhaltung effizienter zu machen. In den 40er- und 50er-Jahren standen platz-, arbeits- und kostensparende Haltungsformen mit hoher Besatzdichte im Vordergrund. Man hielt Hühner in kleinen Käfigen, Schweine in ständiger Dunkelheit, Rinder ewig angebunden und Hofhunde an der Kette.

Es kam vermehrt zu Verhaltensstörungen. Die Kritik liess nicht lange auf sich warten. Die Politik reagierte und erliess Gesetze. Heute haben Tiere in unserem Kulturkreis einen deutlich höheren Stellenwert als früher. Es gibt zudem klare Tendenzen in Richtung strengerem und „erweitertem“ Tierschutz, wie z.B. der Wu¨rde der Tiere, Tieranwälten, Tierrechten und mehr.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE