17.06.2013 08:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, LID
Interesse an heissem Draht für Globuli wächst
2012 hat Landwirt Werner Ammann eine Hotline für Homöopathie lanciert. Mit Erfolg: Das Interesse der Bauern ist wächst.

Es gibt Hotlines, die helfen bei Problemen mit dem Computer, wenn die Kaffeemaschine streikt oder wenn die Telefonrechnung nicht stimmt. Seit dem Frühjahr 2012 gibt es auch eine Hotline für Bauern, die ihre Tiere homöopathisch behandeln wollen. Initiiert hat das Projekt Werner Ammann.

Beraten von 20 Spezialisten

Der Bio-Landwirt aus dem st. gallischen Ganterschwil behandelt sein Rindvieh und seine Schweine wenn immer möglich homöopathisch oder mit altbewährten Hausmitteln – und das seit über zwei Jahrzehnten. Ihm liegt eine schonende und ganzheitliche Behandlung seiner Tiere am Herzen. "Antibiotika sollten in der Nutztierhaltung wegen der Resistenzenbildung nur in Notfällen eingesetzt werden und somit der Humanmedizin vorbehalten bleiben", erklärt Ammann. Viele Landwirte würden ihre Tiere gerne komplementärmedizinisch behandeln. Das scheitere aber oft, weil es an entsprechenden Spezialisten fehle.

Deshalb hat Ammann "Kometian" lanciert – eine Hotline für Alternativmedizin bei Nutztieren. Dort können sich Bauern Rat holen, wenn sie etwa unsicher sind bei der Diagnose oder der Wahl homöopathischer Arzneimittel. Beraten werden sie von 20 Spezialisten, die – falls nötig – auch auf dem Hof vorbeikommen. Im Januar 2012 fiel der Startschuss.

Interesse der Bauern ist gross

Nun, eineinhalb Jahre später, sagt Ammann erfreut: "Unsere Erwartungen sind übertroffen worden." Die Anzahl Tierhalter, die den Homöopathie-Beratungsdienst nutzen, hat sich von anfänglich 77 auf aktuell 160 erhöht. Derzeit stehen weitere zehn Landwirte auf der Warteliste. Der Service, der zunächst nur in der Ostschweiz angeboten wurde, ist mittlerweile in der ganzen Deutschschweiz verfügbar.

Rund 280 telefonische Beratungen wurden bislang durchgeführt. "In 55 Prozent der Fälle führte die komplementär-medizinische Beratung zur Heilung oder mindestens zu einer Besserung", so Bio-Bauer Ammann. Besonders erstaunt hat ihn das grosse Interesse der Schweinehalter und der Bauern mit konventionellen Betrieben.

Geringere Kosten dank Homöopathie

Von dieser Tatsache weniger überrascht ist hingegen Ariane Maeschli. Die beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau arbeitende Tierärztin ist für die Qualitätssicherung bei Kometian zuständig. Sie weiss: Die Anwendung von Homöopathie zahlt sich aus – für konventionelle wie auch für Bio-Betriebe. So seien homöopathische Arzneimittel deutlich preisgünstiger. Könne der Bauer die Behandlung selbst durchführen, entfallen auch die Kosten für einen Tierarzt.

Maeschli sieht noch einen weiteren Vorteil: Muss beispielsweise eine Kuh mit Antibiotika behandelt werden, darf deren Milch während mehrerer Tage nicht in den Verkauf gelangen. Das führt zu finanziellen Einbussen. Dank Homöopathie können solche Wartefristen vermieden oder zumindest verringert werden.

Visite auf dem Hof nötig

Am häufigsten geklingelt hat das Kometian-Telefon wegen entzündeten Eutern. Bei Kühen kommt dies oft vor, die schulmedizinische Anwort heisst dann: Antibiotika. Dabei liessen sich selbst akute Euterentzündungen homöopathisch behandeln, so Maeschli. Wie viel Antibiotika dank Kometian eingespart werden konnte, kann die Tierärztin noch nicht sagen. Das werde aber noch untersucht. "Ich habe von einigen Bauern gehört, dass sie dank Homöopathie auf Antibiotika verzichten konnten." Maeschli warnt aber vor zu grossen Erwartungen: "Homöopathie ist keine Wunderwaffe. Sie ist lediglich ein Baustein bei der Antibiotika-Reduktion.

"Die Homöopathie-Spezialisten der Kometian-Hotline geben lediglich Behandlungsempfehlungen ab. "Die Verantwortung liegt letztlich bei den Bauern", so Maeschli. Nicht immer konnte am Telefon geholfen werden. In einigen Fällen mussten die Fachleute die Tiere vor Ort auf dem Hof anschauen, um eine Diagnose stellen zu können. Und in einigen Fällen reichte eine homöopathische Behandlung nicht aus: Bei 72 von 280 Fällen musste zusätzlich die Schulmedizin herangezogen werden.

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