15.10.2014 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Monika Helfer, Samuel Krähenbühl
Tierschutz
«Kontrolleur schlug mich mit voller Wucht»
Eine Bäuerin aus Chandon FR wurde gemäss eigenen Angaben von einem kantonalen Tierschutzkontrolleur mit einem Stock zusammengeschlagen. Der Kontrolleur hatte unangemeldet eine Kontrolle durchgeführt.

Am Montagabend des 6. Oktober führte Luc Jallon, Sektorchef Tierschutz, auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Annemarie Schwab in Chandon eine unangemeldete Tierschutzkontrolle durch. Um 16 Uhr kam nach Darstellung von Schwab Jallon  mit einer ihr unbekannten Frau sowie mit ihrem eigenen Bruder Rudolf Schwab auf den Betrieb. Annemarie Schwab und deren Mutter, welche den Betrieb führen, waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht anwesend. Als die Mutter nach Hause kam, informierte sie sofort ihre Tochter.  Diese erschien kurze Zeit später.

Kontrolleure im Stall

In dieser Zeit hätten sich die Kontrolleure unbefugten Zugang zum Stall verschafft, um die  Kontrolle  durchzuführen, so Schwab. Nach ihrer Ankunft sei sie sofort in den Stall gegangen, um dort die Kontrolleure zur Rede zu stellen. Sie habe diese aufgefordert, den Stall sofort zu verlassen, denn sie wüsste von dieser Kontrolle nichts, und ohne Anmeldung dürften sie nicht einfach in den Stall eindringen. «Diese Tat ist Hausfriedensbruch», betont sie.

Doch die drei Personen hätten nichts hören wollen. Daraufhin habe sie zu Kontrolleur Jallon gesagt, er habe hier nichts zu suchen und solle verschwinden. «Daraufhin hat Jallon die Kontrolle verloren. Er nahm einen alten Gabelstiel, welcher am unteren Stielende  immer noch mit Eisen bestückt war, in die Hand und schlug mich mit voller Wucht», erinnert sich Schwab.

An Schläfe getroffen

Dabei sei sie beim ersten Schlag an die Schläfe getroffen worden. Die Bäuerin wollte sich daraufhin wehren und habe den Stock gegen den Täter zurückdrücken wollen. «Dieser wurde daraufhin noch aggressiver und schlug wieder zu. Dieses Mal an den Hals, auch auf die Hände hat er einmal richtig zugeschlagen», fügt sie an.

Annemarie Schwab griff nun gemäss ihren Aussagen selber zu einer Gabel und konnte die Kontrolleure und ihren Bruder wegjagen. Ihr Bruder Rudolf Schwab habe ihr noch mit den Worten gedroht : «Ich werde alles unternehmen, damit du auch dorthin kommst, wo deine Schwester ist.» Ihre Schwester sei vor 3 Monaten an Herzversagen gestorben, erklärt sie. Seither würden sie und ihre Mutter den Landwirtschaftsbetrieb mit 18 Milchkühen und 24 ha Nutzfläche bewirtschaften. Annemarie Schwab hat daraufhin die Polizei alarmiert. Die Bäuerin will nun die drei  Personen wegen schwerer Körperverletzung anzeigen.

Ihren Bruder Rudolf habe sie schon einmal wegen schwerer Körperverletzung angezeigt. Denn er «terrorisiere» sie und ihre Mutter seit Jahren. So sei sie am 14. August 2014 vom Bruder so heftig zu Boden gestossen worden, dass sie einen Schädelbruch erlitten habe. Für diese Tat habe sie ihn angezeigt. «Doch er hat nicht nachgelassen und hat nun auch den Kantonstierarzt auf mich gehetzt», sagt sie.

Knapp am Tod vorbei

Der Hausarzt habe sie untersucht. Wenn der Schlag nur wenige Millimeter weiter unten gewesen wäre, dann  wäre sie nicht mehr am Leben, erläutert sie. Auch die Hände seien innerlich stark zerschlagen. Da der Stock mit Eisen bestückt war, könne sie von Glück reden, dass sie keine Blutvergiftung erlitten habe. Am vergangenen Dienstag hat nun Annemarie Schwab einen Brief vom Kantonstierarzt Grégoire Seitert erhalten. «Dort drin stand, dass ich die Herren nicht so hätte behandeln dürfen», berichtet sie. Sie werde mit einer Klage rechnen müssen und es werde noch gravierende Folgen für sie und für den Stall haben, habe es weiter geheissen. Eine Entschuldigung vonseiten des Kantons Freiburg habe sie bis heute nicht bekommen.

«Ich möchte nun an die Öffentlichkeit gehen, um zu zeigen, dass man nicht einfach in einen Stall eindringen kann. Denn dies ist Hausfriedensbruch, und auch Kontrolleur Luc Jallon darf wegen seiner Attacke nicht ungestraft davonkommen!», hält Schwab fest.

Das sagt der Kanton Freiburg

Wir haben das zuständige Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen des Kantons Freiburg mit den Vorwürfen gegen seinen Mitarbeiter Luc Jallon konfrontiert. Kantonstierarzt Grégoire Seitert nimmt wie folgt Stellung: «Es ist leider nicht so einfach, und die Fakten sind gravierend. Die Haltebedingungen für die Rinder sind dort schwergravierend, rekurrent und nicht vorbildlich für die Schweizer Landwirtschaft. Mehr werde ich nicht sagen wegen der Schweigepflicht. Es gibt eine Strafuntersuchung im Moment, und ich werde nicht kommunizieren, solange diese Untersuchung läuft. Die zwei Amtsangestellten wurden leider verletzt.  Zugangrecht nach Art 39 TSchV, SR 455.1. Anmeldung oder nicht: nach Art 3 Abs 3 VKKL, SR 910.15.»

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