28.01.2019 16:47
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Polen
Kranke Kühe heimlich geschlachtet
Die aktuellen Marktpreise Bahnt sich eine neuer Fleischskandal an? In Polen wurden heimlich kranke Kühe geschlachtet und als gesund deklariert. Gedeckt wurde dieses Vorgehen von korrupten Tierärzten. Aufgedeckt wurde der Fall durch ein polnisches TV-Team. -> Mit Video

In Polen hat ein Reporterteam von «TVN24» die Fleischbranche in Aufruhr gebracht. Ein Informant wurde für drei Wochen in den Betrieb eingeschleust. Seine Berichte sind haarsträubend. Die Tiere werden mit tierquälerischen Methoden in den Schlachthof geführt. Und das Vorgehen hat offenbar System.

Tierarzt stellt Papiere aus

Die Aufnahmen des TV-Berichts zeigen Kühe, die sich nicht mehr laufen können. Sie werden mittels Seilwinde aus dem Lastwagen in den Schlachtraum gezogen. Angeliefert werden die kranken Tiere in der Nacht. Anschliessend werden die Tiere geschlachtet. Die Bilder zeigen weiter, wie Arbeiter die Tumoren und Abszesse abgeschnitten werden. Die Schlachtungen werden ohne tierärztliche Aufsicht vorgenommen. 

Ohne weitere Untersuchung werde das Fleisch mit Stempeln als für den Verzehr unbedenklich ausgezeichnet und verpackt, erzählt der Informant im Beitrag. Gemäss den Recherchen werden solche heimlichen Schlachtungen in der Nacht regelmässig vorgenommen. Der Tierarzt stellt gemäss dem Informanten am nächsten Tag die nötigen Papiere aus. Im Geschmack würde sich krankes Fleisch von gesundem kaum unterscheiden. Und ein Mitarbeiter des Schlachtbetriebes sagt zum Informanten: «Menschen sind nicht wie Schweine – sie essen alles.»

«Ich hab ein Stück mit Vitaminen zu verkaufen»

«Ich wurde von meinen Vorgesetzten angewiesen, das Fleisch ansehnlicher zu machen. Dazu setzte ich ein Messer ein. Es war schrecklich. Beim Geruch des verrottenden Fleisches wird einem schlecht», fährt er fort. Gemäss dem TV-Bericht gibt es in Polen bis zu 300 Händler, die mit kranken Tieren Geschäfte machen. Und offenbar gibt es auch eine Art Geheimsprache zwischen den Bauern und den Händlern: «Ich hab ein Stück mit Vitaminen zu verkaufen». Hierbei handelt es sich um Kühe, denen Antibiotika gegeben wurde und die Absetzfrist nicht eingehalten worden ist.

Für die Bauern hat die Lieferung von kranken Tieren einen finanziellen Aspekt. Solche Rinder können sie nicht verkaufen. Zudem müssen sie die Entsorgung bezahlten. Die Regierung zahlt zwar einen Zuschuss von rund 200 bis 300 Zloty (ca. 57 bis 80 Franken) an das Einschläfern, der Verlust von rund 500 Zloty (ca. 260 Franken) ist so aber nicht gedeckt. 

80 Prozent in Export

Das Fleisch wird nach der Schlachtung umgehend in den Verkauf gebracht. Der Vorfall in Polen könnten in der ganzen EU zum Problem werden. Das Land exportiert 80 Prozent des Rindfleisches. Laut Comtrade, der Handelsdatenbank der Vereinten Nationen, waren das im Jahr 2017 mehr als 415 Millionen Kilogramm an Frisch- oder Tiefkühl-Rindfleisch.

Sollte das kontaminierte Fleisch in die EU gelangt sein, könnte dies eine das EU-weite Sicherheitswarnungen zur Folge haben.

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