18.09.2015 11:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Tierwohl
Kurze Wege helfen Tier und Bauer
Der Schweizer Tierschutz wehrt sich gegen immer grössere Betriebe und Schlachthöfe. Bei denen bleibe das Tierwohl auf der Strecke. Auch die Konsumentenschützer machen sich für regionale Strukturen stark.

Die Ueli-Hof-Manufaktur in Ebikon LU ist seit einem Jahr in Betrieb. Es ist ein lokaler Schlachthof. «Wir achten auf kurze Transportwege und verzichten auf Sammeltransporte», erklärt Martin Schmitz, Geschäftsführer der Ueli-Hof AG. Bei der Tierannahme arbeite man ohne Stress, und das Abhängen der Schlachtkörper dauere in der Manufaktur deutlich länger als im Industrieschlachthof. Dafür sei die Fleischqualität besser.

Wöchentlich werden etwa zehn Schweine, vier Jungrinder und vier Lämmer geschlachtet und verarbeitet, dazu eine Sau, eine Kuh und ein Schaf. Abnehmer des Biofleisches sind der Detailhandel, Bioläden, Restaurants und Hotels  – und natürlich der Hofladen des Ueli-Hofs in St. Niklausen LU. Dort hat das Projekt der Ueli-Hof-Manufaktur schliesslich seinen Anfang genommen.

Wertschöpfung erhalten

Ueli Unternährer, Bauer, Bewirtschafter des Ueli-Hofs und Verwaltungsratspräsident der Ueli-Hof AG, ist kein «Jammeri». Doch er, seine Frau Lydia Frey und einige seiner Berufskollegen hatten genug vom Preiskampf und dem Trend nach immer grösseren Strukturen, bei denen das Tierwohl und die Freude an der Arbeit auf der Strecke bleiben. «Deshalb gründeten wir eine Erzeugergemeinschaft», blickt Unternährer, der den Betrieb 2002 übernahm, zurück.

«Alle Lieferanten halten die Tiere nach den Richtlinien von Bio Suisse, BTS und Raus.» Mit der Schlachtung in der Manufaktur  und der Vermarktung halte man die Wertschöpfungskette in den eigenen Händen. «Die Konsumenten honorieren den hohen Tierwohlstandard und die Fleischqualität. Wir sind einer der regionalen Marktleader in der Vermarktung von Bioerzeugnissen.» Zudem wolle man Menschen aller Generationen für eine bäuerlich geprägte, naturnahe und nachhaltige Landwirtschaft sowie eine artgerechte Tierhaltung sensibilisieren.

Anteil der Bauern sinkt

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, lobt das Engagement von Unternährer: «Die Vision und die Werte, wie sie der Ueli-Hof lebt, finden Anklang bei den Konsumenten.» Es gebe immer mehr Leute, die wissen wollten, was sie auf dem Teller hätten. Für Stalder ist die Direktvermarktung aber auch ein Rezept gegen versteckte Preiserhöhungen der Grossverteiler.

«Die Konsumentenpreise steigen, die Produzenten aber erhalten vom Konsumentenfranken einen immer kleineren Teil.» Wenn die Bauern mehr verdienen wollten, sei ein gut ausgebauter Direktverkaufskanal deshalb die effizienteste Methode, so Stalder.

Gegen Massenproduktion

Für den Schweizer Tierschutz STS ist der Ueli-Hof nicht nur ein vorbildliches Beispiel für Kundennähe, sondern auch ein Gegenmodell zur billigen Massenproduktion. Hansuli Huber, Geschäftsführer des STS, sieht bezüglich Tierschutz Handlungsbedarf im Markt und in der Politik: «Die AP 14–17 setzt beim Tierwohl keine Impulse.» Noch nie in der Geschichte der neueren Agrarpolitik seien Grossbetriebe vom Staat mit derart viel Geld überschüttet worden wie heute.

«Innert Jahresfrist stieg die Zahl der Betriebe, die zwischen 150'000 und 200'000 Franken Direktzahlungen erhalten, um 48 Prozent, und diejenige der Betriebe mit über 200'000 Franken sogar um 79 Prozent.» Das viele Geld  fehle bei der Förderung tierfreundlicher Ställe und der Auslaufhaltung. «Damit missachtet der Bundesrat den Verfassungsauftrag, der eine Förderung des Tierwohls  vorschreibt», bemängelt Huber. «Wir fordern eine Anpassung der überhöhten Direktzahlungen zugunsten der Tierwohl-Förderung.»

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