5.02.2019 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Milchsäurebakterien gegen Mastitis
Eine alternative Therapie bei Euterentzündungen haben Wissenschaftler der Hochschule Hannover entwickelt. Wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das Projekt fachlich und finanziell mit 280'000 Euro gefördert hat, am Dienstag vergangener Woche mitteilte, werden dabei mit „guten“ Milchsäurebakterien die „schlechten“ Mastitiserreger verdrängt und Antibiotikaanwendungen lassen sich vermeiden.

„Mit dieser Alternative liesse sich zukünftig die Zahl notwendiger Antibiotikabehandlungen reduzieren und die Gefahr verringern, dass Antibiotika in die Umwelt gelangen und sich dort Keime bilden, die auf diese Wirkstoffe nicht mehr anschlagen“, erläuterte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. 

Noch sei zwar kein marktreifes Produkt erhältlich. Die Hochschule strebe aber mit weiteren Partnern die Entwicklung eines Therapeutikums bis zur Marktreife an. Projektleiter Volker Krömker von der Hochschule Hannover wies auf einen weiteren Vorteil der Alternativbehandlung hin, denn bei Antibiotikaeinsatz dürfe die Milch nicht an die Molkerei geliefert werden, was zu finanziellen Einbussen beim Produzenten führe.

Dem Wissenschaftler zufolge wurden zunächst im Labor Milchsäurebakterienstämme isoliert und ihre hemmende Wirkung auf die Krankheitserreger getestet. Untersucht wurde dabei auch, wie sich die Stämme an Hautzellen des Zitzenkanals und des Euters anlagern und ob sie einen Biofilm bilden. Das sei für das Verdrängen der krankmachenden Keime eine zentrale Eigenschaft gewesen. Die anschliessenden Versuche an Kühen unter kontrollierten Bedingungen hätten gezeigt, dass der ausgewählte Milchsäurebakterienstamm das Eindringen und das Vermehren der „schlechten“ Entzündungsbakterien in der Milchdrüse bestmöglich verhindere.

„Unsere Tests haben gezeigt, dass an Mastitis erkrankte Kühe durch eine derartige innovative Milchsäurebakterien-Behandlung gleichermassen gesund werden wie durch die herkömmliche antibiotische Methode“, hob Krömker hervor. Es seien zudem keine Unverträglichkeiten festgestellt worden. Bevor ein marktgängiges Präparat entwickelt werden könne, seien allerdings noch weitere Untersuchungen und eine grössere klinische Studie erforderlich, um die Wirksamkeitsdaten auf eine breitere Basis zu stellen.

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