7.06.2018 18:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Serie Tierwohl (3/35)
Misstände in Heimtierhaltung
Tierwohl ist ein Schlüsselelement für die hohe Akzeptanz der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung. In der Serie «Tierwohl» werden die zahlreichen Aspekte beleuchtet. Im Teil drei geht es um die Vermenschlichung von Tieren und den verlorenen Bezug zur Tierhaltung.

Die nicht-landwirtschaftliche Gesellschaft hat immer weniger Bezug zur Landwirtschaft und zur Nutztierhaltung. Früher hatte die Mehrzahl der Bevölkerung einen viel direkteren Draht zu den Bauern und Bäuerinnen. Meistens hatte jemand aus der Verwandtschaft einen Hof oder arbeitete in der Landwirtschaft. Heute ist das nicht mehr der Fall.

In der Heimtierhaltung werden die Tiere zunehmend vermenschlicht. Das ist nicht nur zu ihrem Vorteil: Oft verfügen Heimtierhalter nicht über die nötigen Fachkenntnisse, um ihre Lieblinge artgerecht zu halten.

Bewegungsmangel vorprogrammiert

Es wird auch relativ wenig Forschung u¨ber Heimtiere betrieben und der Handel mit Gehegen, Boxen, Ka¨figen und Zubeho¨r fu¨r Heimtiere erfolgt frei und unkontrolliert. Im Heimtier-Bereich werden deshalb besonders viele Missstände festgestellt: Die Tiere werden häufig in zu kleinen Gehegen gehalten, haben zu wenig Bewegung oder werden nicht optimal gefüttert. 

In der Pferdehaltung ist dieser Wandel besonders ersichtlich: Seit Traktoren das Arbeitstier Pferd ersetzten nahmen auch die Fa¨lle von U¨berbeanspruchung bei Pferden ab. Dafür leiden heute viele Pferde unter Bewegungsmangel oder sie müssen im Pferdesport Massnahmen wie tierschutzwidriges Za¨umen, Hufstellungs-Vera¨nderungen, Hufgewichte, Neurektomie, elektrische Dressurmittel oder das Clippen von Tasthaaren über sich ergehen lassen.

Mehr Katzen als Schweine

Während die Anzahl Heimtiere in der Schweiz laufend steigt, nehmen die Nutztierbestände seit Jahren ab. Heute hält jeder dritte Haushalt in der Schweiz eines oder mehrere Haustiere. 2,5 Mio. Heimtierbesitzer stehen noch 44'000 Nutztierhalter gegenüber.

Inzwischen hat es mehr Katzen als Schweine in der Schweiz und mehr Haushunde als Schafe. Und von den im Jahr 2016 erstregistrierten Equiden wurden 60 Prozent als Heimtiere und nicht als Nutztiere deklariert. 

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