Donnerstag, 30. Juni 2022
22.05.2022 19:30
Tiergesundheit

«Moderhinke-Sanierung ist sinnvoll»

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Von: Christian Zufferey

Lukas Berger, Präsident des Schweizerischen Schafzuchtverbandes, erkennt in den Herausforderungen auch eine Entwicklung, die den Schäfern das Leben einfacher macht. Bei einem Problem sind aber allen die Hände gebunden.

Alle vier Schweizer Schafrassen haben mit rückgängigen Herdebuch-Zahlen zu kämpfen. Vergleichsweise stabil, wenn auch auf einem deutlich tieferen Niveau bewegen sich die Importrassen, unter denen die Fleischrassen Texel und Suffolk die grösste Bedeutung haben.

Teilweise ist die Korrektur der Herdebuch-Zahlen nach unten auch auf eine ab 2015 veränderte, aber wohl auch genauere Zählmethode zurückzuführen, da sie nur noch die beitragsberechtigte Zahl wiedergibt. Jungtiere ohne Erstbeurteilung und Kreuzungstiere sind im Herdebuch zwar erfasst, sie bekommen aber keine Bundesbeiträge, sodass der Schweizerische Schafzuchtverband (SSZV) deren Herdebuchführung praktisch als Gratisdienstleistung macht.

Nachkommen aus Veredelungskreuzungen, etwa aus WAS und Île-de-France-Schafen (OIF), dürfen frühestens ab der dritten Generation, ab einem Blutanteil von 87,5 Prozent, wieder als beitragsberechtigt gezählt werden.

Einfachere Aufwände

Die Anforderungen an Schafhalter und Schafzüchter durch die Agrarpolitik sind grösser geworden. Ausser neuen Vorschriften zum Beispiel für Tierwohl oder Gewässerschutz kam Anfang 2020 noch die Einführung der Meldepflicht für Schafe bei der Tierverkehrsdatenbank (TVD) hinzu.

Mit einem allerdings überraschend geringen Einfluss auf die Herdebuchzahlen – stattdessen gab es einen Rückgang bei den Schafhaltern. «Herdebuch-Züchter waren es sich bereits gewohnt, Geburten oder Abgänge zu melden», meint SSZV-Präsident Lukas Berger. Da Schafe nun auch elektronisch erfasst werden können sind manche Aufwände sogar kleiner geworden als vor der Einführung der TVD.

Einzig ältere, mit Computerprogrammen nicht bewanderte Schäfer haben Mühe, doch gibt es etliche junge Schäfer, die ältere dabei unterstützen, die Daten elektronisch zu melden. Lukas Berger betont, dass auch er selbst für ältere Schäfer, die ihm mündlich oder schriftlich Veränderungen mitteilen, die Daten erfasst.

Neue Vorbilder

Jungzüchter sollten künftig noch mehr eingebunden werden, ist Berger überzeugt. Sie sollen eine neue Generation von Vorbildern werden und namhafte Exponenten der Schweizer Schafzucht praktisch ablösen – auch jene, die jahrelang als Experten tätig waren, doch mit dem Erreichen des Pensionsalters nicht mehr an Ausstellungsmärkten (IAM) amtieren dürfen.

Berger hält auch die Moderhinke-Sanierung für sinnvoll. «Gesunde Klauen bedeuten für einen Schäfer eine extreme Arbeitserleichterung», betont Berger, überzeugt davon, dass man mit gesunden Schafen ein besseres Potenzial hat, um die Herdebuchzahlen mindestens zu halten oder sogar wieder steigern zu können. Zumal Schäfer schon vor Beginn der offiziellen Sanierung ab Herbst 2024 sanieren können, sofern nötig. Es sei daher vielmehr die TVD, der aufgrund der anstehenden Sanierung ein Härtetest bevorstehe.

Knackpunkt LBE

Die Weiterentwicklung des bisherigen Beurteilungssystems mit Noten für Typ, Fundament und Wolle dürfte den SSZV hingegen noch viele Jahre beschäftigen, wobei der SSZV noch keinen Zeithorizont nennt. Zudem wird man sicherlich eine Zeit lang parallel mit zwei Systemen arbeiten.

Insgesamt bleibe Zeit genug, um die Ängste und Befürchtungen der Schäfer ernst zu nehmen, die ein Ende der Schauen oder gar der interkantonalen Märkte befürchten, weil das lineare System mehr auf Hofbeurteilungen basiert, statt auf den vielerorts noch sehr bedeutungsvollen Orts- und Beständeschauen.

Namentlich die IAM halten viele Schäfer für überlebenswichtig für den Verband, weil sie dessen wichtigstes Schaufenster sind. Da misst man sich mit den Besten. Gegenwärtig schätzt Aeschlimann, dass von den insgesamt etwa 50 000 Herdebuchtieren jährlich etwa 5000 Tiere an den interkantonalen Märkten gezeigt werden.

Keine Lösung parat

Unter den zahlreichen bewältigbaren Herausforderungen sticht eine aber besonders heraus. «Dem Wolf stehen wir praktisch ohnmächtig gegenüber», meint Lukas Berger. Dafür haben weder er noch Aeschlimann eine Lösung parat, zumal sich bereits jetzt abzuzeichnen beginnt, dass das längst nicht mehr nur ein Problem der Gebirgskantone ist, sondern zunehmend auch das Mittelland trifft. «Eigentlich gäbe es nur eine Lösung», ist Berger überzeugt, «doch weil Wölfe nicht abgeschossen werden dürfen, sind uns die Hände gebunden.»

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