15.09.2015 12:27
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Multiresistente Keime: Erfolg in Schweinestall
Wissenschaftlern verschiedener Forschungsinstitute ist es gelungen, durch umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmassnahmen multiresistente Bakterien vollständig aus einem schweinehaltenden Betrieb zu entfernen.

Wie die am Projekt beteiligte Agrarwissenschaftlerin Dr. Ricarda Schmithausen von der Universität Bonn vergangene Woche berichtete, haben frühere Untersuchungen der Hochschule gezeigt, dass sich bei jedem fünften Schwein Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sowie bei 30 Prozent der Tieren Extended Spectrum-β-Lactamase-bildende Enterobakterien (ESBL-E) nachweisen liessen.

Diese Erreger könnten zur Bildung und Verbreitung antibiotikaresistenter Keime führen. Die im Forschungsversuch angewandten „radikalen Hygienemassnahmen“ dürften sich im laufenden Betrieb eines Schweinehalters allerdings in den wenigsten Fällen umsetzen lassen, räumte Schmithausen ein. In der Studie wurden die Stallungen des Landwirtes kernsaniert und teilweise durch Neubauten ergänzt. Diese Massnahmen wurden von einem mehrstufigen Desinfektionsverfahren begleitet.

Zudem hatte der Landwirt zuvor wegen einer Betriebsumstellung den gesamten Tierbestand schlachten lassen und danach neu aufgebaut. Die neu eingestallten Tiere wurden stichprobenhaft getestet, um das Einschleppen neuer resistenter Bakterien zu verhindern. Die Massnahmen seien erfolgreich gewesen, so die Wissenschaftlerin.

„Noch heute - zwei Jahre nach der Sanierung - ist der Betrieb ESBL-frei.“ Auch der ursprünglich vorhandene MRSA-Stamm sei ausgerottet worden. Allerdings habe bereits nach zwei Tagen ein anderer MRSA-Keim, der vermutlich durch eines der neuen Tiere eingeschleppt worden sei, nachgewiesen werden können. Insgesamt habe sich der Gesundheitszustand des Bestands jedoch deutlich verbessert. Der Einsatz von Antibiotika sei kaum noch nötig, berichtete Schmithausen.

Nach ihren Angaben lässt sich das Auftreten von MRSA und ESBL-E durch eine Kombination mehrerer strikter Hygienemassnahmen minimieren, aber nicht auf Null senken. „Krankenhäuser und Tierbetriebe haben an vielen Punkten mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen“, stellte sie fest. Beide Seiten sollten deshalb voneinander lernen.

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