5.08.2019 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Reserveantibiotika nur für Menschen
Ein Anwendungsverbot für Reserveantibiotika in der Tiermedizin hat die Agrarsprecherin der Linksfraktion im deutschen Bundestag, Kirsten Tackmann, gefordert.

„Gerade die zwar im Vergleich zu 2011 gesunkenen, aber anhaltend hohen Abgabemengen bei Reserveantibiotika wie Cephalosporine der vierten Generation, Colistin oder Makrolide in der Nutztierhaltung bleiben alarmierend“, beklagte Tackmann mit Blick auf den Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zur Abgabe antimikrobiell wirksamer Stoffe. 

Die Abgabemenge für Colistin sei sogar die dritthöchste. „Reserveantibiotika müssen endlich der Humanmedizin vorbehalten bleiben“, so Tackmann. Die lebensrettende Wirksamkeit von Antibiotika müsse erhalten bleiben, weshalb ihr Einsatz auf zwingend notwendige Anwendungen zu minimieren sei. Das gelte sowohl für die Behandlung von Nutz-, Klein- oder Heimtieren, aber auch für Menschen, betonte die Linke-Politikerin.

Sinkende Abgabemengen seien zu begrüssen, stelten aber keinen Grund zur Entwarnung dar, denn sie sagten wenig über die tatsächliche Reduktion der Anwendungshäufigkeit oder des Resistenzrisikos aus. Nach Ansicht von Tackmann muss deshalb die Situation auf Grundlage der tatsächlichen Anwendungshäufigkeit, zum Beispiel auf Basis der Abgabe- und Anwendungsbelege, bewertet werden.

Für die Minimierung des Antibiotikaverbrauchs gelte es zudem, zwingend die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern. Dafür würden sowohl klare gesetzliche Vorgaben als auch finanzielle Unterstützung gebraucht. Für mehr Tiergesundheit seien zum Beispiel mehr Platz im Stall, eine Deckelung der Bestandsgrösse, gut ausgebildetes und bezahltes Betreuungspersonal und eine integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung erforderlich.

Auch die Tierzucht müsse zu mehr Tiergesundheit beitragen, erklärte Tackmann. Dazu gehörten ausgewogene Parameter und die Ausrichtung auf Lebensleistung. Gebraucht würden verbindliche Kriterien, die sowohl den Tierschutz als auch vernünftige Arbeitsbedingungen berücksichtigten. Das BVL hatte gemeldet, dass die Menge der in Deutschland an Tierärzte abgegebenen Antibiotika 2018 um 1,5 % auf 722 t gesunken sei. Das sei das niedrigste Niveau seit 2011, dem ersten Jahr der Erhebung; damals waren 1'706 t ausgewiesen worden 


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