Freitag, 24. September 2021
02.07.2021 13:34
Tierwohl

Rind, Huhn oder Schwein – ab 24 Grad sinkt Wohlgefühl

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Von: sda/blu

Egal ob Mensch, Tier oder Nutzpflanze: Der Mehrheit ist es bei 17 bis 24 Grad Celsius am wohlsten. Ist es heisser und feucht, geben Kühe weniger Milch, Schweine nehmen weniger zu und Weizen gedeiht schlechter.

«Wir haben bevorzugte und schädliche Temperaturen bei Menschen, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen untersucht und herausgefunden, dass diese erstaunlich ähnlich sind», sagt Senthold Asseng, Professor für Digital Agriculture an der Technischen Universität München (TUM). Wohlfühltemperaturen liegen demnach zwischen 17 und 24 Grad Celsius.

Technische Unterstützung

Bei hoher Luftfeuchtigkeit beginnt eine leichte Hitzebelastung für den Menschen bei etwa 23 Grad Celsius und bei niedriger Luftfeuchtigkeit bei 27 Grad Celsius.

«Wenn Menschen längere Zeit Temperaturen über 32 Grad Celsius bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit oder über 45 Grad Celsius bei extrem niedriger Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind, kann das tödlich sein», warnt Asseng. Extreme Temperaturereignisse wie gegenwärtig in Kanada und im amerikanischen Nordwesten erfordern zwingend technische Unterstützung, beispielsweise Klimaanlagen.

Bis 2100 ist die halbe Erde unbewohnbar

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten laut Asseng 45 bis 70 Prozent der globalen Landfläche von Klimabedingungen betroffen sein, bei denen der Mensch ohne technische Hilfen, wie etwa Klimaanlagen, nicht mehr überleben kann. Derzeit sind es zwölf Prozent.

Das bedeutet, dass in Zukunft 44 bis 75 Prozent der menschlichen Bevölkerung chronisch durch Hitze gestresst sein werden. Eine genetische Anpassung an das geänderte Klima benötigt bei höheren Lebensformen viele Generationen und dafür reicht die Zeit nicht.

Legehennen empfinden ab 37 Grad  eine starke Hitzebelastung, und die Legerate geht zurück.
GalloSuisse

Weniger Milch und Eier

Bei Rindern und Schweinen treten Hitzebelastungen bei 24 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit und bei 29 Grad Celsius bei niedriger Luftfeuchtigkeit auf. Die Milchleistung bei Kühen kann um 10 bis 20 Prozent sinken, wenn sie einer Hitzebelastung ausgesetzt sind und auch die Mastleistung von Schweinen reduziert sich. Der angenehme Temperaturbereich für Geflügel liegt bei 15 bis 20 Grad Celsius. Eine leichte Hitzebelastung erfahren Hühner bei 30 Grad Celsius, ab 37 Grad empfinden sie eine starke Hitzebelastung, und die Legerate geht zurück.

Hitzestress führt insgesamt zu einem verringerten Wachstum von Rindern und Milchkühen, Schweinen, Hühnern und anderen Nutztieren, das bedeutet niedrigere Erträge und Reproduktionsleistungen. «Es gibt Beispiele für evolutionäre Anpassungen an warmes Wetter bei Landsäugetieren. Die Siebenbürger Nackthühner sind wegen einer komplexen genetischen Mutation, die das Federwachstum unterdrückt, hitzetoleranter als andere Hühner. Sie sind von Natur aus klimatisiert, weil ihnen die Federn am Hals fehlen», sagt Asseng. 

Pflanzen wie Mais sind zwar frostempfindlich, vertragen aber wärmere Temperaturen.
Hansueli Dierauer

Wie erlebt die Pflanzenwelt grosse Hitze?

«Bei Nutzpflanzen scheinen die optimale Temperaturzone und die Temperaturschwellenwerte aufgrund von Unterschieden zwischen Arten und Sorten, vielfältiger zu sein», erklärt Asseng. 

Kaltzeitige Pflanzen wie Weizen gedeihen beispielsweise besser bei kühleren Temperaturen. Warmzeitige Pflanzen wie Mais sind zwar frostempfindlich, vertragen aber wärmere Temperaturen. Anpassungsstrategien für Hitzestress beim Pflanzenbau sind Änderungen des Pflanzdatums, um Hitzestress später in der Saison zu vermeiden, falls machbar, Bewässerung, die Umstellung auf hitzetolerantere Pflanzen oder die Züchtung auf Hitzetoleranz. 

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One Response

  1. Es ist die schiere Masse der Bevölkerung, an welcher diese scheitern wird. Warum spricht nie jemand darüber?
    Die Klimaveränderung drosseln oder gar aufhalten? Lachhaft!
    Was gefragt ist sind Ideen, wie wir damit umgehen werden.
    Kllimaschutz und Naturschutz sind nicht machbar, wohl aber Umweltmanagement, zugunsten unserer Lebensbedingungen und -qualität. Der einzige wirksame Naturschutz würde die Ausrottung der Menschheit bedingen.

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