Samstag, 28. Mai 2022
20.12.2021 15:46
Tierwohl

Rind: So lässt sich der Stress ermitteln 

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: mgt

Verbessertes Tierwohl und optimale Haltungsbedingungen der Nutztiere haben eine immer grössere gesellschaftliche Bedeutung. Wissenschaftler des Forschungsinstitutes für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf (D) waren auf der Suche nach schonenderen, minimal-invasiven Methoden zum Nachweis von Langzeitstress bei Nutztieren erfolgreich.

Die Forschenden haben die Bestimmung von Glukokortikoid-Biomarkern zum retrospektiven Nachweis von Langzeitbelastungen weiterentwickelt. Grundlage ist die Bestimmung der Stresshormone Cortisol in Haarproben von Rindern und Schweinen sowie Corticosteron in Federn von Hühnern und Truten.

Stress verursacht Kosten

«Stressreaktionen des Organismus sind überlebenswichtig. Anhaltend erhöhte Stresshormonspiegel weisen bei Nutztieren jedoch auf Probleme in der Haltung hin», erklärte Projektleiter Winfried Otten vom Institut für Verhaltensphysiologie am FBN. Zu grosse Hitze, zu wenig Platz, sozialer Stress oder die Isolation von Artgenossen und Langeweile – Stress im Stall kann viele Ursachen haben. Darunter leidet nicht nur das Wohlbefinden der Tiere. Chronisch gestresste Tiere verursachen auch zusätzliche Kosten, sie können schneller krank werden oder wachsen langsamer.

Stresshormone können bei Tieren zur Bewertung von Belastungszuständen in Blut-, Speichel-, Urin- oder Kotproben gemessen werden. «Die Probenentnahme selbst kann dabei für die Tiere stressig sein und der Hormongehalt in diesen Proben spiegelt nur die Belastung kurz vor dem Zeitpunkt der Entnahme wider. Langzeitaussagen sind schwierig und nur anhand vieler Proben möglich», beschrieb Winfried Otten die grundsätzliche Problemlage.

Cortisoleinlagerung 

«Unser Ziel war es, den Stresshormonnachweis in Haaren und Federn in ein einfaches und präzises Verfahren zur Bestimmung von Langzeitstress bei Nutztieren weiterzuentwickeln, ähnlich wie es in der Stressforschung beim Menschen schon Anwendung findet», so Otten. Während des Haar- und Federwachstums erfolge eine kontinuierliche und stabile Einlagerung der Hormone. Anhand einer Probe könne die Stressbelastung der vorangegangenen Wochen und Monate ermittelt werden.

Erstmalig wurden am FBN bei Nutztieren der zeitliche Verlauf der Cortisoleinlagerung ins Haar durch Stress sowie stressunabhängige Einflussfaktoren systematisch erforscht. Tierärztin Susen Heimbürge hat im Rahmen dieses Projekts promoviert und dazu in den vergangenen Jahren bei Rindern und Schweinen nicht nur den Einfluss verschiedener Stressoren, sondern auch von Faktoren wie Haarfarbe, Haartyp und -alter auf Haarcortisolkonzentrationen untersucht.

Kalender der Stressbelastung

«Anhand eines experimentellen Stressmodells beim Rind konnten wir erstmals zeigen, dass eine mehrwöchige Stressbelastung der Tiere durch erhöhte Cortisolkonzentrationen in verschiedenen Haartypen, nämlich in nativen und nachgewachsenen Körperhaaren sowie in Segmenten von Schwanzhaaren nachweisbar ist», erläuterte Otten die Befunde.

«Je nach Haarlänge lässt sich so in einer Probe die Stressgeschichte von mehreren Wochen bis zu einigen Monaten ablesen», so die Forscherin. Als neues Ergebnis zeigten die Wissenschaftler erstmalig auf, dass beim Nutztier einzelne Haarsegmente retrospektiv als eine Art Kalender der Stressbelastung verwendet werden können.

Bei Schwein und Geflügel weiter Forschung nötig

Während sich die Eignung des Verfahrens beim Rind als Stressindikator bereits bestätigt hat, sind beim Schwein und Geflügel noch weiterführende Studien notwendig, da Störeinflüsse durch Verschmutzungen der Haare die Messungen beeinflussen können. Grundsätzlich kann mit der Bestimmung von Glucocorticoiden in Haaren und Federn die Messung von Langzeitstress auch in der Nutztierhaltung in Zukunft erheblich vereinfacht werden und diese physiologischen Biomarker könnten sich daher auch für den Einsatz in einem Tierwohl-Monitoring-System eignen.

«Zur Verbesserung des Tierwohls soll auch in Zukunft am FBN die Forschung nach innovativen minimal-invasiven Indikatoren unter Verwendung von Haaren, Federn bis hin zu Fischschuppen fortgeführt werden», kündigte der Wissenschaftler an.

Mehr zum Thema
Tiere

Der Schweinebestand in der Schweiz fokussiert sich hauptsächlich auf fünf Kantone. - Susanne Meier In der Schweiz lebten 2020 rund 1,35 Millionen Schweine. In welchem Kanton am meisten Schweine gehalten…

Tiere

Ferkelkastration unter Narkose mit Isofluran. Das rote Licht zeigt an, dass die nötige Narkosetiefe noch nicht erreicht ist. - Bmel Nachdem die betäubungslose Ferkelkastration zum Jahreswechsel in Frankreich verboten wurde,…

Tiere

Christian Hofer, Direktor Bundesamt für Landwirtschaft, lobt die Schweizer Bauern für ihre Anstrengungen in Sachen Tierwohl. - ZMP Im Rahmen der Delegiertenversammlung von Suisseporcs äusserte sich Christian Hofer, Direktor des…

Tiere

17 EU-Staaten haben von der Marktstützung Gebrauch gemacht. - Lebensmittelfotos Die Frist für Anmeldungen von Schweinefleisch zur bezuschussten Privaten Lagerhaltung (PLH) in der Europäischen Union ist am 29. April abgelaufen. …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE