1.09.2016 18:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zürich
Schweinehalter muss auf Urteil warten
Noch ist das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil ZH im Prozess gegen einen ehemaligen Schweinehalter aus dem Zürcher Oberland nicht gesprochen. Dem Mann werden Tierquälerei und verschiedene Gesetzesverstösse vorgeworfen. Am Donnerstag fand die Hauptverhandlung statt.

Die Anklage fordert 15 Monate Freiheitsstrafe unbedingt und 10'000 Franken Busse. Die Verteidigung erachtet 6 Monate bedingt und 5000 Franken Busse als angemessen. Das Urteil wird am kommenden Donnerstag schriftlich eröffnet.

Wollte Schweine gar nie

Ganz am Schluss stellte der Richter dem Beschuldigten die Frage, die schon den ganzen Tag in der Luft gehangen hatte: «Weshalb haben Sie nicht schon früher den ganzen Bettel hingeschmissen?» Er habe sich verpflichtet gefühlt gegenüber seinen Brüdern, versuchte der Beschuldigte zu erklären.

Der gelernte Molkerist hatte die Schweinezucht und -mast gar nie gewollt. Nach dem Tod seines Vaters war sie der Erbengemeinschaft zugefallen - der Beschuldigte war der einzige der drei Brüder, der sich darum kümmerte. Zehn Jahre lang führte er den Betrieb neben seiner Molkerei, bis dieser im Herbst 2015 auf behördliche Anweisung geschlossen wurde.

Rentiert habe die Schweinehaltung längst nicht mehr, der Beschuldigte schoss Geld aus seinem Molkereibetrieb ein. Ein Angestellter sorgte für die Tiere, der Tierhalter schaute in seiner Freizeit vorbei. Er sei froh, dass es jetzt mit dem Schweinebetrieb vorbei sei.

Fehler eingeräumt

Es seien Fehler passiert, räumte er ein. So sei etwa das Behandlungsjournal nicht korrekt geführt worden - dafür machte er vor allem den Mitarbeiter verantwortlich. Er habe aber nie bewusst ein Tier leiden lassen oder vernachlässigt, wie die Staatsanwaltschaft See/Oberland ihm vorwirft.

Laut Anklage hat der Schweinehalter seine Tiere in teilweise überbelegten Buchten gehalten, liess kranke Tiere unbehandelt, trennte sie nicht von den gesunden und tötete sie auch nicht - auch wenn das Veterinäramt anlässlich von zahlreichen Kontrollen ab Oktober 2014 in verschiedenen Fällen dies verlangt hatte. Zudem gab es laut Staatsanwaltschaft schwere Mängel in Sachen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere, Sauberkeit, Lüftung und Abluftreinigung. Trotz entsprechender Anweisungen gab es keine Verbesserungen.

Einschlägige Vorstrafen

Die Beanstandungen des Veterinäramtes waren dem Beschuldigten nicht neu. Seit 2008 hatte er mehrere einschlägige Strafbefehle des Statthalteramtes kassiert. Der Beschuldigte bestritt, die Tiere nicht behandelt zu haben. Dies sei bloss nicht festgehalten worden. Sie hätten nicht leiden müssen, erklärte er - eine Aussage, welcher Kantonstierärztin Regula Vogel, die als sachverständige Zeugin befragt wurde, klar widersprach. Mehrere Tiere waren anlässlich einer Kontrolle gar in so schlechtem Zustand, dass sie umgehend eingeschläfert werden mussten.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft bezeichnete das Verschulden des ehemaligen Schweinehalters als schwer. Er warf ihm eine gleichgültige Haltung vor. Zudem sei er «offensichtlich unbelehrbar». Eine unbedingte Freiheitsstrafe sei gerechtfertigt. Der Verteidiger machte geltend, sein Mandant sei ständig «in der Bredouille» gewesen. Er wolle dessen Verhalten nicht bagatellisieren, aber er habe seinen Tieren nie böswillig Schaden zufügen wollen. Wiederholungsgefahr bestehe nicht, halte der Beschuldigte doch keine Tiere mehr. Eine bedingte Strafe sei angemessen.

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