Samstag, 22. Januar 2022
04.11.2021 07:02
Schweinegesundheit

Schweinepest: Das passiert im Ernstfall

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Von: rup

Die Afrikanische Schweinepest droht nach Deutschland und Osteuropa auch auf die Schweiz überzuschwappen. Gefährdet sind nicht nur Wildschweine, sondern auch Hausschweine. Deshalb findet in der ganzen Schweiz zurzeit eine nationale Krisenübung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) statt. Der «Schweizer Bauer» war in Schönbühl BE dabei.

Diese Woche findet eine nationale Krisenübung zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) statt. Dabei proben 24 Kantone den Ernstfall, vier davon im Feld, respektive Wald. So auch in Schönbühl BE, wo am Mittwoch die Übung der Öffentlichkeit präsentiert wurde. 

Schweiz wohl auch bald betroffen

Die ASP ist seit langem in Afrika und Sardinien verbreitet. Nachdem sie sich 2007 in Georgien ausbreiten konnte, folgten seither viele Fälle in Russland, Osteuropa und in letzter Zeit in Deutschland. Bislang wurde die hochansteckende Krankheit vor allem bei Wildschweinen vorgefunden, kann aber auch auf das Hausschwein übertragen werden und führt in 90 Prozent der Fälle zum Tod.

Kaspar Jörger, Mitglied der Geschäftsleitung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), der die sogenannte Krisenübung NOSOS 21 leitet, ist sich deshalb auch der Dringlichkeit der Übung bewusst: «Es ist eine Frage der Zeit, bis die infizierte Wildschweinpopulation in die Schweiz kommt.»

Was Kaspar Jörger zur aktuellen Gefahrenlage sagt, sehen Sie im Video.

Wildschweine schwer auffindbar

Dann begann die Demonstration des Ernstfalls unter der Annahme, in der Region seien Fälle von ASP nachgewiesen worden. Zu Übungszwecken wurden  in einem an den Waffenplatz Schönbühl BE angrenzenden Waldstück probehalber Kadaver junger Wildschweine versteckt. «Es ist ganz wichtig, dass man alle Kadaver findet, Proben entnimmt und anschliessend entsorgt», erklärt Jörger die Ausgangslage.  Deshalb hatte Kantonstierarzt Reto Wyss, der auch vor Ort war, den Zivilschutzes sowie zwei Spürhunden der Wildhüter aufgeboten, um diese zu finden.

Es vergingen keine fünf Minuten bis zum ersten Fund. Ein Zivilschützer macht auf ein totes Wildschwein aufmerksam. Seine Kollegen helfen ihm, den Ort mit einem rotweissen Band abzusperren. «Sie können selbst sehen, wie schwer die Tiere zu finden sind und wie gut diese getarnt sind», meint Markus Vogelsanger, der amtliche Tierarzt.

Die Wildschweinkadaver sind oft gut getarnt, wie hier der erste Fund der Übung.
Olivier Ruprecht

«Schutzanzüge aus Filmen taugen nicht»

Fast zur gleichen Zeit wird ein weiterer Fund weiter unten im Wald bekannt. Einer der Spürhunde wurde auf ein totes Wildschwein aufmerksam. Es liegt mitten im Geäst. Der Fundort wird ebenfalls abgesperrt. Bald macht sich das Bergungsteam auf. «Sie tragen Seuchenschutzanzüge. Die weissen Anzüge, die Sie aus den Filmen kennen, taugen dazu nicht», stellt Vogelsanger klar. Am Bergungsort wird einerseits das Tier, andererseits aber auch die umliegende Erde mit einer Schaufel in einen schwarzen Sack geführt. Laut Vogelsanger kann diese Erde nämlich auch mit der ASP verseucht sein.

Mit Hilfe eines Bergungsschlittens wird der Sack aus dem Wald gebracht. Dort sind bereits zwei Bereiche abgesteckt, die sogenannten Schleusen. In den inneren Bereich gelangt nur das Bergungsteam. Auf einem Tisch wird das verdächtige ASP-Wildschwein beprobt. Die Probe wird dann so schnell wie möglich in das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) in Mittelhäusern BE geschickt, wo sie analysiert wird. Bis zum Resultat dauert es einen Tag.

Kadaver wird verbrannt

Nach der Beprobung wird der Kadaver in den Container geschossen, der direkt nebenan steht. «Dieser Container wird dann vom Lastwagen abgeholt und das Kadaver anschliessend der Verbrennung zugeführt», so Vogelsanger.

Für das Bergungsteam ist die Arbeit damit aber noch nicht ganz vorbei. Denn: «Alles was in die Schleuse rein und wieder raus geht, wird desinfiziert und behandelt.» Das betrifft sowohl die Leute, wie auch das Material. Durch die besondere Vorsicht soll die ASP ja nicht weiterverbreitet werden. Sogar die Fahrzeuge werden von einem eigens beorderten Desinfektionsteam desinfiziert.

Übertragung durch Fleischabfälle möglich

Die Krisenübung dauert in Schönbühl BE noch bis am Donnerstag. Der erste Ernstfall dauert hoffentlich noch eine Weile.

Damit die Lage stabil bleibt, raten die Bundesbehörden Reisenden dringend davon ab, Schweine- oder Wildschweinfleisch aus ASP-betroffenen Gebieten mit in die Schweiz zu bringen oder Fleischreste in der Natur zu entsorgen. Wenn Wild- oder Hausschweine solche Abfälle fressen, kann ein neuer Infektionsherd entstehen. 

Schweinepest

Die Weltorganisation für Tiergesundheit geht davon aus, dass ein Viertel der Schweine weltweit an der hochansteckenden ASP sterben könnte. Die für den Menschen ungefährliche Viruserkrankung führt bei infizierten Schweinen und Wildschweinen fast immer zum Tod.

Die Krankheit ist seit Langem in gewissen afrikanischen Ländern sowie in Sardinien verbreitet. Sie trat 2007 in Georgien auf und hat sich anschliessend in Russland und Osteuropa verbreitet. Kürzlich wurden auch in Deutschland ASP-Fälle nachgewiesen. Im August 2021 hat die Anzahl Kontaminationsherde bei Hausschweinen laut BLV in Europa ein sehr hohes Niveau erreicht. Das Risiko einer Einschleppung der ASP in die Schweiz sei daher hoch.

Das Virus ist äusserst resistent und kann sehr lange in der Umwelt verbleiben, besonders im Blut, in Fleischerzeugnissen und in Kadaver. Wenn Wild- oder Hausschweine solche Abfälle fressen, kann ein neuer Infektionsherd entstehen. 

Angesichts der aktuellen Lage in Europa werden die Schweinehalter aufgerufen, sich unverzüglich an ihre Tierärztin oder ihren Tierarzt zu wenden, falls eines ihrer Tiere unklare Symptome zeigt. Der Verzehr von Schweinefleisch stellt für den Menschen keine Gefahr dar. 

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