11.06.2018 15:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Serie Tierwohl (4/35)
Seuchenschutz im Zentrum
Tierwohl ist ein Schlüsselelement für die hohe Akzeptanz der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung. In der Serie «Tierwohl» werden die zahlreichen Aspekte beleuchtet. Im Teil vier geht es um die Würde von Nutztieren.

Der Vorläufer von allen Tierschutzgesetzen überhaupt dürfte der „Cruelty to Animals Act" gewesen sein. Dieses Gesetz hat sich mit der Tierquälerei, v.a. bei Versuchstieren, beschäftigt und wurde 1876 vom Parlament des Vereinigten Königreichs verabschiedet. Seit 1924 kümmert sich die „World Organisation for Animal Health“(OIE,Office International des Epizooties) in Paris um Tierschutzbelange.

Es ist die einzige staatliche Organisation, die in diesem Bereich weltweit tätig ist. Die Gründung der OIE war aber nicht ethisch, sondern seuchenpolitisch motiviert. Auslöser war ein Ausbruch der Rinderpest im Jahr 1920 in Belgien, bei dem Zebus auf ihrem Weg von Indien nach Brasilien die Seuche nach Antwerpen schleppten. Seit rund 10 Jahren beschäftigt sich die OIE auch mit Fragen des Tierwohls. 

Vom Seuchenschutz zur Tierwürde

Seuchenpolitisch motiviert war auch das 1968 vom Europarat in Strassburg verabschiedete Übereinkommen Über den Schutz von Tieren auf internationalen Transporten.

Ihm folgte 1976 das Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen, 1979 das Übereinkommen über den Schutz von Schlachttieren, 1986 das Übereinkommen zum Schutz der Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Wirbeltiere und 1987 das Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren. 

Unschöner Anblick bekämpfen

In der Schweiz war der Tierschutz bis 1978 lediglich im Strafgesetzbuch geregelt. In Artikel 264 stand damals: "Wer vorsätzlich ein Tier misshandelt, arg vernachlässigt oder unnoötig überanstrengt, wer Schaustellungen veranstaltet, bei denen Tiere gequält oder getötet werden, insbesondere wer derartige Tierkämpfe oder Kämpfe mit Tieren oder Schiessen auf zahme oder gefangengehaltene Tiere abhält fällt unter Strafe.“ 

Es ging also nicht in erster Linie darum, das Leiden des Tieres zu verhindern, sondern eher darum den unschönen Anblick aus der Welt zu schaffen. Die Basis für einen ethisch motivierten Tierschutz und den Schutz des Tieres um des Tieres willen, legte vermutlich Albert Schweitzer 1923 mit seiner Forderung nach "Ehrfurcht vor dem Leben“. 

Deutscland, Österreich und Schweiz ähnlich

In den Tierschutzgesetzen Deutschlands (1972), der Schweiz (1978) und Österreichs (2004) sind ähnlich lautende Grundsätze verankert. So heisst es, z.B. dass Tieren „keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfen“ (Deutschland, Schweiz, Österreich), dass sie nicht „in Angst versetzt“ werden dürfen (Schweiz, Österreich) und dass man ihnen „nicht ungerechtfertigt“ Leiden zufügen darf (Schweiz, Österreich), bzw. nicht „ohne vernünftigen Grund“ (Deutschland). 


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