31.08.2020 17:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Tiergesundheit
Sonne und Vitamine helfen
Flechten führen bei massiv erkrankten Kälbern zu Wachstumseinbussen. Vorbeugen kann man mit Fütterung und Haltung.

Jeder kennt die runden bis ovalen, scharf abgegrenzten, haarlosen Stellen mit einem schuppigen, hellgrauen Belag. Und jeder weiss: Ist erst ein Kalb befallen, geht es nicht lang, und die ganze Tiergruppe hat Flechten.

Hochdruckreiniger und Sonnenlicht

Das ist mehr als ein Schönheitsfehler. Massiv erkrankte Kälber entwickeln sich langsamer als gesunde Tiere, und dies über Wochen und Monate. Auch sind Flechten auf den Menschen übertragbar. Zur Vorbeugung gehört, dass Kälberställe im Rein-Raus-Verfahren bewirtschaftet werden, wobei der Stall nach jeder Mastgruppe entmistet, mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und vor der erneuten Belegung mindestens drei Tage leer stehen gelassen wird. 

Weiter wirkt sich Sonnenlicht günstig aus, das Risiko ist in hellen, trockenen Ställen vermindert. Und in kleineren Gruppen mit weniger als 15 Kälbern, die genug Platz haben, ist der Befallsdruck tiefer. Sinnvoll ist, nur gesunde und aus nicht infizierten Betrieben stammende Tiere zuzukaufen, Stress und häufiges Umgruppieren der Tiere zu vermeiden und genügend und häufig frisch einzustreuen. 

Langsame Entwicklung

Wenn ein Kalb befallen ist, sollte es so schnell wie möglich abgesondert und behandelt werden, denn die Flechte heilt erst von selbst ab, wenn die Tiere älter sind und eine Immunität entwickeln. Das kann lang dauern.  

Reagiert man nicht bei ersten Anzeichen – kleine, lokal begrenzte Stellen mit aufgestellten Haaren und folgendem Haarausfall –, dehnen sich die Hautveränderungen zentrifugal aus. Es kann dann der ganze Körper betroffen sein.  

Dreisäulenkonzept

Behandelt werden Flechten mit einem Dreisäulenkonzept: 

  • Abtötung der Pilze auf der Haut durch wiederholte lokale Waschbehandlungen
  • Verbesserung der Immunabwehr durch eine Optimierung der Fütterung – insbesondere eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A und Vitamin E 
  • Verbesserung der Haltungsbedingungen und drastische Verminderung des Infektionsdrucks im Stall – ein Grossteil der Pilze befindet sich nicht am Tier, sondern an den Stalleinrichtungen. Die Übertragung geschieht entweder von Tier zu Tier, aber auch indirekt durch Gerätschaften, die für mehrere Tiere benutzt werden wie beispielsweise Bürsten. 

Impfung möglich

Bei massivem Befall  gibt es eine  Impfung. Studien zeigten laut dem Kälbergesundheitsdienst, dass diese in Problembetrieben effektiv wirkt und die Krankheitsdauer abkürzt. Dafür ist die zweimalige Verabreichung eines Impfstoffs erforderlich. Es sollten stets alle Tiere der Gruppe geimpft werden. Zudem ist es ratsam, die Impfung der nachwachsenden Jungtiere konsequent über mehrere Jahre fortzuführen, um ein Bestandsproblem endgültig zu lösen. 

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