15.10.2015 17:58
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zirkus
Tierschützer gegen «fragwürdige Ausnahmeregelungen» für Zirkustiere
Der Schweizer Tierschutz stellt dem Circus Knie und dem Circus Royal in seinem jährlichen Bericht ein gutes Zeugnis aus. Beide Zirkusse hielten die Tiere an den beurteilten Standorten gesetzeskonform. Kritik gibt es jedoch an die Adresse des Bundes, der «fragwürdige Ausnahmeregelungen» toleriere.

Seit Januar 2015 gilt für die in der Schweiz mit Tieren reisenden Zirkusse die Wildtierverordnung. Diese regelt die Umsetzung der Tierschutzverordnung im Detail. Der Schweizer Tierschutz (STS) hatte bereits in der Vernehmlassung scharfe Kritik an dem neuen Regelwerk geäussert.

Im am Donnerstag veröffentlichten Zirkusbericht 2015 monieren die Tierschützer erneut die «zahlreichen tierschutzwidrigen Ausnahmebestimmungen». Beispielsweise müssten Gehege für Tiere, die regelmässig in einer Manege vorgeführt würden, den gesetzlichen Mindestanforderungen nicht vollumfänglich entsprechen, sofern die räumlichen Verhältnisse eines Gastspielortes dies nicht zuliessen.

Diese Minimalstandards bezeichnet der STS als «fragwürdiger, zirkusfreundlicher Papiertiger». Seine diesjährigen Recherchen zeigten zwar, dass sich der Circus Knie und der Circus Royal an das Gesetz hielten. Jedoch bringe die geltende Wildtierverordnung keine Verbesserung für die Zirkustiere.

Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf

Der Tierschutz fordert, dass an allen Standorten wenigstens die Mindestvorschriften der Tierschutzverordnung einzuhalten seien und Zirkusunternehmen ihre Tierhaltung den Tournee-Standorten anpassten.

Der Bundesrat hält die geltenden Tierschutzvorschriften dagegen für streng genug. So müssten Tiere, deren Gehege nur eine reduzierte Fläche umfasse, mindestens drei Mal täglich beschäftigt werden. Die Beschäftigung müsse für die Tierart geeignet sein und deren Bedürfnissen entsprechen.

Die Regierung will Zirkussen deshalb auch künftig nicht verbieten, bestimmte Tierarten zu halten, wie sie kürzlich in einer Antwort auf eine Motion der Waadtländer GLP-Nationalrätin Isabelle Chevalley schrieb. Der Verstoss ist im Parlament hängig.

Keine Elefanten mehr in Circus-Knie-Manege

Der Circus Knie hatte vor zwei Monaten mitgeteilt, dass ab kommender Saison keine Elefanten mehr aufträten. Die Familie Knie konzentriert sich auf den Aufbau einer Zuchtgruppe im Kinderzoo Rapperswil SG. Gleichzeitig engagiert sie sich weiterhin in Projekten für den Elefantenschutz.

Mit dem Verzicht auf Elefanten-Nummern im Zirkus brechen die Knies mit einer fast 100-jährigen Familientradition: Seit den 1920er-Jahren waren Elefanten ein Markenzeichen des Circus Knie.

In einer Mitteilung begründete die Familie Knie den Verzicht damit, dass man sich auf die Erhaltung einer «zuchtfähigen und funktionierenden matriarchalen Gruppe» konzentrieren wolle. Deshalb blieben die beiden Elefanten-Damen Dehli und Ceylon, welche diese Saison noch mit auf Tournee sind, künftig zu Hause. Der STS lobte den Entschluss.

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