15.06.2018 10:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Serie Tierwohl (7/35)
Tierschutz beginnt bei Zucht
Tierwohl ist ein Schlüsselelement für die hohe Akzeptanz der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung. In der Serie «Tierwohl» werden die zahlreichen Aspekte beleuchtet. Im Teil sieben geht es um Extremzucht bei Nutztieren.

Tierschutz beginnt bereits weit vor der eigentlichen Haltung, nämlich bei der Züchtung. Bei der Heimtierhaltung sind die Zuchtziele wenig fassbar, sie erfolgen teilweise nach rein optischen Merkmalen, was in der Vergangenheit zu diversen Qualzuchten geführt hat.

In der Nutztierzüchtung sollte das Ziel eigentlich auf gesunde und leistungsfa¨hige Tiere abstellen, die in einem gegebenen Lebensraum das verfu¨gbare Futter mit hohem Wirkungsgrad in dienstbare Leistungen und Produkte fu¨r den Menschen umwandeln können. 

Haut lebend abgeschnitten

Doch auch in der Nutztierhaltung werden die Grenzen zur Extremzucht gestreift. Merinoschafe haben z.B. die Fähigkeit Hautfalten zu bilden. Diese Eigenschaft wurde züchterisch so sehr forciert, dass die Falten rund um den Schwanz vielerorts prophylaktisch und ohne Betäubung weggeschnitten werden (Mulesing) nur damit sich in den Hautfalten am Hinterteil keine Fliegen einnisten. 

Kühe der Rasse Weissblauen  Belgier setzen so viel Fleisch an, dass sie nicht mehr selbst kalbern können, sondern per Kaiserschnitt entbunden werden müssen. In der Schweiz ist deren Haltung in Reinzucht verboten.  Bei Truten wurde das Wachstum unter Berücksichtigung eines hohen Brustfleischanteils so sehr gesteigert, dass das Skelett der Tiere in der Entwicklung nicht mehr mitkommt. Die Tiere leiden unter Beinschwächen bis hin zu Skelettschäden. 

Transportdistanz immer grösser

Tierschutz beginnt also schon vor der Geburt. Und er hört erst mit dem Tod auf: Mit Vorschriften zum Tiertransport und der Schlachtung. In diesen Bereichen gab es bei der Beta¨ubung, besonders der Elektro- und CO2-Beta¨ubung, einige Fortschritte.

Weniger positiv sieht es mit den Transportdistanzen aus. Diese werden immer grösser, weil die Schlachthöfe zentralisiert wurden, was letztlich eine Folge des hohen wirtschaftlichen Drucks auf die Schlachtho¨fe ist, die zudem hohen Schlachtfrequenzen mit sich führen.

Sonderfall Geflügel

In der Schweiz müssen Wirbeltiere vor dem Töten/Entbluten wirksam betäubt werden. Das Schächten von Tieren ist in der Schweiz bereits seit mehr als 125 Jahren verboten – die einzige Ausnahme bildet das Geflu¨gel. Dieses muss grundsätzlich zwar auch betäubt werden, doch Ausnahmen für rituelle Schlachtungen sind in diesem Fall erlaubt.

Koscheres und Halal-Fleisch dürfen mit Zollkontingenten in die Schweiz eingeführt werden. In Schweden, Norwegen, Island, Dänemark und den Niederlanden ist das Schächten ebenfalls verboten, in nahezu allen anderen Ländern sind Ausnahmegenehmigungen erhältlich.

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