30.06.2019 12:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Tierwohl
Tierschutzgesetz:613 Verurteilungen
«SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» haben Verstösse von Bauern gegen den Tierschutz untersucht. Im vergangenen Jahr sind 613 Halter und Händler von Nutztieren verurteilt worden, weil sie das Tierschutzgesetz verletzt hatten. Die ganz grosse Mehrheit der Bauern hält sich an die Regeln.

Die beiden Sonntagszeitungen aus dem Hause Tamedia erhielten vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Einblick, wie viele Betriebe Kürzungen der Direktzahlungen hinnehmen mussten. 2017 kam es bei 7398 Betrieben zu Kürzungen wegen Tierschutzverstössen.

Das entspricht jedem siebten Hof mit Direktzahlungen. Das heisst aber auch, dass 85 Prozent der Betriebe sich an die Regeln halten. Dieser Fakt wird in den Artikeln nur beiläufig erwähnt. Im Gegenteil, die Sonntagszeitung titelt: «Skandalöse Zustände auf Schweizer Bauernhöfen»

Strafbefehle untersucht

Insgesamt stellten die Kontrolleure bei den 7398 Betrieben 21’250 Mängel fest, diese umfassten falsche Flächenangaben bis Verfehlungen im Tierschutz. Die Zeitungen untersuchten in der Folge die Verstösse beim Tierschutz. 2018 lagen Mängel beim qualitativen Tierschutz von Rindern (3905) erster Stelle. Dahinter folgten Verstösse im Umgang mit Weidetieren (1903). Bei 1298 Fällen ging es um fehlerhafte Dokumente.

Die Sonntagszeitungen recherchierten auch in den Strafbefehlen. Im vergangenen Jahr wurden 613 Bauern oder Tiertransporteure wegen Verletzungen des Tierschutzgesetzes verurteilt. Diese Fälle haben die beiden Zeitungen analysiert. Und hier finden sich unschöne Vorfälle.

Unschöne Fälle

So wurde in Zürich ein Landwirt bestraft, der 39 Rinder an einer Grippe verenden liess. Im Januar 2018 starben während zwei Wochen 28 Tiere. Im Stall fanden die Kontrolleure weitere apathische, ausgehungerte Kälber, die sich kaum mehr erheben konnten und unter Atemnot litten. Er habe gewusst, dass seine Tiere krank seien, stehe im Strafbefehl. Trotzdem habe er bewusst kein Tier mehr behandelt.

Auf einem anderen Hof im Kanton Zürich hielt ein Landwirt Kühe und Kälber auf 57 Quadratmetern, obwohl dafür 135 Quadratmeter nötig wären. Die Tiere standen zum Teil «knöcheltief» in Harn und Kot. Auch hier mussten Tiere notgeschlachtet werden, schreibt die «SonntagsZeitung».

Bauernverband will Behörden unterstützen

Auch die Schweine eines Thurgauer Züchters haben leiden müssen. «Die Tränkebecken waren mit Kot gefüllt und für die Tiere unbenutzbar», hiess es. Ein Schweinezüchter in Luzern hielt 410 Schweine ohne Zugang zu Wasser, zehn wiesen offene, blutende Wunden an den Schwänzen auf. «Diese Wunden wurden von den anderen Tieren geleckt und weiter angefressen», steht im Strafurteil. Und auf einem anderen Luzerner Hof wurde ein Kadaver eines Schweines einfach liegengelassen, «so dass die anderen Schweine die Überreste frassen». «Im Zeitpunkt der Kontrolle waren von dem toten Tier nur noch der Schädel und Reste der Haut sichtbar», heisst es in den Akten.

Der Schweizer Bauernverband gibt gegenüber den Zeitungen an, es gebe schwarze Schafe. Man unterstütze die Behörden bei den Kontrollen, um Verstösse zu aufzudecken. Fehlbare Bauern würden dem Ruf der gesamten Branche schaden. Der SBV weist aber darauf hin, dass die Mehrheit der Bauern gut für die Tiere sorge.

Bauern oft völlig am Ende

Die Zeitungen haben auch Veterinärdienste befragt. Oft führe Überforderung der Landwirte zu schlimmen Situationen für die Tiere, sagen diese «Es kommt vor, dass die Bauern weinen oder in den Wagen steigen und davonfahren», sagt Sebastian Menzel vom Veterinärdienst des Kantons Aargau. Es fehle bei solchen Bauern das Geld, um Rechnungen zu bezahlen, sie hätten persönliche Probleme, seien völlig am Ende. Rechnungen zu bezahlen, sie hätten persönliche Probleme, seien völlig am Ende.

Problematisch sind die Wiederholungstäter, räumen die Behörden ein. «Wir haben Dauerkunden, die haben sich schon daran gewöhnt, dass es Kürzungen gibt, weil wir Mängel finden», sagt die Aargauer Kantonstierärztin Barbara Thür zur «SonntagsZeitung». Und ihr Berner Kollege Reto Wyss: «Es gibt zum Teil Tierhalter, die offenbar damit leben, dass ihnen wegen Verstössen jedes Jahr Direktzahlungen gekürzt werden.»

Mehr risikobasierte Kontrollen

Der Bund wird ab 2020 die risikobasierten Kontrollen erhöhen. Sie werden wichtiger. Diese werden auf folgenden Kriterien festgelegt: Mängel bei früheren Kontrollen, begründeter Verdacht auf Nichteinhaltung von Vorschriften (z.B. Meldung Dritter), wesentliche Änderungen auf dem Betrieb und jährlich festgelegte Bereiche mit höheren Risiken.

Erhöht wird die Anzahl unangemeldeter Kontrollen. Mindestens 40% aller Grundkontrollen für die Tierwohlbeiträge sind in jedem einzelnen Kanton unangemeldet durchzuführen. Auch bei den risikobasierten Kontrollen für Tierwohlbeiträge sind in jedem einzelnen Kanton mindestens 40% unangemeldet durchzuführen. Dieser Fakt fehlt in der Berichterstattung der beiden Sonntagszeitungen ebenfalls. 

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