7.06.2018 12:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Serie Tierwohl (1/35)
Tierwohl ist Schlüsselelement
Tierwohl ist ein Schlüsselelement für die hohe Akzeptanz der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung. In der Serie «Tierwohl» werden die zahlreichen Aspekte beleuchtet. Im Teil eins geht es um die aktuelle Stellung des Tierwohles in der Schweiz.

Im Jahr 2017 haben zwei von drei vom gfs-Bern Befragte dieses als mindestens so wichtig angesehen wie die Nahrungsmittelproduktion, den Naturschutz und die Landschaftspflege. Tierwohl ist denn auch ein wichtiges Argument für Schweizer Konsumenten um Eier, Milch und Fleisch aus dem Inland zu kaufen. 

Tatsächlich hebt sich die Schweizer Tierschutzgesetzgebung von den Mindestvorschriften im Ausland ab. Sie ist in vielen Punkten strenger. Allerdings ist auch sie ein Kompromiss, der nicht das maximale Tierwohl sicherstellt, sondern lediglich Haltungsformen verhindert, die als Tierquälerei bezeichnet werden müssen. 

Darüberhinausgehende, tierfreundlichere Haltungssysteme sind in der Schweiz freiwillig und sie werden - verglichen mit Biodiversität oder Landschaftsqualität - verhältnismässig wenig vom Staat unterstützt oder gefördert. Für Landschaftsqualität gibt der Bund jährlich doppelt so viel aus wie für tierfreundliche Haltungssysteme und für das Wohl von Tagfaltern und Heuschrecken steht mit dem Biodiversitätsbudget ebenfalls mehr Geld zur Verfügung. 

Billig oder tiergerecht?

Die Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden mit ihrem Kaufverhalten, ob es den Nutztieren zu Lebzeiten gut geht oder nicht. Die Umsatzanteile aus dem Lebensmittelhandel zeigen allerdings, dass Tierwohl vor allem dann als Verkaufsargument zieht, wenn es sich um Frischfleisch handelt.

Auch da ist der Label-Anteil aus tierfreundlichen Haltungsverfahren in einigen Kategorien bescheiden. Offenbar will die Gesellschaft fürs Tierwohl vermehrt die Politik in die Pflicht nehmen. Aktuell stehen mehrere Initiativen, Interpellationen und Vorstösse zu tierwohlrelevanten Themen an: Die Hornkuh-Initiative, die Fair-Food-Initiative, Massentierhaltungsinitiative etc. 

Spitzenposition in Gefahr

Die Agrarpolitik zielt dagegen seit ein paar Jahren auf die Gegenseite: Fleisch und Lebensmittel sollen nach dem Willen des Bundesrates billiger werden und auch vermehrt aus dem Ausland kommen. Aus Ländern, in denen die Tierhaltungsbedingungen oft meilenweit von den Standards in der Schweiz entfernt sind. Mit höheren Importen wird mehr Druck auf die Preise, die Bauern und letzten Endes die Nutztiere aufgebaut. 

Die Schweiz droht ihre Spitzenposition zu verlieren: In Deutschland und Österreich haben Politik und Handel das Tierwohl bereits als Argument für den Schutz der heimischen Produktion entdeckt. Und sie arbeiten darauf hin, dieses Argument massiv zu stärken. Im Gegensatz zur Schweiz.

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