Samstag, 23. Oktober 2021
16.09.2021 07:35
Tierzucht

Tierzuchtstrategie auf gutem Weg

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Von: Renate Hodel, lid

Tiergesundheit und Tierwohl sowie der schonende Umgang mit Ressourcen und eine intakte Umwelt werden insbesondere unter den Argusaugen der Gesellschaft immer wichtiger. Das betrifft auch die Tierzucht.

Die gesellschaftliche Veränderung der letzten Jahre und Jahrzehnte widerspiegelt sich auch in der Nutztierhaltung in der Schweiz und beeinflusst diese nachhaltig. Die gesellschaftlichen Ansprüche wachsen, die Nutztierhaltung muss Schritt halten und wird immer komplexer und herausfordernder. 

Prädestiniert für Nutztiere

Mit Fortschritten wie der Förderung von Klauengesundheit beim Milchvieh oder der Züchtung von Resistenzen gegen das Bakterium E-Coli beim Schwein kann auch die Schweizer Tierzucht einen Beitrag zu mehr Ökologie leisten. Denn die Schweiz ist als Grasland prädestiniert Nutztiere zu halten, um die ökologische und ökonomische Pflege des Grünlands sicherzustellen.

Und: Die Tierzucht trage nicht nur zur Milch- und Fleischproduktion sowie zur Offenhaltung der Flächen bei, sondern sei zu einem wichtigen Bestandteil von Identität und Kultur der Schweiz geworden, schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Die «Strategie Tierzucht 2030» des BLW soll entsprechend Verbesserungen in der Zucht stärken und fördern, um standortangepasste, ressourceneffiziente und gesunde Nutztiere hervorzubringen.

Sicherung der Schweizer Tierzucht

Mit dem 2018 erschienen Bericht «Strategie Tierzucht 2030» wurden die Weichen gestellt und die Ziele für die mittel- bis langfristige Sicherung der Schweizer Tierzucht gesteckt, erklärt Jonathan Fisch vom BLW: «Die kontinuierlichen Entwicklungen in der Land- und Ernährungswirtschaft sowie in deren vor- und nachgelagerten Sektoren veranlassten das BLW, die strategischen Stossrichtungen des staatlichen Engagements in der Tierzucht zu überprüfen.»

Die Strategie Tierzucht 2030 sei unter Mitarbeit von ausgewiesenen Expertinnen und Experten entwickelt worden und rücke Eigenschaften wie die Tiergesundheit, die Umweltwirkung oder die Ressourceneffizienz vermehrt in den Vordergrund. Auch die Eigenverantwortung der Züchterinnen und Züchter sowie ihrer Organisationen gewinne an Bedeutung. Die Rolle des Staates sei es entsprechend, die Züchterinnen und Züchter in ihren Zuchtaktivitäten zur langfristigen, wirtschaftlich erfolgreichen Nutzung und zur Erhaltung von seltenen Rassen unter Einbezug der gesellschaftlichen Anforderungen zu unterstützen, sagt Jonathan Fisch.

Der Bericht «Strategie Tierzucht 2030» bescheinigt den Schweizer Milchviehzuchtprogrammen im internationalen Vergleich ein sehr hohes Niveau. Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Genetik habe sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. 
Paul Huber

Drei Handlungsfelder

Die Strategie Tierzucht 2030 ist auf verschiedenen Eckpfeilern aufgebaut, setzt Leitlinien und verankert drei Handlungsfelder:

1. eine auf marktgerechte Nahrungsmittelproduktion ausgerichtete Zucht.
2. eine auf die Erhaltung tiergenetischer Ressourcen ausgerichtete Zucht.
3. eine auf Vitalität im ländlichen Raum ausgerichtete Zucht.

Zu jedem Handlungsfeld habe das Projektteam Ziele mit Bezug zu den drei Achsen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Soziales – erarbeitet, erklärt Jonathan Fisch.

Auch der Schweizer Schweinezucht sei es ein Anliegen, dass die gute Situation und die Errungenschaften der eigenständigen Zucht unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, Gesellschaft, Effizienz, Tierwohl, Tiergesundheit, Konkurrenzfähigkeit und Produktequalität in Zukunft fortgeführt und weiterentwickelt werden könne, sagt Adrian Schütz, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands der Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzenten Suisseporcs.

Das Ziel der Strategie Tierzucht 2030 sei so unter anderem auch die nachhaltige Sicherung der Schweizer Schweinezucht mit all ihren positiven Eigenschaften wie die Eignung für die freie Abferkelung oder der Fleischqualität, die keine anderen Zuchtprogramme bieten würden.

Keine Einbahnstrasse

Gleichzeitig erwarte Suisseporcs im Rahmen der Tierzuchtförderung aber auch die nachhaltige Sicherung der erfolgreichen und eigenständigen Schweizer Schweinezucht und die gleiche Unterstützung wie bisher – der Anteil insgesamt und die finanzielle Unterstützung für die Schweine sei gut investiert. Man müsse die gute Ausgangslage erhalten, züchterische Massnahmen zur Verbesserung von Qualität und Effizienz weiterverfolgen und den Vorsprung bezüglich Eigenschaften für die Eignung in Tierwohlsystemen und Qualitätsmerkmalen sichern, meint Adrian Schütz.

Auch die Nutzung der Möglichkeiten von genomischer Selektion und weiterer moderner Methoden der Tierzucht müssten weiter gesichert werden. «Es geht darum, konkurrenzfähig zu bleiben und die Ansprüche von Tier, Mensch und Gesellschaft als führende Zuchtorganisation weiterzuführen und die Wertschöpfung insgesamt in der Schweiz zu erhalten.»

In der Schweizer Schweinezucht wurde bei den Reproduktionsmerkmalen ab 2003 die Wurfgrösse immer schwächer gewichtet und die Aufzuchtleistung der Muttersau sowie die Qualität der geborenen Ferkel als neue Merkmale berücksichtigt.
Renate Hodel

Umsetzung läuft

Seit drei Jahren ist nun der Bericht «Strategie Tierzucht 2030» publiziert und die Umsetzung ist angelaufen. «Wir sind unterwegs – die Umsetzung wird von den Schweinehaltern und den vor- und nachgelagerten Stufen der Ernährungswirtschaft an den Ergebnissen gemessen», erklärt Adrian Schütz. Bezüglich Umsetzung folgten noch Gespräche, Workshops und die Definition der Kriterien und der fachlichen Eingaben sowie die Rückmeldung der eigenen Tierzuchtfachleute und Schweinezuchtspezialisten.

«Es ist absolut zentral, dass die Mittel für die Schweinezucht mindestens gleichbleiben – ansonsten sind die grossen Vorteile der Schweizer Schweinezucht in Gefahr», betont Adrian Schütz weiter. Entsprechend könne Suisseporcs erst nach Erarbeitung der Massnahmen, Kriterien und deren finanziellen Unterstützung abschliessend zur Tierzuchtstrategie 2030 Stellung nehmen.

Sistierungsbedingte Verzögerungen

Ein verlässliches zwischenzeitliches Fazit zur Strategie Tierzucht 2030 kann auch das BLW zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben, solange die Umsetzung läuft. Bereits gibt es aber erste messbare Erfolge: So soll beispielsweise eine Prämie für erhaltenswerte Schweizer Rassen, die in der «Strategie Tierzucht 2030» angeregt und vom Bundesrat in der Botschaft zur Weiterentwicklung der AP22+ vorgeschlagen worden ist, mit dem Verordnungspaket 2022 in Umsetzung der Motion «Erhaltung einheimischer Nutztierrassen» von Mitte-Fraktions-Ständerat Beat Rieder eingeführt werden. Der Ständerat hat die Motion bereits behandelt und überwiesen, nun muss der Nationalrat den Vorstoss noch beraten.

Gleichzeitig habe die Tierzuchtstrategie aber auch mit Verschleppungen zu kämpfen, erklärt Jonathan Fisch: «Der Bericht zur ‹Strategie Tierzucht 2030› dient als Grundlage für die Weiterentwicklung der Tierzuchtgesetzgebung, insbesondere auf Stufe Landwirtschaftsgesetz und Tierzuchtverordnung. Mit der Sistierung der AP22+ wird ein Grossteil der geplanten Anpassungen des Tierzuchtfördersystems verzögert.»

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