16.07.2015 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Tierhaltung
Virus könnte Schweiz bald erreichen
Von 2008 bis 2010 haben Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit bei vielen Bauern für Unmut gesorgt. Nun nähert sich ein neuer Typ des Virus der Schweiz, gegen den die Tiere nicht immun sind. Die EU rät zum Impfen.

Seit 2012 ist die Schweiz frei von der Blauzungenkrankheit. Die Tierseuche trat im Oktober 2007 erstmals hierzulande auf, deshalb wurden in den Jahren 2008, 2009 und 2010 obligatorische, aber umstrittene Impfkampagnen durchgeführt.

Nun breitet sich aber ein neuer Typ des Blauzungenvirus, BTV-4, von Südosteuropa Richtung Europa und damit auch Richtung Schweiz aus. Davor warnen das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) in seinem Radarbulletin sowie das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut.

Keine Immunität

Das Problem: BTV-4 ist nicht identisch mit dem Blauzungenvirus, das bisher im westlichen Mittelmeerraum aktiv war. Deshalb haben die Tiere keine Immunität gegen den neuen Erreger aufbauen können. Seit 2014 ist BTV-4 auf dem Balkan und in Ungarn auf dem Vormarsch, das Virus hat schon zu über 7500 Erkrankungen in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Kroatien und Ungarn geführt. Das Blauzungenvirus befällt in erster Linie Schafe und Rinder, seltener Ziegen.

Laut dem BLV hat sich BTV-4 an die heimischen Überträgermücken, die Gnitzen, adaptiert und besitzt deshalb das Potenzial, sich über weite Teile Europas auszubreiten. Dies hänge davon ab, welche Massnahmen die betroffenen Regionen in Südosteuropa treffen, sagt Nathalie Rochat vom  BLV. «Ohne jegliche Massnahme zur Abschwächung, insbesondere Impfaktionen, kann sich das Virus rasch in Richtung Nordwesten ausbreiten und  Westeuropa noch im Herbst 2015 erreichen.»

Folgen unbekannt

Ob und wann die Schweiz betroffen sein werde, sei momentan noch ungewiss, so Rochat: «Genauere Aussagen können gemacht werden, sobald die Stechmücken, die für die Verbreitung der Blauzungenkrankheit verantwortlich sind, ihre volle Aktivität erreicht haben. Also im Spätsommer.»

Ebenso ungewiss sind die Folgen, falls das Virus die Schweiz erreicht. Sollte BTV-4 sich bei uns ausbreiten, müsse man aber zumindest vorübergehend mit Krankheitssymptomen und Leistungseinbussen in der Schaf- und Rindviehhaltung   rechnen. Ziegen sind weniger anfällig.

Massnahmen abstimmen

Derzeit klärt das BLV das weitere Vorgehen ab. Klar sei, dass die Schweiz  Handlungsoptionen mit der EU abstimmen müsse, beteuert Rochat: «Das Virus wird durch Mücken übertragen, diese machen an den Grenzen nicht halt. Eine Impfung ist deshalb nur zweckführend, wenn sie zeitlich koordiniert und grenzüberschreitend angewandt wird. Diesbezüglich hören wir aus den betroffenen Ländern der EU momentan  unterschiedliche Signale.»

Symptome

Beim Rind äussert sich Bluetongue durch Lahmheit, vermehrtes Speicheln und offene Stellen am Maul und an den Klauen. Weitere Symptome sind erhöhte Temperatur und Entzündungen der Zitzenhaut und der Schleimhäute. Nach einiger Zeit stellt sich bei Rindern Linderung ein.

Beim Schaf sind Lahmheit, vermehrtes Speicheln und offene Stellen am Maul und an den Klauen Anzeichen der Krankheit, aber auch erhöhte Körpertemperatur, Apathie, Absonderung von der Herde und Schwellungen der geröteten Maulschleimhäute. Die Zunge kann anschwellen, blau werden und aus dem Maul hängen. Bei tragenden Tieren kann das Virus zum Abort führen. Bluetongue kann bei Schafen tödlich verlaufen. Falls   die Tiere die Krankheit überleben, erholen sie sich nur langsam.  sum

Impfstoff beschaffen

Die EU-Kommission hat eine harmonisierte Strategie der EU vorbereitet. Sie empfiehlt den Mitgliedstaaten eine Impfung, will jedoch nicht eine obligatorische, flächendeckende Impfung vorschreiben. Rochat betont aber: «Unabhängig davon setzt sich das BLV dafür ein, dass in der Schweiz möglichst rasch ein registrierter Impfstoff gegen BTV-4 zur Verfügung stehen wird, mit dem die Tierhalter zusammen mit ihrem Bestandestierarzt ihre eigenen Tiere schützen können.»

Tierseuche

Bei der Deckung allfälliger Schäden gelten die  Vorgaben der Tierseuchengesetzgebung. Die Blauzungenkrankheit ist eine zu bekämpfende Tierseuche. Es gibt keine Vergütung für Leistungseinbussen oder Todesfälle, die durch das neue Virus verursacht werden. Hingegen werden behördlich angeordnete Massnahmen  durch die Kantone ganz oder teilweise finanziell abgedeckt. sum

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