Sonntag, 24. Oktober 2021
23.09.2021 07:02
Tiergesundheit

Vorbeugen ist besser als Heilen

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Von: Renate Hodel, lid

Ohne gesunde Tiere gibt es kein Tierwohl. Und nur gesunde Tiere erbringen gute Leistungen. Seit einem Jahr existiert die Organisation Nutztiergesundheit Schweiz, die über alle Tierarten die Nutztiergesundheit weiter stärken soll.

Tiergesundheit ist kein Modewort der jüngsten Entwicklungen in der Schweizer Landwirtschaft und erst recht kein durch die wachsenden gesellschaftlichen Ansprüche neu aufgekommenes Thema.

Tierwohl und Wirtschaftlichkeit

Während sich beispielsweise die Aufgaben des vor über 100 Jahren gegründeten eidgenössischen Veterinäramts am Anfang im Wesentlichen auf die Tierseuchenbekämpfung konzentrierte, zeigten Ausbrüche von BSE, Tuberkulose oder auch Tollwut, wie eng Tiergesundheit auch mit der Lebensmittelsicherheit und der Gesundheit des Menschen verbunden ist.

Daneben haben Landwirtinnen und Landwirte auch schon lange erkannt, dass Tiergesundheit untrennbar mit Tierwohl und schlussendlich auch mit Wirtschaftlichkeit verbunden ist: Nur ein gesundes Tier kann gute Leistungen erbringen.

Dachorganisation soll Synergien schaffen

Gesundheitsdienste und andere Verbände, die sich im Rahmen ihres Tätigkeitsbereiches auch um Nutztiergesundheit kümmern, gibt es in der Schweiz entsprechend quasi «en masse». Um die Verantwortlichkeiten und die Fachkompetenz zu bündeln, wurde vor gut einem Jahr die Organisation Nutztiergesundheit Schweiz (NTGS) gegründet.

Die 16 Gründungsmitglieder vereinen nationale Organisationen von Tierhaltern, Tierzüchtern und Viehhändlern über Tierärzte, der Vetsuisse-Fakultät und der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte.

Unter dem Dach der NTGS soll die Tiergesundheit in der Schweiz über alle Nutztierarten und Organisationen besser koordiniert werden und Synergien genutzt werden, erklärt Lukas Perler, Geschäftsführer der NTGS: «Es geht darum, Aktivitäten und Vorhaben zur Förderung der Tiergesundheit der einzelnen Organisationen miteinander zu vergleichen und allen, die mit der Förderung der Tiergesundheit zu tun haben und beteiligt sind, einen Austausch zu bieten.» Die Tiergesundheit in der Schweiz soll so nachhaltiger und effizienter werden.

Reagieren und Kräfte bündeln

Rund sieben Wochen nach der Gründung hat die NTGS auf der Geschäftsstelle am Inforama in Zollikofen im Kanton Bern am 17. August 2020 ihre Arbeit aufgenommen. In der Anfangsphase stand vor allem die Tiergesundheitsförderung im Rinderbereich im Fokus: In der Schweiz gibt es verschiedene Tiergesundheitsdienste und im letzten Jahr trat eine neue Verordnung zu den Tiergesundheitsdiensten in Kraft. Neu wird auch der Rindergesundheitsdienst auf Verordnungsstufe geregelt.

Das bedeutet, dass die staatliche Unterstützung der Tiergesundheitsdienste in der Schweiz – der Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer, der Schweinegesundheitsdienst, der Bienengesundheitsdienst und der Rindergesundheitsdienst – nun einheitlich geregelt werden.

Austauschplattform

Durch Nutztiergesundheit Schweiz sollen also mittel- und langfristig Synergien geschaffen werden, unter anderem auch indem identifiziert wird, was die einzelnen Tiergesundheitsdienste gemeinsam haben, um dies schlussendlich auch gleich anzupacken und dadurch einen Mehrwert zu schaffen. Und Potential für Mehrwert bietet sich genug: Wenn beispielsweise Tiergesundheitsdaten gleichartig erfasst werden oder indem die NTGS für konkrete Anliegen als Ansprechpartner für Bund und Kantone auftritt und so die Kommunikation effizienter gestaltet.

Dass setzt aber auch den Austausch zwischen den verschiedenen Nutztiergesundheitsdiensten und deren einzelner Player voraus. «Wir haben bei allen Tierarten – Rinder, Schweine, Kleinwiederkäuer und Geflügel – Plattformen, die wir moderieren und organisieren», sagt Lukas Perler, «dort kann Austausch stattfinden.» Es gehöre zu den wichtigsten Aufgaben der NTGS, Plattformen zu bilden, für alle, die mit der Förderung der Tiergesundheit zu tun haben und beteiligt seien, um Aktivitäten und Vorhaben zur Förderung der Tiergesundheit miteinander zu vergleichen und abzugleichen.

Fortfahren ohne neue Agrarpolitik

Durch die Sistierung der AP22+ müssten sie nun aufpassen, dass die Wichtigkeit der Tiergesundheit nicht auch in eine Warteschleife gerate, gibt Lukas Perler zu bedenken. «Die AP22+ hätte die Förderung der Tiergesundheit mehr in den Fokus gerückt – zum Beispiel mit Direktzahlungen für Tierhalter zugunsten der Tiergesundheit», erklärt er weiter.

Die Tiergesundheit habe nicht zum umstrittenen Teil der AP22+ gehört und es sei nun eine Herausforderung für die Organisation und die ganze Branche, dass man trotz der Sistierung den Erwartungen entsprechen und das positive Momentum weiterziehen könne. Der Aufwand sei nun bedeutend grösser. «Wir setzen uns aber ganz klar dafür ein, dass die Förderung der Tiergesundheit weitergeht und nicht stillsteht.»

Gesundheit erhalten

Es bedürfe einer grossen Portion Geduld. Das Ziel der Förderung der Tiergesundheit als Ganzes werde aber von allen Partnern gleichermassen begrüsst. Dafür sei beispielsweise die Bestandesmedizin enorm wichtig – dass in der Schweiz noch mehr in die Vorbeugung investiert werde, fordert Lukas Perler: «Das oberste Ziel ist es, die Gesundheit unserer Nutztiere zu erhalten und nicht kranke Tiere therapieren zu müssen.»

Bestandesmedizin

Im Gegensatz zur Einzeltiermedizin fokussiert die Bestandesmedizin auf die Gesundheit einer ganzen Gruppe. Dies können alle Tiere eines Betriebs oder auch nur ausgewählte Tiergruppen, wie beispielsweise laktierende Milchkühe oder Aufzuchtkälber, sein. Das Ziel der Bestandesmedizin ist es, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der betreffenden Tiergruppe als Ganzes zu verbessern beziehungsweise zu erhalten. Dabei wird die Bestandesmedizin in zwei Teilbereiche unterteilt: Die Bestandesbetreuung und die Bestandesdiagnostik.

Bei der Bestandesbetreuung wird der Bestand mit einem Monitoring eng begleitet, das heisst, der Gesundheits- und Leistungszustand der Tiere wird regelmässig überprüft. Mit gezieltem Management des Betriebes werden die Teilbereiche der Tiergesundheit, wie Fütterung, Fruchtbarkeit, Euter- und Klauengesundheit abgedeckt und so Erkrankungen früh erkannt oder idealerweise vorgebeugt.

Die Bestandesdiagnostik setzt sich mit der Abklärung eines Bestandesproblems auseinander. Treten auf einem Betrieb beispielsweise Probleme mit Fruchtbarkeit, Eutergesundheit oder Stoffwechsel auf, wird das Problem analysiert, Problemlösungsziele definiert und dann eine Strategie erarbeitet, wie diese Ziele erreicht werden können.

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