25.08.2020 10:33
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Tiergesundheit
Weniger Antibiotika bei Nutztieren
Die Gesamtmenge vertriebener Antibiotika zur Behandlung von Tieren nahm in der Schweiz 2019 weiterhin ab. Gegenüber dem Vorjahr sank die Gesamtmenge um rund 7 %. Um rund einen Viertel ging die Menge kritischer Antibiotika zurück. Dies zeigt der Jahresbericht über den Antibiotikavertrieb in der Veterinärmedizin.

Der Verkauf von Antibiotika ist seit Jahren rückläufig. Nachdem im letzten Jahr nur ein schwacher Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren zu verzeichnen war, reduzierte sich der Verkauf von Antibiotika 2019 mit 7 % wieder stärker. Dieser Rückgang ist auf die Nutztiere zurückzuführen. 

Zunahme bei Heimtieren

Bei den Heimtieren hingegen ist der Antibiotikavertrieb in der gleichen Zeit um 1.5 % gestiegen. «Dies ist vor allem auf einen vermehrten Vertrieb von Penicillinen – also nicht kritischen Antibiotika – zurückzuführen», heisst es in der Mitteilung. Gemäss dem Jahresbericht wurden 2019 insgesamt 30'108 kg Antibiotika für die Veterinärmedizin verkauft. Um rund einen Viertel ging die Menge kritischer Antibiotika zurück. Diese sollten nur zum Einsatz kommen, wenn normale Antibiotika nicht mehr wirken. Seit 2016 nahm der Verbrauch dieser Antibiotika um 52 Prozent ab.

Am meisten wurden 2019 Penicilline verkauft, gefolgt von den Sulfonamiden und Tetracyclinen. Diese drei Wirkstoffklassen sind häufig in Arzneimittelvormischungen enthalten, deren verkaufter Anteil 43 % (13’050 kg) der Gesamtwirkstoffmenge beträgt. Die Menge verkaufter Wirkstoffe, die nur für Heimtiere zugelassen ist, umfasst 2.6 % der Gesamtmenge (775 kg).

Seit 2010 -52%

Seit 2010 beträgt der gesamte Rückgang beim Antibiotikaabsatz 52 % (33’197 kg). Diese Abnahme basiert hauptsächlich auf einem Rückgang der Verkäufe von Arzneimittelvormischungen.  Die kontinuierliche Abnahme des Antibiotikavertriebs weise auf eine hohe Sensibilisierung der Tierärzteschaft und Tierhaltenden hin, heisst es im Bericht. Der Rückgang bei den kritischen Antibiotika in den letzten Jahren sei ein Beweis dafür.

Zu den für Nutztiere zugelassenen Präparaten werden seit 2012 die Vertriebsmengen der Präparate hinzugerechnet, die sowohl für Nutz- wie auch für Heimtiere zugelassen sind. Die Verkäufe sind gemäss Jahresbericht in den letzten Jahren konstant rückläufig (seit 2010 -53 %). Am häufigsten wurden Penicilline verkauft, gefolgt von Sulfonamiden und Tetracyclinen.

Rückgang bei Nutztieren

Bei Nutztieren nahmen die Verkäufe der drei kritischen Antibiotikaklassen 2019 im Vergleich zum Vorjahr weiterhin ab. Makrolide stellen den mengenmässig höchsten Anteil dar, da sie häufig in Arzneimittelvormischungen verabreicht werden. Ein bedeutender Rückgang erfolgte nach dem Inkrafttreten der Revision der Tierarzneimittelverordnung am 1.4.2016. Seither ist die Abgabe kritischer Wirkstoffe auf Vorrat verboten. Dabei ist auch ein sinkender Trend bei den Verkäufen von einmalig zu applizierenden, langwirkenden Injektionspräparaten mit solchen Wirkstoffen zu verzeichnen.  

Die Verkaufsmenge von Colistin hat gemäss Bericht sich im letzten Jahr auf 207 kg reduziert, das heisst seit 2010 hat die verkaufte Menge um 86 % abgenommen. «Analysiert man die Zahlen unter Einbezug der PCU, wurde in der Schweiz rund 0.3mg/PCU verkauft. Dies liegt unter dem Europäischen Durchschnitt und unter der Forderung der EU eines Maximums von 1mg/PCU», heisst es im Bericht.  

Keinen Anstieg der Antibiotikaresistenzen

Um die Entwicklung von Resistenten zu beobachten, überprüft die Schweiz analog zur EU Resistenzen bei gesunden Nutztieren. 2019 wurden Proben von Mastschweinen und -kälbern untersucht. Die Daten von gesunden Schlachttieren zeigen keinen Anstieg von Resistenzen gegenüber den untersuchten Antibiotika. In den Fleischproben bleibt zudem das Vorkommen von resistenten Escherichia-coli-Bakterien auf einem sehr tiefen Niveau.

Beim Schwein sind die Resistenzraten der Bakterienart Campylobacter jejuni/coli gegenüber der kritischen Antibiotikaklasse Fluorchinolone leicht steigend. Erfreulich ist gemäss Bericht, dass die Resistenzen gegenüber Makroliden, einer anderen kritischen Antibiotikaklasse, weiterhin tief sind. Der Keim Staphylococcus aureus kann gegenüber mehreren Antibiotika resistent sein. Bei Schweinen waren Resistenzen dieses Keims weiterhin steigend; bei Mastkälbern wurde der tiefste Wert seit 2013 gemessen. 

Seit 2019 müssen Tierärztinnen und Tierärzte den Verbrauch von Antibiotika festhalten. Dafür wurde das Informationssystem Antibiotika für Veterinärmedizin (IS-ABV) eingeführt. Diese Daten ermöglichen es künftig, übermässigen oder unsachgemässen Antibiotikaeinsatz zu identifizieren. Im Jahr 2015 hat der Bundesrat eine nationale Strategie Antibiotikaresistenzen verabschiedet, um das Problem der zunehmenden Resistenzen koordiniert anzugehen.

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