9.01.2013 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Tierschutz
Zu viele Kontrollen frustrieren
Das Bundesamt für Veterinärwesen möchte die Betriebe vermehrt «risikobasiert» auf Tierschutzverstösse kontrollieren. Es will «schwarze Schafe» deshalb künftig im Schlachthof entlarven – anhand neuer Kontrollen

Das Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) möchte die Tierschutzkontrollen objektivieren und vermehrt «risikobasiert» gestalten. Für Hansuli Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes STS, sind die heutigen, angemeldeten Kontrollen ineffizient: «Fachleute aus den Kontrollorganisationen schätzen, dass bei unangemeldeten Kontrollen, vor allem im Winter, fünf- bis zehnmal mehr Beanstandungen gemacht werden müssten.»

In Schlachthöfen werden Tiere bereits kontrolliert

Das BVet prüft weiter, ob die Schlachthöfe zusätzliche Daten liefern können, um die «schwarzen Schafe» unter den Tierhaltern zu entlarven. Ein entsprechendes Projekt ist im kürzlich erschienenen Forschungsbericht 2008–2011 des BVet beschrieben.

In den Schlachthöfen werden Schlachttiere schon heute kontrolliert: Bei der Schlachttieruntersuchung auf den Verschmutzungsgrad und bei der Fleischuntersuchung auf innere Erkrankungen wie Lungenentzündungen. Anhand weiterer Kriterien möchte man nun zusätzlich Rückschlüsse auf das Tierwohl in den Herkunftsbetrieben ziehen.

Die Kriterien wurden bereits erfasst, sie werden nun bis Ende Jahr auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Fällt das Fazit positiv aus, ist eine flächendeckende Einführung möglich.

STS zweifelt an Umsetzbarkeit

Der STS begrüsse risikobasierte Kontrollen grundsätzlich, so Huber, «es ist aber schon heute Aufgabe der Schlachthoftierärzte, Tierschutzverstösse zu melden.» Genügend personelle Ressourcen für die Stichproben hätten aber nur die grossen Schlachthöfe.
Deshalb zweifelt Huber an der Umsetzbarkeit der BVet-Pläne gerade in kleinen Schlachtanlagen: «Ob diese, die ja selber schwarze Zahlen schreiben müssen, mitmachen und deutlich mehr Tierärzte für Lebendviehkontrollen abstellen, würde ich hinterfragen.»

Zudem werde es bei Stichprobenkontrollen bleiben, was bedeute, dass mit mehr Aufwand kaum mehr Tierschutzsünder überführt würden als bislang.

STS: Vorschriftsmässig handelnde Bauern nicht immer weiter beproben

Huber fordert deshalb, dass risikobasierte Kontrollen auf den Bauernhöfen ansetzen: «Einen Landwirt, dessen Tierhaltung mehrere Jahre hintereinander die Tierschutzüberprüfung bestand, soll man nicht immer weiter beproben – das kostet nur viel Geld, demotiviert und bringt den Tieren kaum etwas.»

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