Mittwoch, 3. März 2021
05.07.2013 08:49
Hühner

Das Gemetzel ist vermeidbar

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Von: Christian Jud

Vor allem zu Sommerbeginn dringt der Fuchs in den Hühnerstall ein. Es ist die Aufzuchtzeit der Welpen, und Würfe mit bis zu sechs Jungtieren verheissen Schwerarbeit in der Futterbeschaffung für die Alttiere.

Bauernkinder werden die abendliche Frage der Mutter in den Kindertagen bis ins hohe Alter nicht mehr los: «Hast du das Auslauftörli des Hühnerhauses geschlossen?» Damit ist dokumentiert, dass man den Fuchs schon immer als den Hühnerdieb ins Kalkül gezogen hat. Auch damals, vor 50 oder 60 Jahren, als man selbst in abgelegenen Bauernhöfen kaum auf Distanz je einen Fuchs zu Gesicht bekam.

Hühner auf den Bauernhöfen waren die Regel, und kaum irgendwo gab es eingefriedete Hühnerhöfe, und sozusagen niemand hielt sich an die amtlichen Publikationen: «Das Freilassen von Federvieh ist ab Mitte März untersagt.» Man hielt Gegenrecht, indem auch die Nachbarn weiter unten und weiter oben ihrem Federvieh freien Lauf gewährten.

Das änderte schlagartig

Sozusagen im Schatten der bisweilen hitzigen Debatten um die Wiederansiedlung des Luchs, des Wolfes und nun auch noch des Bären hat beinahe unbemerkt der Fuchs sein Revier massiv erweitert. Häuser, Scheunen, Gärten, selbst vielbefahrene Strassenzüge, Dörfer und Städte jeder Grösse gehören dem Fuchs inzwischen nicht nur zum Revier der Nahrungssuche, er hat sie längst besiedelt.

Deren Nachkommen treffen keine Anstalten, wieder in das Refugium ihrer Abstammung, in die Wälder und unverbauten Flussufer, zurückzukehren. Der sich abzeichnende Wohlstandsüberfluss mit den erst einmal noch offenen Mülldeponien ebnete dem bis anhin noch scheuen Fuchs den Weg in die Zivilisation. Die am Abend für den nächsten Tag zur Abfuhr bereitgestellten Kehrichtsäcke eröffneten ihm ganz neue Perspektiven in der Nahrungssuche, wo  die Nahrung doch bis anhin gut und gerne aus bis zu 90% Mäusen bestand.

Gelernt ist gelernt

Auf seiner Reise in die für ihn bedeutend vielseitigere Zukunft entdeckte der Fuchs in seinem ihm nun angestammten neuen Revier auch die Nachlässigkeiten der Bewohner. Ausserhalb der Aufzuchtszeit seiner Welpen ermöglichen Obst und Beerenfrüchte, die nicht mehr konsequent auf- oder abgelesen werden – hin und wieder aufgelockert mit einer Maus, Käfern und Regenwürmern – dem Fuchs gut genährt in den nachfolgenden Winter zu kommen.

Dass die Jäger ihm unerbittlich auf den Pelz rückten, damit musste der Fuchs schon immer leben. Im Zeichen des nun sehr viel verbesserten Nahrungsangebotes, als stiller Teilhaber der menschlichen Zivilisation, vermag der Fuchs die Ausfälle seines Bestandes über die Jagd mit grösseren Würfen, der Jäger nennt den Nachwuchs Geheck, spielend auszugleichen. Und da kommt dem Fuchs noch eine verwirrende menschliche Schwäche zu Hilfe: Das Tragen von Pelz wurde verpönt und zuletzt gar geächtet. Etwas Besseres hätte dem Fuchs kaum passieren können.

Harte Konsequenzen 

Dass jetzt nicht vollständig gesicherte Hühnerhöfe oder gar freilaufendes Geflügel zum festen und mit Akribie abgesuchten Revier des Fuchses gehören, das haben noch lange nicht alle Kleintierhalter zur Kenntnis genommen. Auf die Frage, ob die Einfriedung des Hühnerhofes «fuchssicher» erstellt wurde, kommt oft stereotyp die Antwort: «Wir hatten den Fuchs schon immer in der Nachbarschaft, aber bei uns findet er keinen Einschlupf.»

Kaum jemand nimmt zur Kenntnis, dass der Fuchs beharrlich auch dem am besten abgesicherten Hühnerhaus und dem eingefriedeten Auslauf konsequent seinen Besuch abstattet. Ein offen gelassenes Törli, eine Schwachstelle zwischen Grasnarbe und Drahtgeflecht kann uns entgangen sein, nicht aber dem Fuchs. Die Unruhe der Hühner lässt ihn zupacken, und das Gemetzel geht los.

Der Fuchs hat dazugelernt

Eingefriedete Hühnerhöfe werden manchmal vom Fuchs untergraben, und wer sich einen Hühnerauslauf erstellt, tut gut daran, das Drahtgeflecht 30 Zentimeter in die Erde einzulassen und dieses dort an einem Balken zu befestigen. Das Drahtgeflecht sollte zwei Meter hoch sein und unten eine engere Maschenweite aufweisen. Flugunfähige Hybriden verleiten besonders dazu, den Zaun weniger hoch zu erstellen.

Inzwischen konnte festgestellt werden, dass der Fuchs, vor allem im abfallenden Gelände, den Zaun auch bis zu anderthalb Meter Höhe zu überspringen vermag. Und wenn schon die Sicherheit vor Raubwild angegangen wird, dann sollte der Auslauf als Schutz vor Greifvögel oben mit einem soliden Netz abgedeckt werden. Besuch von oben kommt auch von den Krähen, denen ein ins Freie verlegtes Ei nicht entgeht und die auch ein kleineres Huhn nicht verschmähen. Gleichwohl sollte nicht vergessen werden, dass der Fuchs und die Greifvögel zu unseren besten Helfern gegen die Mäuseplage gehören. chj

2 Responses

  1. Mag sein dass der Fuchs dazugelernt hat, meine Meinung ist, dass so ein Wildtier nichts in einem Wohnquartier zu suchen hat und schon gar nicht tagsüber.
    Wir hatten bis jetzt 2 Verluste bei Hühnern wo er Nachts kam, nun kurz vor Weihnachten holte das Vieh sich meine Kaninchen tagsüber aus den Gehege. Die Nachfrage beim Wildhüter ergab…. leben Sie damit oder machen Sie einen Zaum um das ganze Haus… toll, unsere Kinder spielen tagsüber hier und Freigehege??

  2. Wir hatten heute das Vergnügen ,am Nachmittag 15Uhr hat er 13 Hühner regelrecht abgemetzelt ein Bild des Grauens ,ich kann es immer noch nicht fassen und er hat im Stall angefangen ,denn bei dem Wetter waren die Hühner drin .Die nach draußen die Flucht ergriffen haben lagen auf 1500 m2 verstreut. Ich weis nun nicht ob ich überhaupt wieder Hühner hole ,denn der Fuchs wird wieder kommen ,das ist sicher .Nachts kann nichts passieren, aber die Hühner auch am Tag einsperren, das ist doch kein Leben

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