Samstag, 15. Mai 2021
09.04.2021 13:41
Fütterung

Deutsche Futterversorgung war 2020 trotz Corona gesichert

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Von: AgE

Laut dem Präsident des Deutschen Verband Tiernahrung, Jan Lahde, hat die Branche ihre Leistungsfähigkeit in der Krise bewiesen. Die Mischfutterproduktion 2020 lag insgesamt leicht über dem Vorjahresniveau. Aktuell sorgen stark gestiegene Rohstoffkosten für höhere Mischfutterpreise.

Nach Einschätzung des Präsidenten vom Deutschen Verband Tiernahrung (DVT), Jan Lahde, hat die Mischfutterversorgung im vergangenen Jahr trotz der coronabedingten Einschränkungen sehr gut funktioniert. Herstellung und Anlieferung seien durchweg gewährleistet gewesen, allenfalls bei Futterzusatzstoffen habe es kurzzeitig logistische Probleme gegeben, konstatierte Lahde bei der digitalen Jahrespressekonferenz des Verbandes.

Für den DVT-Präsidenten zeigt das, «wie belastbar unsere Wertschöpfungskette in der Agrar- und Ernährungswirtschaft ist, solange wir grenzüberschreitend unsere Rohstoffe beziehen und damit die Versorgung sichern können». Die globale Verfügbarkeit aller notwendigen Rohstoffe und Futterzusatzstoffe mit offenen Grenzen sei ein großer Vorteil, um punktuelle Engpässe ausgleichen zu können. Dies müsse auch weiterhin möglich bleiben, forderte Lahde.

Das geplante Lieferkettengesetz betrachtet der Verbandspräsident indes mit Sorge, weil damit nach seinen Worten vor allem für die mittelständisch geprägten Mischfutterunternehmen «der Bogen überspannt wird». Er kann zwar den politischen Wunsch nach größerer Transparenz in der Lieferkette verstehen, befürchtet aber daraus resultierende bürokratische Lasten und mögliche Zielkonflikte. Ohnehin verwies Lahde in diesem Punkt auf die bereits erbrachten Leistungen der Branche, was die Rückverfolgbarkeit und den Einsatz zertifiziert nachhaltiger Rohstoffe angehe. Weitere Auflagen müssten deshalb immer auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten, betonte der DVT-Präsident.

Mehr Schweinemischfutter

Wie Lahde weiter berichtete, ist die Mischfutterproduktion in Deutschland im Jahr 2020 gemäss den Erhebungen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) trotz der anhaltenden Corona-Pandemie mit 24,14 Mio t um rund 181’000 t höher ausgefallen als im Jahr davor. Dafür habe vor allem ein deutliches Plus beim Schweine- und beim Legehennenfutter gesorgt.

Die Herstellung von Schweinemischfutter wuchs den amtlichen Zahlen zufolge um 2,8 % auf 9,84 Mio t, die von Mischfutter für Legehennen um 2,9 % auf 2,31 Mio t. Gesunken ist dagegen der Absatz von Rindermischfutter, nämlich um 2,1 % auf 6,92 Mio t. Mit 4,15 Mio t entsprach das Aufkommen an Mischfutter für das Mastgeflügel der Menge von 2019.

Eine solche Stabilität gab es bei den Preisen zuletzt nicht: Die Preise bewegen sich nach Angaben von Lahde wegen der stark gestiegenen Rohstoffkosten beim Schweinefutter aktuell um bis zu 30 Euro/t und beim Rinderfutter sogar um bis zu 40 Euro/t über dem jeweiligen Vorjahresniveau. Zumindest bis zum Sommer bestehe auch nur wenig Hoffnung auf einen Trendwechsel bei den Kursen. Der DVT-Präsident äußerte zugleich jedoch die Erwartung, dass es mit einsetzender Ernte in Europa eine Entspannung beim bisher knappen Getreideangebot geben wird.

Verbraucher sollen entscheiden

Lahde betonte, dass der Einsatz von optimalen Futterrationen ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz sei. Eine besondere Herausforderung bilde im Rahmen der Umweltpolitik die Zielsetzung einer nährstoffreduzierten Fütterung. Die Futtermittelbranche biete hier seit vielen Jahren entsprechende Lösungen und könne damit einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Tierhaltung leisten, unterstrich der Verbandspräsident.

Kein Verständnis hat Lahde für die jüngst vom Umweltbundesamt (UBA) geforderte Halbierung des deutschen Fleischkonsums. Er sei «fassungslos» über solche Ideen, erklärte der DVT-Präsident. Nach seiner Auffassung sollte jeder Verbraucher selbst entscheiden, was und wie viel er konsumiert. Lahde wies zudem darauf hin, dass sich das Einkaufsverhalten und die Wünsche der Bürger hinsichtlich Umweltschutz und Tierwohl ohnehin schon längst verändert hätten.

Landwirte bei Transformation unterstützen

Die Vorschläge der Borchert-Kommission sieht Lahde teilweise als sinnvoll an, warnt aber zugleich vor möglichen Fehlanreizen. Er gibt zu bedenken, dass die in Aussicht stehenden zusätzlichen Auflagen viele Tierhalter zum Aufgeben veranlassen könnten. Nicht geklärt sei auch die Frage der Honorierung und Gegenfinanzierung. Der Verbandspräsident ist skeptisch, ob die Verbraucher die zusätzlichen Ausgaben akzeptieren werden und äußerte die Befürchtung, dass in Anbetracht der schon aus der Energiewende resultierenden Mehrkosten weitere Belastungen auf Widerstand stoßen könnten.

Perspektivisch ist nach Einschätzung Lahdes angesichts der verschiedenen politischen Tierwohl- und Umweltschutzstrategien eine Reduzierung der Tierbestände in Deutschland ohnehin vorgezeichnet, die sich auch im Mischfutterabsatz bemerkbar machen dürfte. Der DVT-Präsident sieht die Politik dabei in der Pflicht, den Landwirten und auch den nachgelagerten Branchen bei der Transformation unter die Arme zu greifen. «Damit die Landwirtschaft sich anpassen kann, erwarten wir gemeinsam mit den Tierhaltern konkrete Finanzierungskonzepte und insbesondere die Auflösung der Konflikte im Bau- und Immissionsschutzrecht», konkretisierte Lahdes seine Vorstellungen.

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